23. Januar 2013

Das würden Spezialfondsinvestoren kaufen

Der Bundesverband Investment und Asset Management und das Beratungshaus Kommalpha widmen sich in einer Studie den Sorgen und Nöten von Spezialfondsanlegern. Das Stimmungsbild zeigt, dass es ohne Solvency II zu rigorosen Einschnitten in den Portfolios kommen würde.

Institutionelle Anleger haben derzeit 61 Prozent ihres Spezialfondsvermögens in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Augenscheinlich viel zu viel, um angesichts des Niedrigzinsumfelds gut über die Runden zu kommen. Gäbe es die regulatorischen Vorgaben von Solvency II nicht, die für riskantere Vermögenswerte teils horrende Eigenkapitalanforderungen vorschreiben, würden die Investoren verstärkt auf Immobilien und Aktien setzen, so die Studienautoren. Parallel dazu würde die Quote festverzinslicher Wertpapiere auf 41 Prozent sinken. Laut der Kommalpha-Studie, an der im Juli und August vergangenen Jahres 134 institutionelle Anleger (40 Prozent von ihnen unterliegen dem Versicherungsaufsichtsgesetz oder ähnlichen Regeln) teilgenommen haben, würde der Anteil von Staatsanleihen und anderen Renten (zum Beispiel Pfandbriefe) auf die Hälfte des heutigen Bestandes von 18 beziehungsweise 27 Prozent abschmelzen. Im Gegenzug würden Unternehmensanleihen nicht mehr 15, sondern 19 Prozent der Allokation ausmachen.
Eine Studie im Konjunktiv
Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI), lässt sich im Hinblick auf dieses brennende Thema mit den Worten zitieren: „Mit den Renditen von Anleihen der Industriestaaten lassen sich die von institutionellen Investoren geforderten Renditen nicht mehr erzielen.“ Wie der BVI-Mann beobachtet hat, wollen viele Investoren deshalb renditestärkere Anlagen höher gewichten. Und dennoch tun sie es nicht. „Die bevorstehende Solvency-II-Regelung mit entsprechend hohen Unterlegungspflichten durch Eigenkapital hält sie offenbar davon ab“, konstatiert Richter.
Nach Angaben der Studienmacher würden die institutionellen Anleger die Aktienquote in den Spezialfonds bei einer Lockerung der diskutierten Solvenzvorschriften von zwölf auf 24 Prozent verdoppeln. Die Immobilienquote, aktuell bei sechs Prozent angesiedelt, würde auf 14 Prozent hochgeschraubt werden. Auch alternative Investments würden massive Zuflüsse verzeichnen. Der Studie zufolge zeigten sich die Anleger bereit, ihre Bestände von derzeit sechs auf 15 Prozent des Spezialfondsvolumens aufzustocken. Das kurzfristig liquide Guthaben in den Spezialfonds beträgt derzeit rund elf Prozent. Angestrebt werden dagegen nur noch vier Prozent.
Der BVI unterstützt nach eigenem Bekunden die Wünsche der Investoren nach veränderten regulatorischen Vorgaben. „Damit die für die Altersvorsorge bestimmten Mittel inflationsgeschützt und rentierlicher investiert werden können, sollten institutionelle Investoren insbesondere Immobilien und Infrastrukturinvestitionen bei ihren Kapitalanlagen höher gewichten können, ohne zu hohe Anforderungen durch die Eigenkapitalunterlegung berücksichtigen zu müssen“, fordert der BVI-Chef.
portfolio institutionell newsflash 23.01.2013/tbü
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