Schwarzer Schwan
31. August 2017

Der Schnorrer der Wall Street

Anthony Scaramucci wird völlig unterschätzt. Wie man das Weiße Haus als Steuersparmodell nutzt.

Würdelos, peinlich und traurig wirkt es sehr oft, wenn gestandene und wohlhabende Mitbürger ihr Hab und Gut gut anlegen und vor dem unersättlichen Fiskus retten wollen. Manche flüchten Hals über Kopf in die Schweiz, einige ersinnen komplexe Konstruktionen, um ihr sauer Erspartes auf die Bahamas oder die Virgin Islands zu schmuggeln, wieder andere versuchen es mit Cum-ex- oder Cum-cum-Dividenden-Stripping und müssen sich dann als erfolgreiche Kaufmänner hinstellen und behaupten, die Anlagestrategie überhaupt nicht verstanden zu haben. Soso. 
Um zu zeigen, wie man Steuerprobleme ganz elegant löst, wollen wir an dieser Stelle noch einmal an den zu Unrecht fast schon wieder vergessenen Anthony Scaramucci erinnern, seines Zeichens Zehn-Tage-Kommunikationsdirektor im Weißen Haus. Die Frankfurter Allgemeine mag sich fragen, „wo Donald Trump die inkompetenten, verlogenen, moralisch verkommenen Gestalten auftreibt, die für ihn arbeiten“. Diese Beschreibung wird dem ehemaligen Goldman-Sachs-Mitarbeiter aber nicht gerecht.
Scaramucci ist nämlich vor allem eines: clever. Um jeden Anschein von Interessenskonflikten zu vermeiden – und damit die Regierung Trump auch in dieser Hinsicht weiter völlig unbelastet bleibt – verkaufte er laut der Zeitung vor dem Jobantritt seine Anteile am Hedgefonds Skybridge für 80 Millionen Dollar. Der Clou: Den Verkaufserlös strich er steuerfrei ein, weil er einen Regierungsjob antrat. Für zehn Tage Arbeit kassierte Scaramucci also bei einem Steuerhöchstsatz von 40 Prozent eine Steuerersparnis von 32 Millionen Dollar! Hut ab, alles richtig gemacht! 
Diese Steuerersparnis schnappte er sich zu Recht, schließlich hat er dafür auch hart gearbeitet. Zunächst musste er schließlich viel Energie aufwenden, sich bei Donald Trump einzuschleimen. Um jegliche Zweifel zu entkräften, bekundete der 53-Jährige Scaramucci (Spitzname „Mooch“, zu Deutsch: „Schnorrer“ oder „Schleimer“) zuletzt immer wieder seine Loyalität zu Donald Trump, an der er es zwei Jahre zuvor noch mangeln ließ. Dass er zuvor zig andere Kandidaten lautstark unterstützt hatte, ist eine andere Geschichte.
In seiner Amtszeit erwarb er sich besondere Verdienste mit seinem rhetorischen Talent. In einer Grußbotschaft an Trumps Ex-Chefstrategen Steve Bannon gelang es ihm an jene Zeiten zu erinnern, als es im Weißen Haus noch ein Oral Office gab, und er wies seine Zuhörer auf die den Amerikanern eigene gesunde Geschäftstüchtigkeit und ihren Patriotismus hin: „Ich bin nicht Steve Bannon. Ich versuche nicht, meinen eigenen Schwanz zu lutschen. Ich versuche nicht, meine eigene Marke auf der verdammten Stärke des Präsidenten aufzubauen. Ich bin hier, um dem Land zu dienen." 
Pikiert kommentiert die FAZ die Amtszeit von Scaramucci: „Fast bekam man den Eindruck, dass Scaramucci sich in Wahrheit eingeschlichen hat, um das trostlose Schauspiel der Ära Trump zu einem schnellen Ende zu bringen.“ Dahinter könnte ein höherer Plan stecken: Mooch for President! 
In diesem Sinne beenden wir hiermit die Sommerpause und freuen uns auf Neuigkeiten aus dem Weißen Haus. 
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