Banken
25. Oktober 2016

Das Gleichnis vom Banker und Pandabär

Trotz allen Unkenrufen sind Banken derzeit nicht vom Aussterben bedroht. Davon ist Bundesbanker Dr. Andreas Dombret überzeugt. Aber Vorsicht: Sie könnten auf die Liste gefährdeter Arten kommen.

Stellvertretend für die bedrohte Tierwelt ziert der große Panda das Wappen des WWF. Mit dem Bankensektor hat der schwarz-weiße Bär auf den ersten Blick nichts gemeinsam. Das änderte sich jedoch mit der Rede von Dr. Andreas Dombret, Vorstandsmitglied bei der Bundesbank, auf dem Bayerischen Finanzgipfel am Montag: „Pandabär und Bankensektor haben durchaus etwas gemeinsam. Während Banken bei vielen, vor allem bei Fintechs, als vom Aussterben bedroht gelten, war dies für den Pandabären bis vor kurzem eine traurige Vorhersage. Aber vor wenigen Wochen haben die Vereinten Nationen mit der guten Nachricht aufgewartet, dass Pandabären nicht mehr vom Aussterben bedroht sind, allerdings seien sie weiterhin eine gefährdete Art. Das sind zumindest ermutigende Neuigkeiten, auch wenn noch sehr viel Arbeit vor uns liegt, die Pandabären als Art zu stärken. Das gleiche möchte ich gerne über den Bankensektor, acht Jahre nach der Finanzkrise, sagen“, so Dombret in seiner Rede.  
Seiner Ansicht nach stellt sich die Überlebensfrage für Banken derzeit nicht. „Mehr noch, entgegen aller negativen Nachrichten sehe ich durchaus viele positive Signale von Instituten, die daran arbeiten, besser für die Zukunft aufgestellt zu sein“, erklärte der Bundesbanker. Ähnlich wie die Pandabären seien Banken also nicht vom Aussterben bedroht, wohl aber in Bedrängnis. Zugleich mahnte Dombret, dass die Banken in nicht allzu ferner Zukunft auf der Liste der gefährdeten Arten landen könnten, wenn sie es versäumen, sich dem neuen Umfeld anzupassen. Die Geschäftsmodelle seien gewissermaßen Überlebensstrategien, die in Zeiten großer Veränderungen angepasst werden müssen.  
Fristentransformation reicht nicht mehr
Zu den großen Veränderungen gehört unter anderem das  Niedrigzinsumfeld, das der Bankensektor bereits stark zu spüren bekommt, wie Dombret anmerkte: „Es belastet die Ertragskraft zinslastiger Geschäftsmodelle. Für die deutschen Institute mit ihrem Fokus auf dem Zinsgeschäft ist diese Herausforderung sehr schwerwiegend.“ Das werde an einer einfachen Zahl deutlich: Der Zinsüberschuss macht bei Banken und Sparkassen in Deutschland aktuell etwa 75 Prozent der operativen Erträge aus. „Ein lang anhaltendes Niedrigzinsumfeld bedeutet, dass ein grundlegender Baustein ihres Geschäftsmodells nicht mehr funktioniert: Es heißt schlicht und einfach, dass mit einem Schwerpunkt auf der Fristentransformationen nicht mehr genügend Geld verdient werden kann“, führte der Bundesbanker aus. Er geht davon aus, dass das Zinsniveau auf „längere Zeit niedrig“ sein wird. „Das bedeutet, dass Institute ihre Geschäftsmodelle weniger auf Erträge aus der Finanzmarktrefinanzierung stützen können, weil Erträge aus Fristentransformation nicht ausreichen werden. Das erfordert ein enormes Umdenken“, ist sich Dombret bewusst. 
Nach Ansicht von Dombret muss sich das Bankgeschäft wieder zu einem normalen Wirtschaftssektor wandeln, in dem Erträge durch solide Geschäftsmodelle erwirtschaftet werden, die eng an den Kundenbedürfnissen ausgerichtet sind. „Dafür brauchen Banken keine überambitioniert gesetzten Ertragsziele, die letztlich nur kurzfristig Gewinne abschöpfen. Denn Erträge, die nur kurzfristig, aber dafür auf Kosten der langfristigen Ertragslage gemacht werden, schwächen Institute eher“, so der Bundesbanker. Vielmehr sollten die Erträge realistisch und auf Kontinuität ausgerichtet sein.
Für problematisch hält Dombret die zuletzt wieder salonfähig gewordene Kritik an der vermeintlich zu strengen Regulierung: „Dabei habe ich vielfach den Eindruck, dass acht Jahre ausreichen, um eine Jahrhundertfinanzkrise zu verdrängen. Die mit den neuen, verbesserten Regeln einhergehenden Herausforderungen sind keine neuen Lasten. Dass für die Institute jetzt riskante Geschäfte weniger lukrativ sind, sie nachhaltiger wirtschaften müssen und ein tragfähiges internes Risikomanagement aufzubauen haben, ist vielmehr das Ergebnis von Altlasten aus Zeiten zu komfortabler Regulierung.“ Beschwerden hierüber verkennen laut dem Bundesbanker Ursache und Wirkung und sie lenken von den eigentlichen Problemen im Finanzwesen ab. Die Probleme des Bankensektors können laut Dombret nur durch einen Dreiklang aus Effizienzsteigerung, Erneuerung des Geschäftsmodells und Rückbau der Kapazitäten gelöst werden. 
Abschließend kam Dombret zu dem Fazit: „Der Bankensektor mag nicht die gleiche Sympathie wie der Pandabär in uns wecken; so ein flauschiges Fell haben Banker einfach nicht. Trotzdem: Zum Glück sind Banken und Sparkassen, ähnlich wie seit kurzem der Pandabär, nicht vom Aussterben bedroht. Die Reformbemühungen seit der Finanzkrise haben bereits einiges erreicht.“
portfolio institutionell newsflash 25.10.2016/Kerstin Bendix
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