Schwarzer Schwan
14. September 2018

Das Joint Venture der SNB

Auch im Depot können Drogen helfen, Sorgen zu vergessen.

Von Bill Clintons Präsidentschaft sind nicht nur sonderbare Aussagen zu seinem Liebesleben – „I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky“ –, der Begriff „Oral Office“ und ein mit präsidialem Ejakulat beflecktes Kleid im Gedächtnis der amerikanischen Nation geblieben. In Erinnerung bleibt auch eine gewisse Bigotterie bezüglich des Gebrauchs von Betäubungsmitteln, da Clinton bekanntlich Haschisch geraucht, aber nicht inhaliert hat. Interessanterweise neigen des Dopings überführte Sportler dazu gegenteilig zu argumentieren, also dass man inhaliert, aber nicht geraucht habe.

Vergleichsweise transparent reported dagegen die Schweizer Nationalbank, SNB, ihren Gebrauch von Cannabis. Die SNB hortet in ihrem Aktienschatz knapp 300.000 Aktien von Canopy Growth, einem Händler von medizinischen Cannabis-Produkten, im Wert von rund 16 Millionen Dollar. Dies recherchierte das Medium Inside Paradeplatz, das daraufhin den Präsidenten der SNB, Thomas Jordan, flugs mit „Haschisch-Händler“ titulierte.

Auch im Depot können Drogen helfen, Sorgen zu vergessen: In drei Jahren legte Canopy um inspirierende 4.150 Prozent zu! Möglicherweise könnte eine operative Zusammenarbeit mit Canopy, also ein Joint Venture, noch neue Impulse für die geldpolitische Lagebeurteilung und die Inflationsprognosen geben? Die Wirkung und Nachwirkungen von Beteiligungen an Banken scheut die SNB dagegen. Bankaktien kommen der SNB und Thomas Jordan nicht in die Tüte.

Jordan und Erdogan
Wem etwas Entspannung und das Hippie-Motto „make Love, not War“ gut täte, ist der allmächtige Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan. Jordan und Erdogan sind nun übrigens Kollegen, da Erdogan sich laut einem Welt-Bericht handstreichartig zum Chefverwalter des 200-Milliarden-Dollar schweren türkischen Staatsfonds ernannt hat. Der Mann hat eben Visionen. Das bisherige Leitungsteam des anatolischen Staatsschatzes wurde für abgesetzt erklärt. Unterstützt wird Erdogan bei der Verwaltung durch den bewährten Finanzminister Albayrak, der in den Verwaltungsrat des Staatsfonds einzieht. Albayraks Kompetenzen basieren darauf, dass er der Schwiegersohn von Erdogan ist. Wie Die Welt schreibt, gab es in den vergangenen zwei Jahren Stimmen, die für eine Privatisierung des Fonds plädierten. Dieser Schritt ist nun erfolgt.

Ein inspirierendes Wochenende wünscht die Redaktion von portfolio institutionell!

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