Immobilien
7. Mai 2012

Das Jahr der krachenden Hypotheken

Dekade im Rückblick: Zehn Jahre institutionelle Kapitalanlage, zehn Jahre Krisenmanagement und zehn Jahrgänge portfolio institutionell: Langweilig war es nie! Rückblick auf das Jahr 2007.

2007 dürfte institutionellen Investoren noch deutlich in ­Erinnerung sein. Einerseits müssen die Regeln von Basel II seit dem 1. Januar in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union von allen Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten angewendet werden. ­Solvency II ist andererseits noch ein gutes Stück vom Tagesgeschäft entfernt, aber nicht mehr aufzuhalten. Schließlich hat die ­EU-Kommission dem Europäischen Parlament am 10. Juli einen ­Vorschlag für eine Solvency-II-Rahmenrichtlinie vorgelegt. Die ­Quantitative Impact Studies (QIS) I und II waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen; von April bis Juni wurde die Assekuranz mit QIS III in Atem gehalten.
Außerdem fieberten die Versicherer auf den „endgültigen Richt­linienvorschlag“ hin. Die Umsetzung von Solvency II soll schließlich bis 2011 oder spätestens 2012 erfolgen, so die ­allgemeine Hoffnung. Jochen Sanio, damaliger Präsident der ­Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), zeigte sich auf der Jahres­pressekonferenz seines Hauses optimistisch, dass dieser Zeitplan ­eingehalten wird. Doch Solvency verzögert sich, wie wir später wissen werden. Ein anderes Novum ist derweil schon festgezurrt: Der Bund legt seit Jahresbeginn Geld auf die hohe Kante, mit dem die Versorgungs­bezüge im ­Rentenalter ­bestritten werden sollen. Für alle seine neu ­eingestellten Beamten, Richter und Zeitsoldaten sind nun Zuweisungen an ­einen Versorgungsfonds zu leisten.

_Immobilien, Hypotheken und die Finanzkrise

An der Börse juckte das niemanden. Zu jener Zeit waren Immobilien­aktien heiß begehrt. Und so verwundert es auch nicht, dass es im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse zu einer Flut von Börsengängen aus ­diesem Sektor kam. Der Dax erreichte am 16. Juli bei 8.105 Punkten ein Rekordhoch, das bis dato nicht ­übertroffen wurde. Im Spätsommer gaben die Kurse zunächst deutlich nach, aus Sorge über negative ­Effekte durch die grassierende US-­Hypothekenkrise. Für Schlagzeilen sorgte ein Brief von Bear Stearns an Investoren, in dem die US-Bank ihre beiden in Schieflage ­geratenen Hedgefonds als nahezu wertlos einstuft. Dessen ungeachtet erreichte der Dow Jones am 9. Oktober den Rekordwert von 14.164,53 Punkten, der auch 2012 das Maß der Dinge für den Index sein würde.

Unter ausländischen Pensionsfonds erfreute sich 2007 Private Equity wachsender Beliebtheit. Sie hatten ihre Investments im Jahr zuvor kräftig hochgeschraubt, in der Hoffnung, höhere Renditen ­einzufahren und so die Renten einer alternden Bevölkerung ­sicher­zustellen. US-Buy-out-Fonds, unter Beteiligung großer ­Pensions­einrichtungen, wie Calpers, investierten schon seit einigen ­Jahren zum Teil auch in den deutschen Mittelstand. Hierzulande ­führen ­Private-Equity-Investitionen dagegen bis auf weiteres ein Schatten­dasein, betrachtet man die Allokation von weniger als ­einem Prozent. Institutionelle Anleger mit ­einem starken Hang zu ­Staats­anleihen konnten sich 2007 über ­relativ ­üppige Erträge freuen. Schließlich schwankte die Umlaufrendite in Deutschland zwischen vier und fünf Prozent, um in den Jahren darauf bis auf 1,5 Prozent ­zu sinken. ­Apropos ­Anleihen: Wer 2007 in Bonds der europäischen ­Peripherie investiert war, lag (zunächst) nicht verkehrt. ­Insbesondere ­griechische ­Staats­anleihen notierten (noch) stabil um die ­Marke von 100 ­Prozent.

In einem Gastbeitrag ging Jörg W. Kloy, Geschäftsführer bei ­Atlantic Capital Partners, unter anderem auf sogenannte Volatility ­Cluster, ­Diversification Meltdown und insbesondere auf Fat Tails ein und schrieb: „Die Normalverteilung ist in der ­Finanzwelt das am ­häufigsten verwendete ­statistische Konzept. Was aber, wenn die ­Gesetze der Normal­verteilung nicht gelten?“ ­Risiken könnten dann falsch eingeschätzt werden, so Kloy. Mit seiner ­Warnung „die ­Verflechtung der Märkte kann in ­Krisensituationen zu einer ­Synchronisierung von Kursbewegungen führen, die sehr schnell die Randbereiche der ­Renditeverteilung ­erreichen“ gab er einen ­bemerkenswerten und überaus deutlichen Warnschuss ab, der in der aufziehenden Krise voll ins Schwarze traf.
Auch wenn es die Kapitalmarktakteure zunächst nicht wahrhaben wollten, zogen im Frühjahr 2007 Wolken auf. Der Beginn der Finanzkrise als Folge eines spekulativ aufgeblähten Wirtschaftswachstums und einer Immobilienblase in den USA brachte zunächst klamme Häusle­bauer, später auch deren Banken in Not. ­Zahlungsausfälle und ­Zahlungs­störungen im US-amerikanischen Hypothekenmarkt, ­insbesondere im ­Sub­prime-Segment, sorgten ­weltweit für Aufsehen. Hunderte ­Regionalbanken in den USA sind in den Folgemonaten in die Insolvenz gegangen. Auch in Europa brachten Immobilienkrisen den Bankensektor, den ­Arbeitsmarkt und nicht zuletzt die Staats­finanzen in Bedrängnis. Die Pleite von Lehman Brothers, die im Herbst 2008 zu massiven Verwerfungen geführt hat, ist zu ­jener Zeit aber noch ein Stück weit entfernt.

_Die Turbulenzen häufen sich

Die Stimmung institutioneller Anleger wurde insbesondere durch Turbulenzen um Fonds getrübt, die in Asset-Backed Securities (ABS)investiert waren. Europaweit wurden 2007 eine Reihe strauchelnder ­Investmentfonds aufgrund der Finanzkrise liquidiert. Ein gutes ­Dutzend weiterer Produkte musste damals aufgrund von ­Liquiditäts­problemen vorübergehend geschlossen worden. Auch so mancher ­Geldmarktfonds kam ­wegen der ABS-Turbulenzen in ­Bedrängnis. Die Fonds­industrie erarbeitete daraufhin Wohl­verhaltensregeln und ­Definitionen für unterschied­liche Kategorien von Geldmarktfonds. Verluste und die Illiquidität von forderungs­besicherten Wert­papieren führten zu ­einer ­Ausweitung der ­Risikoaversion von Investoren ­gegenüber ­kreditrisikobehafteten ­Anlageinstrumenten, die noch ­einige Jahre lang anhielt.

Bayerischen Spitzenpolitikern dürfte 2007 in schlechter ­Erinnerung bleiben. Denn die BayernLB ließ sich im Mai zum Kauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria ­verleiten, die sich im Nachhinein als Fass ohne ­Boden entpuppt hat. Dass das ­Investment ein Schlag ins Wasser war, zeigte sich im ­Dezember 2009, als die ­Landesbank ihre ­Anteile zum ­symbolischen Preis von ­einem Euro an die Republik Österreich ­weiterreichte, ­nachdem (­erneuter) ­Finanzbedarf in Höhe von über 1,5 Milliarden ­Euro bekannt wurde.

Für die SachsenLB kam es 2007 ­knüppeldick. ­Die Landesbank hatte sich mit Verbriefungs­geschäften auf Hypothekenmarkt­kredite schwer verhoben. Im ­Zuge der ­Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten waren die dafür erforderlichen ­Refinanzierungsstrukturen nicht mehr in der Lage, ­kurz­fristige ­Anleihen auf dem Kapitalmarkt zu platzieren, um die ­erworbenen langfristigen Kredite zu ­refinanzieren. Das ­klamme ­Institut, aufgrund mangelnder Liquidität in seiner Existenz gefährdet, wurde noch im ­August an die ­Landesbank Baden-­Württemberg ­verkauft. Auch die IKB Deutsche Industriebank geriet 2007 in ­Finanznöte, weil sie ihre gekauften ­Forderungen, ­ebenso wie die ­SachsenLB, nicht mehr vollständig ­refinanzieren ­konnte.

portfolio institutionell, 16.04.2012

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