Traditionelle Anlagen
13. März 2026

Creditreform meldet steigende Ausfallraten

Defaults deutscher Unternehmen bei zwei Prozent. Zurück auf prä-pandemischem Durchschnitt.

Eine konjunkturelle Stagnation, steigende Kosten und geopolitische Unsicherheiten erschweren die Lage für deutsche Unternehmen und ihre Kreditgeber. Wie die Creditreform in ihrer Default Study 2026 informiert, steigen die Ausfallrisiken deutscher Unternehmen spürbar. Laut der Studie erhöhte sich die empirische Ausfallrate im Jahr 2025 auf 1,88 Prozent. Für das Jahr 2026 erwartet die Ratingagentur einen weiteren Anstieg auf 2,08 Prozent. Damit würde die Zwei-Prozent-Marke erstmals seit der globalen Finanzkrise wieder überschritten.

„Die wirtschaftliche Stabilisierung bleibt fragil“, sagt Dr. Benjamin Mohr, Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform Rating. „Hohe Energie- und Lohnkosten, geopolitische Unsicherheiten sowie eine verhaltene Investitionsneigung bremsen die wirtschaftliche Dynamik. Unter diesen Bedingungen nimmt der Druck auf viele Unternehmen spürbar zu.“

Mit dem Anstieg der empirischen Ausfallrate auf 1,88 Prozent setze sich der seit 2022 beobachtete Normalisierungsprozess fort. Nach den außergewöhnlich niedrigen Niveaus der Jahre 2020 und 2021 habe sich das Ausfallgeschehen inzwischen wieder deutlich in Richtung der prä-pandemischen Durchschnittswerte bewegt. Die Phase pandemiebedingt außergewöhnlich niedriger Kreditrisiken infolge umfangreicher staatlicher Stützungsmaßnahmen ist damit endgültig beendet, so die Creditreform.

Ausfallraten: Breite Normalisierung auf erhöhtem Niveau

Die Zunahme der Ausfälle sei strukturell breit angelegt. Der Anstieg der Ausfälle zeige sich in nahezu allen Unternehmensgrößenklassen, wobei kleine und sehr kleine Unternehmen weiterhin überproportional betroffen sind. Auch nach Unternehmensalter sei ein differenziertes Bild zu erkennen: Junge Unternehmen und Unternehmen in der Expansionsphase weisen weiterhin die höchsten Ausfallraten auf, da sie sensibler auf konjunkturelle Schwankungen und Finanzierungskosten reagieren. Branchenspezifisch bleiben zyklisch sensitive Sektoren wie Bau, konsumnahe Dienstleistungen sowie Verkehr und Logistik überdurchschnittlich belastet, so die Bonitätsspezialisten. Gleichzeitig sei die Risikozunahme nicht mehr ausschließlich auf einzelne Problembereiche beschränkt, sondern zeige eine zunehmende Verbreiterung über die Wirtschaftsstruktur hinweg.

Goldman Sachs zeichnet ähnliches Default-Bild

Diese Verteilung der Ausfälle ergibt sich auch aus einer Studie von Goldman Sachs Asset Management zu Credit-Events in Europa in den vergangenen zehn Jahren. Laut dem Manager sind kleinere Unternehmen in zyklischeren Sektoren eher von Ausfällen betroffen. Wichtig sei für Kreditgeber Disziplin beim Underwriting und eine durchdachte Portfoliokonstruktion.

Auffällig ist für die Creditferorm, dass sich die Dynamik des Anstiegs gegenüber 2024 leicht verlangsamt hat. Dies deutet allerdings weniger auf eine Entspannung als vielmehr auf eine Phase erhöhter, sich jedoch allmählich stabilisierender Kreditrisiken hin. Das Risikoniveau bleibe klar oberhalb der Vorkrisenjahre.

Für die Entwicklung der Ausfallraten bedeute dies keinen unmittelbaren Entlastungseffekt: Vielmehr erwartet die Creditreform für 2026 wie bereits erwähnt einen weiteren Anstieg der empirischen Ausfallrate auf 2,08 Prozent. Für Kreditinstitute und Investoren bedeute dies ein Umfeld, in dem aktives Risikomanagement, differenzierte Portfoliobetrachtungen und eine sorgfältige Bonitätsselektion weiterhin an Bedeutung gewinnen.

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