Immobilien
11. August 2026

Der Markt für Studentenapartments steht vor dem Comeback

Nach Jahren mit stetig rückläufigen Transaktionszahlen steht der Markt vor einer Trendwende. Auch die Zahl der Bauvorhaben deutet auf Wachstum hin.

Der deutsche Markt für private Studentenapartments zeigt deutliche Zeichen des Wachstums und der Professionalisierung. Das zeigt eine Analyse des Immobiliendienstleister JLL.

Demnach erreichte das Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2026 rund 200 Millionen Euro. Damit wurde nach lediglich sechs Monaten das Niveau des Gesamtjahres 2025 nur knapp verfehlt. Gut ablesen lässt sich das am nachfolgenden Diagramm.

Nach Jahren sinkender Transaktionszahlen steht der Markt vor einer Trendwende. Laut JLL befinden sich Asset-Deals im Wert von circa 400 Millionen Euro sowie Portfoliotransaktionen von insgesamt rund zwei Milliarden Euro in fortgeschrittenen Verhandlungen.

Renditen haben sich stabilisiert

Der Markt für Studentenwohnungen ist angespannt. Ein Grund dafür sind die hohen Baukosten, die das Angebot begrenzen. Und wer das Glück hat, eine Unterkunft zu finden, muss dafür viel zahlen.

Doch verglichen mit den begehrten Zimmer innerhalb von Wohngemeinschaften (WG) oder herkömmlichen Studentenwohnheimen sind private Studentenapartments, die eine Reihe von Zusatzfeatures aufweisen können, viel teurer. Laut JLL erzielen die Herbergen einen Aufschlag von 200 Euro bis 400 Euro gegenüber WG-Zimmern.

Dennoch gelten die Rahmenbedingungen für das Geschäft mit privaten Studentenunterkünften als positiv. Die Gesamtzahl der Studentinnen und Studenten in Deutschland erreichte im Wintersemester 2025/2026 mit 2,88 Millionen einen neuen Höchststand (plus 0,4 Prozent).

Besonders auffällig ist der Anteil internationaler Studierender, der mit 469.500 Personen seit 2014 ein Wachstum von 46 Prozent verzeichnete. Internationale Studierende stellen mittlerweile 30 Prozent aller Erstsemester – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den 19 Prozent im Jahr 2004.

Internationale Studierende sind nach Einschätzung von Sören Gröbel der primäre Wachstumstreiber in dem Geschäft. „Sie benötigen sofort verfügbare, möblierte Lösungen mit All-inclusive-Mietmodellen und sind aufgrund von Sprachbarrieren und fehlenden lokalen Bonitätsnachweisen vom klassischen Mietmarkt weitgehend ausgeschlossen“, so der Director of Living Research Germany bei JLL. „Hinzu kommen ein starkes Sicherheitsbedürfnis und der Wunsch nach Ansprechpartnern vor Ort.“

Zahlreiche Bauvorhaben in der Pipeline

Allerdings ist der Sektor in den vergangenen Jahren kaum gewachsen. Lag das jährliche Bestandswachstum zwischen 2019 und 2022 noch bei durchschnittlich 12,5 Prozent, ist die Rate bis Ende 2025 auf 3,8 Prozent im Mittel gesunken. Gründe dafür waren laut JLL die Coronakrise, die Zinswende und allgemeine Herausforderungen im Bau.

Aktuell dominiert das Segment jedoch die Entwicklungspipeline in den sieben Immobilienhochburgen. Berlin führt mit einer Pipeline-Intensität von 18,6 Prozent des Bestands, gefolgt von München (11,2 Prozent) und Düsseldorf (zehn Prozent). Allerdings bestünden erhebliche Unsicherheiten bezüglich der tatsächlichen Realisierungsquoten, heißt es.

Und noch etwas anderes ändert sich gerade rasant im Investmentmarkt für die besonders hochpreisigen Studentenunterkünfte: Laut JLL entwickelt er sich von einem entwicklungsgetriebenen zu einem portfoliobasierten Markt. Ablesen lasse sich die Entwicklung an dem Umstand, dass die ersten zusammengestellten Portfolios der ersten Wachstumswelle nun auf den Markt kommen.

Mehr Rendite als Prime-Wohnimmobilien

Die Anfangsrenditen für qualitativ hochwertige Studentenwohnheime in guten Lagen liegen zwischen 4,1 und 4,4 Prozent. Ein Vergleich mit Prime-Wohnimmobilien zeigt, dass sich beide annähern. Die Renditespreizung reduzierte sich von 120 bis 130 Basispunkten im Jahr 2021 auf aktuell 75 bis 85 Basispunkte. Darin spiegele sich das gewachsene Investorenvertrauen wider, heißt es.

Investoren sollten den Fokus auf Portfolio-Akquisitionen mit nachgewiesener operativer Performance legen, lautet der Rat von JLL. Neben den Standorten Berlin, München und Hamburg böten auch Köln sowie ausgewählte B-Städte wie Münster, Mainz oder Darmstadt attraktive Chancen mit höheren Renditeaussichten.

Großanleger wittert Chancen bei Studentenwohnheimen

Studentenwohnungen sind für institutionelle Anleger auch weiterhin eine spannende Anlageklasse. Das belegen nun auch die Pläne des australischen Pensionsfonds Aware Super. Der Großanleger mit einem verwalteten Vermögen von umgerechnet rund 148 Milliarden Euro und der Immobilienspezialist Tribera gehen (wie wir am 3. Juli 2026 berichtet haben) eine Partnerschaft ein.

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