Strategien
14. Februar 2019

Der Elefant im Raum der Klimaschutzdebatte

Wind- und Photovoltaikanlagen sind sauberer als Kohle- und Atomenergie. Die sauberste Energie aber ist die Energie, welche nicht verbraucht wird. Investitionen in Energieeffizienz haben ein riesiges Zukunftspotenzial – wenn gewisse Probleme gelöst werden können.

Heterogenität der Projekte

Trotz dieses großen Potenzials sind Investitionen in einem Maßstab, wie es institutionelle Investoren sich wünschen, bisher noch recht schwierig umzusetzen. Denn bei den finanzierten ­Projekten handelt es sich oft um stark granulare, an die jeweilige Infrastruktur ­angepasste Prozesse. Das macht Aggregation schwierig und erhöht die Kosten. Das Zauberwort ist hier Standardisierung, welche durch ­verschiedene Projekte vorangetrieben wird. Durch einheitliche Standards lassen sich viele kleine Projekte bündeln, Risiken bleiben so mess- und ­kontrollierbar, so die Hoffnung.

Die von der EU und den UN ins Leben gerufene Energy Efficiency Financial Institutions Group (EEFIG) unterstützt diese ­Bemühungen und hat ein „historisches Niveau der öffentlich-privaten Zusammenarbeit“ gefordert, um die Finanzierungslücke für Energiesparprojekte zu schließen. Wichtiges Element ist dabei der Aufbau der De-risking Energy Efficiency Platform (Deep), welche eine solide Datenbasis und Transparenz bei der Finanzierung von Energie­effizienzmaßnahmen schaffen will. Dies wird ergänzt durch die Smart Finance for Smart Buildings Initiative der Europäischen Investitionsbank EIB, welche bis 2020 über Garantien zusätzliche öffentliche und ­private ­Investitionen im Umfang von zehn Milliarden Euro mobilisieren will. Das von der EU ­finanzierte „Investor Confidence ­Project“ folge dem ­Ansatz der ­Zertifizierung, so Frédéric ­Brodach von ­Serimus: „Bisher haben wir die ­Situation, dass die Projektentwickler sagen, ich ­mache ­Druckluft im ­Industrie­sektor, das kann man nicht ­vergleichen mit Druckluft im ­Gebäudesektor. Das mag ­prinzipiell stimmen, aber wir müssen zu dem Punkt kommen, dass wir die heterogensten ­Projekte auf einem höheren ­Abstraktionsniveau anhand standardisiert erhobener Kennzahlen vergleichen, bewerten und gegeben­enfalls bündeln können. Über unser Zertifikat Investor Ready Energy Efficiency ist dies möglich. Es schafft Vertrauen und senkt die Kosten für den ­Investor.“

Pioniere auf dem Vormarsch

Um institutionelle Investments zu ermöglichen, musste auf ­Asset-Management-Seite viel Pionier­arbeit geleistet werden. Die Susi ­Partners AG mit Sitz in der Schweiz war ein solcher Vorreiter und hat 2014 den ersten Fonds für Energieeffizienz aufgelegt. Kein einfaches Unterfangen, wie Alexander ­Hunzinger beschreibt. „Als wir 2014 ­gestartet sind, haben wir mit zehn bis 15 größeren Finanzierungen über zehn bis 20 Millionen ­Euro gerechnet. Tatsächlich stellte es sich als schwierig heraus, Projekte in entsprechendem Umfang zu ­realisieren. Der Durchbruch gelang mit dem Abschluss von Rahmenabkommen mit Energiedienstleistern, um eine Standardisierung der Projekte zu ermöglichen. Wir sind nun in der Lage, relativ schnell zu prüfen, ob eine Finanzierung unseren Kriterien entspricht. Zudem sind inzwischen knapp die Hälfte ­unserer Projekte Follow-up-Projekte. Das erleichtert das Vorgehen.“ Für den ersten Fonds hat Susi ­inzwischen 230 Millionen Euro in 44 ­Projekte mit über 750 Einzelmaßnahmen investiert.

Nun folgt ein zweiter Fonds über 300 ­Millionen Euro, rund fünf ­Prozent ­Rendite werden dabei anvisiert. Für das ­gesamte Portfolio wird nach Aussage von Alexander Hunzinger ­Investment Grade ­angestrebt. „Wir erreichen dies durch eine sorgfältige Auswahl ­unserer Projektpartner und eine starkes Alignment der Interessen mit dem Energiedienstleister. So behält in der Regel unser Projektpartner zehn bis 30 ­Prozent der Forderungen an den Endkunden und verpflichtet sich zudem, ­einen Teil der ersten Verluste zu tragen. Wir hatten so bisher keine Ausfälle zu verkraften.“ Zu den Kerninvestoren zählt ­Susi kleine bis mittelgroße deutsche Pensionskassen.

Auch die britische Fondsgesellschaft SDCL hat einen Fonds aufgelegt, der seit Dezember 2018 an der Londoner Börse gelistet ist und ­anvisierte 150 Millionen Pfund einbringen soll. Der SDCL Energy ­Efficiency Income Trust (SEEIT) hat bereits ein Portfolio von ­Projekten in Großbritannien, Irland und Singapur im Visier, welches von der ­Bürobeleuchtung der Bank Santander bis zur Erneuerung von Heiz- und Kühlenergiesystemen in einem Krankenhaus reicht. In Private Equity lässt sich beispielsweise über den Spanisch-Britischen Asset Manager SI Capital investieren. Deren Portfolio umfasst neben ­Unternehmen, die Energieeffizienzmaßnahmen durchführen, auch Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien.

Auch Hypothekenbanken engagieren sich – ganz überwiegend im Neubau – im Bereich Energieeffizienz. Die Münchner­ ­Hypothekenbank eG hat kürzlich ­einen ESG-Pfandbrief aufgelegt. Die Deckungsmasse über 500 Millionen Euro mit einem Kupon von 0,25 Prozent stammt aus grünen Darlehen, welche die Bank seit November 2015 zu einem um 0,03 Prozent ­verminderten Zinssatz vergibt. Anforderung für die Gewährung eines grünen Darlehens für Retail-Kunden ist ein ­maximal 70 kWh/m² jährlicher Energieverbrauch.  Gewerbeimmobilien ­können auch beliehen werden, sofern über Nachhaltigkeitszertifikate sehr gute Qualität belegt werden kann. Prinzipiell können darüber zwar auch Sanierungen finanziert werden, de facto werden jedoch vor allem energieeffiziente Neubauten refinanziert. „Wir fördern damit gezielt die ­effizientesten zehn Prozent des deutschen Wohnungs- und ­Häusermarktes. Die Nachfrage nach diesem Pfandbrief war groß, auch international. Wir haben über 500 Millionen Euro zusätzliches Potenzial“, sagt Claudia Bärdges-Koch, Head of Debt ­Investor ­Relations and Client Acquisition bei der Münchner Hypothekenbank. „Unsere ­Investoren fanden unsere granulare Deckungsmasse aus über 1.600 Einzeldarlehen überzeugend und auch, dass wir als genossenschaft­liches Unternehmen auch als Emittent nachhaltige Standards ­erfüllen.“

PKA mit eigenem Fonds

Einen ganz anderen Weg als ­Investor geht der dänische ­Pensionsfonds PKA. Dieser hat kurzerhand ­einen eigenen Fonds ins ­Leben gerufen, der von ­Sustainsolutions verwaltet wird. Der mit 300 ­Millionen DKK (rund 40 ­Millionen Euro) ­ausgestattete Fonds finanziert Maßnahmen  in den Bereichen Belüftung, ­Wärme, Beleuchtung und Solarzellen. Die nötige Expertise dafür aufzubauen, war gleichwohl mit ­erheblichen Anstrengungen ­verbunden, so Jesper Hem, CFO bei ­Sustainsolutions. Sustain­solutions tat sich anfangs schwer, aus sehr ­kleinteiligen ­Projekten eine kritische Masse zu bilden: „Wir haben zweieinhalb ­Jahre ­gebraucht, um eine Deal-Pipeline aufzubauen und zu testen, ­welche Kunden und Produkte am ­interessantesten sind und einen ­zufriedenstellenden Ertrag abwerfen. In den letzten zwölf ­Monaten konnten wir eine deutliche Steigerung bei gesourcten und ­ausgeführten Deals verzeichnen.“ Das bisherige Fazit fällt ­insgesamt – trotz der ­Anstrengungen – positiv aus: „Das Sustain­solutions-Modell funktioniert und es gibt viel Potenzial, Energie zu sparen und CO₂ im ­Gebäudebestand zu reduzieren.“

Investitionen in Energieeffizienz haben also großes Potenzial – auch wenn es derzeit noch viel Aufwand und Kosten bedeutet, dieses zu ­heben. Aber um die Klimaziele zu erreichen, wird es nicht ohne ­größere Anstrengungen in diesem Bereich gehen. Auf diesem Weg werden sich einige Möglichkeiten auftun. Die Unterlassung von ­Energieeffizienzmaßnahmen hingegen könnte teuer werden – für das Klima wie auch für die Eigentümer. So schätzt die inter­nationale ­Organisation für erneuerbare Energien Irena, dass bei Untätigkeit ­allein in Deutschland Gebäude im Wert von 1,3 Billionen Dollar zu ­gestrandeten ­Vermögenswerten werden könnten. Ein Anreiz, sich in den ­kommenden Jahren mit diesem Thema zu beschäftigen.

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