Traditionelle Anlagen
6. März 2013

Dachfonds machen schlapp

Die Ratingagentur Scope hat Dachfonds im Aktien- und im Mischfondsuniversum unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind keine Lobpreisung.

Dachfonds gelten gemeinhin als besonders vorteilhafte Vermögensanlagen, die nahezu keine Wünsche offen lassen im Hinblick auf Diversifikation, Ertragschancen und Risikostreuung. Unter einem Dach sollen einfach die aussichtsreichsten Zielfonds gebündelt werden – so die Theorie. In der Praxis verfehlen allerdings viele Dachfonds die an sie gestellten Erwartungen. 
Nach Angaben der Berliner Ratingagentur Scope konnten Dachfonds in den Kategorien „Aktien Global“ und „Mischfonds Global Flexibel“ in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt nicht überzeugen. Im Vergleich mit klassischen Fonds schnitten sie sowohl bei der Rendite als auch im Hinblick auf die Volatilität schlechter ab. 
Kein Ruhmesblatt
Bei globalen Mischfonds lag die durchschnittliche Rendite auf Sicht der vergangenen drei Jahre bei knapp über acht Prozent. Entsprechende Dachfonds kamen dagegen nur auf ein Plus von 2,89 Prozent. Ähnliches Bild auch bei globalen Aktien. Hier konnten klassische Fonds im Durchschnitt eine Rendite von 22,51 Prozent generieren. Dachfonds mit einem Anlageschwerpunkt auf globalen Aktien schnitten mit einer Performance von 17,69 Prozent auch hier schwächer ab als klassische Fonds.
Das ernüchternde Bild spiegelt sich auch auf Sicht der vergangenen fünf Jahre wider: Klassische Fonds schlagen sich im Durchschnitt besser als Dachfonds. Wenn man sich darüber hinaus den maximalen Verlust in den zurückliegenden 60 Monaten vor Augen führt, haben Dachfonds mit minus 31,32 Prozent (Mischfonds) beziehungsweise minus 40,46 Prozent (Aktien global) in beiden Anlagekategorien keine Vorteile gegenüber ihren klassischen Pendants gezeigt, die in der Spitze 26,17 beziehungsweise 40,57 Prozent eingebüßt haben. Und auch im Hinblick auf die Volatilität können Dachfonds nicht überzeugen, schwanken sie doch auf Sicht von drei und fünf Jahren in ähnlichem Umfang wie klassische Fonds.
Die Schwächen liegt im Detail
Nach Einschätzung von Scope gibt es im Wesentlichen drei Gründe, die das im Durchschnitt schlechte Abschneiden der Dachfonds erklären können. Erstens: Dachfonds erheben eine eigene Management Fee. Sie müssen aber auch Gebühren an die Zielfonds entrichten. Diese doppelte Kostenstruktur hebt die gesamte Belastung und mindert somit die Performance. Zweitens: Viele Dachfonds können sich aufgrund geringer Fondsvolumina qualitativ hochwertiges Research nicht leisten. Das fehlende Research-Potenzial hat zur Folge, dass sich die Fonds- beziehungsweise Managerselektion oft nur auf einfache quantitative Analysen beschränkt und notwendige qualitative Auswertungen „nur mangelhaft“ durchgeführt werden. Wie Scope in diesem Zusammenhang hervorhebt, wird die strategische Portfolioallokation durch mangelnde Research-Kapazitäten deutlich erschwert.
Last but not least führt Scope das Abschneiden der Dachfonds darauf zurück, dass Investments in Zielfonds ein stetiges und aufwändiges Monitoring erfordern. Dachfonds müssen ihre Zielfonds also immer im Blick behalten und bei Bedarf Umschichtungen vornehmen. Dieser Aufwand wird jedoch selten in ausreichendem Umfang betrieben, so das niederschmetternde Urteil von Scope.
portfolio institutionell newsflash 06.03.2013/tbü
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