Versorgungswerke
28. Oktober 2020

Das Aktienrezept der Apotheker

Aktienquoten zu erhöhen, ist das Eine, das Andere, diese durchzuhalten. Durchhalten fällt leichter, wenn man wie die Apotheker Nordrhein Aktien antizyklisch kauft.

Im Einkauf liegt bekanntlich der Gewinn: Diese Weisheit hat das Apothekerversorgungswerk Nordrhein beherzigt und den Corona-Crash zum antizyklischen Einstieg in Aktien genutzt. Dabei lief (fast) alles nach einem lange aufgesetzten Plan. Das Warten auf einen Markteinbruch hat sich gelohnt, die Aktienquoten sind nun deutlich höher. Über die Vor- und Nachteile dieses Aktiensparplans sprach Geschäftsführer Jens Hennes mit Patrick Eisele.

Die Situation an den Kapitalmärkten war sehr fordernd …

Da liegen Sie leider richtig. Der Einbruch an den Aktienbörsen ging dieses Mal unglaublich schnell. Aber wir hatten an der Börse ­Limite ­hinterlegt, so dass wir bei Erreichen von bestimmten Kursniveaus automatisch auf der Käuferseite stehen.

Kaufen? Nicht verkaufen?

Unsere Idee ist, antizyklisch zu investieren. Wir sehen eine Krise als Chance, günstig Positionen aufzubauen. An manchen ­Börsentagen wurden unsere Kauflimite zwei- oder sogar dreimal am Tag erreicht und dann ausgeführt. Das war stellenweise richtig turbulent.

Warum ist das VANR antizyklisch und nicht prozyklisch unterwegs?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein paar Jahre zurückgehen. 2008, im Jahr der Finanzkrise, hat die Geschäfts­führung – also Stephan Janko und ich – ­gemeinsam mit den Gremien die schwere Entscheidung getroffen, risikoreichere ­Asset-Klassen deutlich zu reduzieren.

Die ausreichende Unterlegung der Risikopositionen mit Risikoträgern – ein Grundprinzip nachhaltigen und verantwortungsvollen ­Investierens – wäre sonst gefährdet ­gewesen. Wir gingen auf Risikostufe 1, das für Versorgungswerke niedrigste Level ­zurück. Diese Umschichtung nahmen wir ­glücklicherweise schon früh im zweiten und Anfang des ­dritten Quartals 2008 vor, so dass wir vom immer dramatischeren Kursverfall ab Mitte des Jahres nicht voll ­getroffen wurden.

In den Nachkrisenjahren machten wir dann eine sehr prägende Erfahrung: Es dauerte bis in die Jahre 2013, 2014 bis wir unsere ­Risikopositionen strategisch und abge­sichert wieder so weit wie vor der ­Finanzkrise aufgebaut hatten.

Im Februar und März war dann die Feuertaufe für den antizyklischen Aktienkauf?

Nein, die war bereits Ende 2018. Im letzten Quartal dieses Jahres brach der Aktienmarkt deutlich ein. Der von uns entwickelte strategische Investmentprozess griff zu diesem Zeitpunkt das erste Mal. Und so stiegen wir systematisch in den fallenden Markt ein.

Die eigentlichen Volumina, mit denen wir unseren Aktienbestand vergrößerten, ­waren indes noch recht überschaubar – der Markt ging im Dezember 2018 um vergleichsweise bescheidene 15 Prozent zurück. Auf größere Einkaufsmöglichkeiten mussten wir also weiter warten – bis dieses Jahr. Die Indizes büßten weltweit 30 Prozent und mehr ein – entsprechend umfangreich fiel unser Einkauf aus.

Stand heute ist der Plan aufgegangen, ­Aktien wurden zu günstigen Kursen eingekauft. Sich aber immer wieder tapfer zu ver­billigen, ist bilanziell und nervlich nicht einfach.

Unser Vorgehen basiert auf einer externen Asset-Liability-Management-Studie (ALM) von 2018, welche drei Zinsszenarien gerechnet hat: Was ist, wenn die Zinsen steigen, unverändert bleiben oder noch weiter ­fallen? Diese drei Überlegungen resultierten in drei Optimalportfolios.

Deren Werte haben wir in Bandbreiten nebst taktischen Ab­weichungen übertragen. Laut der ALM-­Studie war unsere Aktienquote unabhängig von der Zinsentwicklung viel zu niedrig.

Unserer Überzeugung nach waren die Märkte bereits zu hoch bewertet für Käufe, wir rechneten fest mit Rücksetzern. Diese haben wir dann relativ niedrig angesetzt: Mit den ersten Käufen haben wir dementsprechend bereits zehn Prozent unter den Höchstständen begonnen – ansonsten ­wären wir bei stabilen Märkten dem Ziel der ALM-Studie jahrelang hinterhergelaufen.

Die massiven Zukäufe hatten noch einen weiteren strategischen Grund: Da die ­Notenbanken bei fallenden Aktienmärkten die Zinsen senken, geraten wir automatisch in das Niedrigzinsszenario der ALM-Studie. Und deren Vorgabe lautet: je niedriger die Zinsen, desto mehr Aktien.

Insofern habe ich mich gut gefühlt: Wir sind der ALM-Studie und unseren strategischen Zielen gefolgt.

 

Das komplette Interview lesen Sie in der Oktober-Ausgabe von portfolio institutionell.

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