Asset Management
1. Juli 2026

Das Spezialfondsgeschäft im Wandel der Zeit

Nach einem schwachen Jahresauftakt im Spezialfondsmarkt gibt es noch viel Luft nach oben, wie die neue Ausgabe des „Spezialfondsmarkt Quarterly“ zeigt. Und: So hat sich das Anlageverhalten der großen Investorengruppen binnen zwölf Jahren verändert.

Das erste Quartal ist im Spezialfondsgeschäft generell immer schwächer als die Folgequartale. Und auch in diesem Jahr war das Auftaktquartal durchwachsen, was das Nettoneugeschäft und die Dotierung frischer Liquidität betrifft. Das zeigt die neue und mittlerweile 23. Ausgabe der Publikation „Spezialfondsmarkt Quarterly“ der Kommalpha AG. Darin analysiert das Beratungsunternehmen Quartal für Quartal die Marktentwicklung.

Besonders aktiv waren die darin betrachteten Altersvorsorgeeinrichtungen, Versicherungen und weitere Großanleger, die den Spezialfondsmarkt prägen, von Januar bis Ende März nicht gerade. Denn laut Kommalpha-Vorstand Clemens Schuerhoff ist dieses Jahr „noch ganz viel Luft nach oben“.

Während das vierte Quartal 2025 bei den deutschen Spezialfonds noch von einer signifikanten Beschleunigung des Nettowachstums geprägt gewesen ist, zeigen die frischen Zahlen (siehe Grafik), dass das Nettomittelaufkommen in Spezialfonds nach einem ordentlichen Start im Januar und Februar schließlich im März mit rund 280 Millionen Euro fast zum Erliegen gekommen.

Insgesamt summiert sich das Nettoneugeschäft in Spezialfonds im ersten Quartal 2026 auf 8,3 Milliarden Euro, was laut Kommalpha ein vergleichsweise geringer Quartalswert ist. Der Durchschnitt des Nettomittelaufkommens der letzten fünf Jahre pro Quartal liege bei knapp 17 Milliarden Euro.

Die Zuflüsse von frischer Liquidität summieren sich in dem Dreimonatszeitraum auf 38,5 Milliarden Euro – interessanterweise mit dem höchsten Wert im März mit 18,8 Milliarden Euro. In dem Monat ist von dem frischen Geld jedoch fast nichts netto in Spezialfondsmandaten verblieben.

Der Quartalswert der Mittelzuflüsse von 38,5 Milliarden Euro ist ebenfalls unterdurchschnittlich im Zeitvergleich. Die durchschnittlichen Mittelzuflüsse der letzten fünf Jahre pro Quartal betragen 59,5 Milliarden Euro. Die Cashflows in Spezialfonds sind somit im ersten Quartal 2026 ins Stottern geraten. „Das ist für einen Jahresauftakt nicht völlig ungewöhnlich“, sagen sie bei Kommalpha. Das Ausmaß sei jedoch bemerkenswert.

Beim Nettomittelaufkommen haben die Corporates die Nase vorn

In der Rangliste des Nettomittelaufkommens auf Ebene der Investorenkategorien liegt im ersten Quartal eine Kundengruppe vorn, die in Sachen Nettoneugeschäft in Spezialfonds sehr selten ganz oben auf dem Treppchen steht: Corporates dotierten in Summe 4,3 Milliarden Euro netto in ihre Spezialfondsmandate, was Platz eins im Ranking bedeutet.

Silber geht an Sozialversicherungen und öffentliche/kirchliche Zusatzversorgungseinrichtungen und Kreditinstitute, die im ersten Quartal fast gleichauf rund 2,1 Milliarden Nettomittelaufkommen in Spezialfonds aufweisen. Den vierten Platz belegen Versicherungen mit 1,6 Milliarden Euro, gefolgt von den sonstigen Investoren mit 1,2 Milliarden Euro. Altersvorsorgeeinrichtungen als größte Investorengruppe im Spezialfondsmarkt dümpeln mit einem Nettomittelaufkommen in Höhe von 708 Millionen Euro dahinter auf Platz sechs.

Versicherungen dotieren besonders viel frisches Geld

Die Rangliste der Dotierung von frischen Mitteln im ersten Quartal unterscheidet sich deutlich vom Ranking nach Nettomittelaufkommen. Denn Versicherungen pumpten 8,6 Milliarden Euro frisches Geld in ihre Spezialfondsmandate, was ihnen Platz eins beschert. Corporates folgen mit sieben Milliarden Euro, während Altersvorsorgeeinrichtungen mit 6,5 Milliarden Euro und Kreditinstituten mit sechs Milliarden Euro dahinter folgen.

Sozialversicherungen und öffentliche/kirchliche Zusatzversorgungseinrichtungen belegen Platz vier mit Mittelzuflüssen in Höhe von 4,9 Milliarden Euro vor privaten Organisationen ohne Erwerbszweck mit 3,8 Milliarden Euro an dotierter frischer Liquidität in Spezialfonds im ersten Quartal 2026. Sonstige Investoren bilden im Ranking das Schlusslicht mit 1,5 Milliarden Euro.

Rentenspezialfonds liegen in der Gunst der Anleger ganz vorn

Hinsichtlich des Nettoneugeschäfts liegen Rentenspezialfonds mit 5,6 Milliarden Euro weit vorn. Der Wert sei getrieben von starken Nettomittelzuflüssen im März 2026. Sonstige Spezialfonds sammelten im ersten Quartal 2026 in Summe 2,4 Milliarden Euro ein, gefolgt von Dachspezialfonds mit 1,5 Milliarden Euro und Immobilienspezialfonds mit 1,3 Milliarden Euro.

Bei Aktienspezialfonds war das erste Quartal im Hinblick auf das Nettoneugeschäft fast ein Nullsummenspiel. Sie weisen in Summe ein negatives Nettomittelaufkommen in Höhe von 100 Millionen Euro auf. Die rote Laterne haben gemischte Wertpapierspezialfonds.

Ein Blick zurück

Altersvorsorgeeinrichtungen sind mit einem Spezialfondsvermögen von 618 Milliarden Euro mittlerweile die mit Abstand größte institutionelle Investorenkategorie in Deutschland. Versicherungen sind mit 535 Milliarden Euro die zweitgrößte Investorenkategorie. Auf Rang drei der Anteilseignergruppen des Spezialfondsmarktes in Deutschland liegen private Organisationen ohne Erwerbszweck mit einem Spezialfondsvermögen von 253 Milliarden Euro.

Im neuen „Spezialfondsmarkt Quarterly“ werfen sie bei Kommalpha einen Blick zurück auf die jährlichen Nettomittelaufkommen dieser drei Investorenkategorien nach Asset-Klassen beziehungsweise nach Spezialfondskategorien in den vergangenen zwölf Jahren. Auf diese Weise wird deutlich, welche Spezialfondskategorie in welcher Phase hoch in der Gunst der größten Spezialfondsanleger stand und welche eher ein Schattendasein führte.

In der Analyse kristallisiert sich heraus, dass das Nettomittelaufkommen in Spezialfonds bei Altersvorsorgeeinrichtungen im Betrachtungszeitraum drastisch zurückgegangen ist. Ab 2023 ist das Niveau geradezu eingebrochen. Bis dahin waren gemischte Wertpapierspezialfonds der absolute Favorit von Pensionseinrichtungen.

Gemischte Wertpapierspezialfonds waren Liebling der AV-Einrichtungen

Laut Kommalpha dotierten Altersvorsorgeeinrichtungen in der Betrachtungsperiode der vergangenen zwölf Jahre insgesamt 139,4 Milliarden Euro netto in gemischte Wertpapierspezialfonds. Ähnlich hoch in der Gunst waren Dachspezialfonds, deren beste Zeiten im Hinblick auf das Nettoneugeschäft von Altersvorsorgeeinrichtungen zwischen 2015 und 2021 lagen.

Nach einem sehr schlechten Jahr 2022 erholten sich die Nettodotierungen. Seither sind Dachspezialfonds die beliebteste Spezialfondskategorie von Altersvorsorgeeinrichtungen. Von 2014 bis Ende 2025 sammelten Dachspezialfonds 86,7 Milliarden Euro netto von Altersvorsorgeeinrichtungen ein.

Recht konstant sehen die Nettomittelaufkommen in Immobilienspezialfonds aus. Wobei sich in den vergangenen fünf Jahren ein leicht abnehmender Trend erkennen lässt. Insgesamt kommen die Immobilienfonds auf ein Nettomittelaufkommen in Höhe von 32,8 Milliarden Euro in den zwölf Jahren bis 2025.

Bei Rentenspezialfonds ist der Verlauf der jährlichen Nettomittelaufkommen recht wechselhaft – mit einer leichten Tendenz nach oben in den vergangenen zwei Jahren. Sie summieren sich in der Betrachtungsperiode auf 27,8 Milliarden Euro.

Anlageverhalten der Versicherungen im Wandel der Zeit

Ganz anders stellt sich die Entwicklung der jährlichen Nettomittelaufkommen pro Spezialfondskategorie bei den Versicherungen aus. Hier zeigen sich deutliche strukturelle Unterschiede im Vergleich zu Altersvorsorgeeinrichtungen. Denn Rentenspezialfonds waren bis 2020 ganz oben in der Gunst von Versicherungen.

2021 hat sich dann das Nettoneugeschäft mit Nettomittelabflüssen aus Rentenspezialfonds drastisch umgekehrt, um sich danach auf im Zeitvergleich niedrigerem positiven Niveau einzupendeln. Insgesamt sammelten Rentenspezialfonds in der Betrachtungsperiode 95,6 Milliarden Euro bei Versicherungen ein.

Gemischte Wertpapierspezialfonds hatten bei Versicherungen ebenfalls einige sehr gute Jahre im Hinblick auf das Nettoneugeschäft, allerdings deutlich wechselhafter und mit einem früheren und deutlicheren Niveausprung nach unten als bei Altersvorsorgeeinrichtungen. Sie kommen auf ein Nettomittelaufkommen in Höhe von 89 Milliarden Euro von Versicherungen in den vergangenen zwölf Jahren.

Bei Immobilienspezialfonds sind das Muster und Niveau sehr ähnlich im Vergleich zu Altersvorsorgeeinrichtungen. Die Nettoflows sind bei Versicherungen sogar einen Hauch konstanter im Zeitverlauf und summieren sich auf 31,3 Milliarden Euro in der Betrachtungsperiode.

Das Nettoneugeschäft von Aktienspezialfonds bei Versicherungen ist seit 2019 sehr erratisch, nachdem es sich vorher auf dem höchsten Niveau der drei hier betrachteten Investorenkategorien befand.

Fazit und Ausblick

Festzuhalten ist laut Kommalpha, dass das Nettoneugeschäft der vergangenen Jahre deutlich verhaltener ist, als im Zeitraum davor. Insbesondere die beiden großen Investorensegmente Altersvorsorgeeinrichtungen und Versicherungen schwächeln diesbezüglich.

Gemischte Wertpapierspezialfonds sind die favorisierte Fondskategorie, nicht zuletzt aufgrund von Masterfonds- und Segmentfondsstrukturen, die auf Masterebene meistens als gemischte Mandate klassifiziert sind, wie sie bei Kommalpha verdeutlichen. Der zurückgekehrte Zins sei Wind auf die Mühlen der Bondsdirektanlage, heißt es. Es bleibe für die Asset-Management-Branche zu hoffen, dass institutionelle Investoren ihre Renditeziele auch weiterhin zu einem gewissen Maße durch den Einsatz von Spezialfonds erreichen.

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