Pensionsfonds
29. Oktober 2012

Das Comeback der Prudent Person: Schwedentrunk für Schäubles Bafin

Die Untersuchungskommission hat gesprochen: Zwei schwedische Pufferfonds sollen dichtmachen.­ Die übrigen drei bekommen neue Governance-Vorschriften und keine strikten quantitativen ­Anlagegrenzen mehr – vor allem für ungelistete und illiquide Anlageformen.

Es mutet schon ein wenig befremdlich an, was seit einigen Monaten mit den schwedischen „Buffer Funds“ gespielt wird. Man fühlt sich erinnert an die „Reise nach Jerusalem“, bei der es immer einen Stuhl weniger gibt als Spieler. Wer keinen Stuhl erwischt, wenn die Musik erstummt, ist raus. Die nordische Variante ist – wen wundert das – natürlich eine Spur härter: Hier fehlen gleich zwei Stühle, und es gibt nur eine Runde. Welcher der AP-Fonds, die umgerechnet ­insgesamt fast 110 Milliarden Euro verwalten und die mit Asset Managern rund um den Globus Geschäfte machen, bald aus dem Spiel mit den Altersvorsorgemilliarden raus sein wird, das entscheidet, na? ­Genau, der Staat, wie so oft in Schweden und wie immer häufiger auch im Rest Europas.
Doch weshalb müssen die Puffer-Fonds überhaupt mitspielen? Sie haben während ihres Bestehens schlicht nicht das ­gebracht, was man sich von ihnen erhofft hatte: Renditen, wie man sie mit Bond- und ­Aktienanlagen aus den 80er und 90er Jahren kannte, und natürlich die berühmten Kostenvorteile durch Skaleneffekte. Um diese „Puffer“-Fonds, die mögliche Unterdeckungen des schwedischen Renten­systems abfedern sollen, effizienter und rendite­trächtiger zu machen, musste ein Berater namens Mats ­Langensjö die Fonds AP1, AP2, AP3, AP4 und AP6 und deren Chefs Johan Magnusson, Eva Halvarsson, Kerstin Hessius, Mats Andersson und Adam Laurén ­monatelang ­unter die Lupe nehmen. Eine seiner wichtigsten, gerade veröffentlichten Vorschläge: die quantitativen Anlagegrenzen für die Fonds ab­zuschaffen und das Prudent-Person-Prinzip – die drei Ps – einzuführen. Welch Déjà-vu! Der Chronist erinnert sich noch dunkel an die jahrelangen Diskussionen im institutionellen Asset Management in Deutschland, die letztlich dazu führten, dass 2002 der Durch­führungsweg „Pensionsfonds“ entsprechend der drei Ps entworfen wurde. Spätestens 2009 verstummten im Angesicht der Finanzkrise dann allerdings viele Rufer, die jahrelang solche quantitativen Anlagegrenzen zum Beispiel für Versicherer und Pensionskassen verdammt hatten. Und noch mehr: Quantitative Anlagegrenzen wurden gefeiert, waren plötzlich sogar systemstabilisierend – und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hatte alles richtig gemacht.

Ausgerechnet Peter Norman, in der schwedischen Regierung ­zuständig für die Finanzmärkte, spendet Langensjös Ratschlägen nun heftig Applaus. Ein Menetekel für die Aufsicht auch im restlichen ­Europa, vielleicht sogar für Berlin und seine weisungsabhängige ­Bafin? Die Versicherer würden sich’s wünschen: Schließlich wird es für sie Jahr für Jahr schwieriger, in ­ihrem engen Anlagekorsett noch Luft zu bekommen, das außerdem durch Solvency II noch deutlich ­enger geschnürt werden wird. Geht es nach den Versicherern, dürfte es jedenfalls ruhig ein bisschen mehr Risiko sein. Sonst sind sie ihrerseits womöglich bald raus aus dem Spiel. Um das zu verhindern, muss Bundesminister Wolfgang Schäuble früher oder später in die Richtung denken, die Langensjö jüngst so formulierte: „Today the ­current quantitative investment regulations are ­working against the ­original purpose of limiting risks in asset ­management at a significant cost for existing and future pensioners.“ Und wer wie er von dem ­„unerschütterlichen Ehrgeiz besessen ist“ (Zitat: „Der Spiegel“), in der Eurogruppe zum Leidwesen einiger Kollegen auf Englisch zu kommunizieren, der dürfte auch keine Verständnis­probleme haben.

Zurück zur Reise nach Jerusalem: Welche AP-Fonds sollen nun geschlossen werden? Ziemlich sicher wird es bald heißen: „Sjätte AP-fonden överflödig“, denn dieser AP6 (2,2 Milliarden Euro) managte seit seiner Gründung 1996 ausschließlich nicht gelistete Unternehmen, vornehmlich schwedische, allerdings mit sehr begrenztem ­Erfolg: Unterm Strich stehen 2,5 Prozent real und 3,9 nominal. ­

Externe Asset Manager liquider Anlagen können also aufatmen, denn ihnen geht erst mal nichts flöten. Auch aufatmen können solche Vermögensverwalter, die nach ­Informationen von portfolio institutionell mit AP7 Geschäfte machen, also zum Beispiel Häuser wie ­Nomura Asset ­Management (für ­asia­tische Aktien), Northern Trust Global ­Investments  (Aktien Schwellenländer) oder UBS Global AM (Aktien Europa). Denn dieser – ­sehr aktienlastige – Fonds war durch seine ­ab­weichende Zielsetzung von der Untersuchung ausgenommen. ­Interessante Randnotiz: ­Peter Norman, der Claqueur aus dem Kabinett, war von 2000 bis 2010 ausgerechnet Chef von, na? Genau, AP7!
Das Beispiel des amtierenden schwedischen Ministers Peter ­Norman zeigt auch, wie groß in Ländern wie Schweden, Holland, ­Norwegen und Schweden der Stellenwert der Industrie „Pensions- und Asset Management“ und ihrer Top-Leute für die Besetzung von politischen Spitzenjobs ist. Das jüngste Beispiel dafür ist Lars Rohde, seit 1998 Chef des dänischen 100-Milliarden-Euro-Tankers „Arbejdsmarkedets Tillaegspension“. Er wird im Februar 2013 Chef der ­dänischen Notenbank. Man stelle sich einmal vor: ­Daniel F. Just von der Bayerischen Versorgungskammer würde Nachfolger von Wolfgang Schäuble werden, Rainer Jakubowski Jens Weidmann als Chef der Deutschen Bundesbank beerben und Dirk Lepelmeier Joachim Gauck ins Schloss Bellevue folgen. Kaum vorstellbar – oder doch?

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