Schwarzer Schwan
24. März 2017

Der Vorhang fällt für S&K

Der Prozess um die beiden Gründer der S&K-Gruppe mutet wie ein Theaterstück an. Die Verteidiger zogen in ihren Plädoyers – kurz vorm letzten Akt – nochmals alle Register ihrer (Schauspiel)-Kunst.

Der vermutlich größte Prozess um Anlagebetrug in Deutschland neigt sich dem Ende zu. Für die beiden Protagonisten Stephan Schäfer und Jonas Köller wird dieses Drama aus 110 Akten wohl doch noch ein Happy End bringen. Mehr als vier Jahre nach ihrer Festnahme und mehr als eineinhalb Jahren Prozessdauer könnten die Gründer der Frankfurter Unternehmensgruppe S&K bald auf freien Fuß kommen. Am vergangenen Mittwoch beantragte die Staatsanwaltschaft, die Haftbefehle gegen Schäfer, Köller und ihre Mitangeklagten aufzuheben, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtete. 
Doch bevor das sehenswerte Stück um Schuld und Sühne der S&K-Jungs abgesetzt wird, machten deren Anwälte den Gerichtssaal im Frankfurter Landgericht am 22. März 2017 noch einmal zur großen Bühne. Sie boten dabei die gesamte Bandbreite ihres Könnens – von der Tragödie bis zur Komödie. Die Verteidiger von S., einem der Mitangeklagten, drückten vor allem auf die Tränendrüse, wie das Handelsblatt beobachtet hat. Während seiner Haft habe ihr Mandat die Hochzeit seines Bruders verpasst, die Geburt und Taufe seiner Nichten versäumt und bei der Beerdigung seines Vaters gefehlt. Zudem sei seine Beziehung in die Brüche gegangen, weshalb er nach der Haft zurück in sein Elternhaus ziehen müsse. Auch Schäfers Anwalt versuchte zunächst die emotionale Karte zu spielen, geriet dann jedoch in Rage. „Er ereiferte sich einmal mehr über die früheren Staatsanwälte, die sich ‚wie Jäger‘ verhalten hätten, einer habe in der Verhandlung ein Dauergrinsen im Gesicht gehabt, ‚ich dachte erst, er würde unter einer Gesichtslähmung leiden‘“, schreibt das Handelsblatt in seiner Prozessbeobachtung. Mit Satire wartete schließlich der Anwalt einer Nebenbeteiligten auf, in dem er darstellt, was er während der Hauptverhandlung angeblich alles gelernt habe.  
„Strafprozess heißt Hören und Staunen – davon kann man sich hier immer wieder überzeugen.“ Mit diesen Worten fasste Alexander El Duwaik, Vorsitzender Richter in dem Prozess um die S&K-Jungs, am Ende das mehr als anderthalb Jahre dauernde Schauspiel treffend zusammen, wie das Handelsblatt anmerkt. Denn tatsächlich war nicht nur der letzte Verhandlungstag ein sehenswertes Schauspiel, sondern das gesamte Stück. Schon die Exposition des Dramas kündigte Großes an: Es ging um nicht weniger als 240 Millionen Euro, um die mehr als 11.000 Anleger betrogen worden sein sollen. Es folgte die aufsehenerregende Komplikation in diesem Stück: Am 19. Februar 2013 rückten 1.200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte zu einer deutschlandweiten Razzia gegen die S&K-Gruppe aus. Der Höhepunkt war schließlich am 24. September 2015 erreicht, als der Prozess gegen die S&K-Jungs startete. Aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, die 3.150 Seiten umfasst, wurden rund 1.700 Seiten in der Hauptverhandlung vorgelesen.
Doch nicht nur die 75 Tage dauernde Verlesung der gekürzten Anklageschrift verzögerte die Handlung in diesem Drama. Das Stück wartete noch mit anderen retardierenden Momenten auf: So wurden Sitzungen mehrfach nach nur wenigen Minuten beendet, weil die Verteidiger den weiteren Ablauf mit Befangenheitsgesuchen gegen die Richter und allerlei Beweisanträgen blockierten. Unerwartet schnell steuert das Drama nun auf das Ende zu. Dieses wird für die S&K-Jungs wohl doch nicht in der Katastrophe enden, wie es in klassischen Dramen à la Friedrich Schiller eigentlich üblich ist. Mitte März stimmte das Landgericht Frankfurt zu, die Betrugsvorwürfe gegen vier der fünf Angeklagten fallen zu lassen. Den S&K-Jungs droht nun nur noch eine Verurteilung wegen Untreue, nachdem sie sich vor Gericht geständig zeigten. Wie happy das Ende in diesem Drama wirklich wird, wird der 29. März 2017 zeigen. Dann verkündet das Landgericht sein Urteil.     
Die goldene Himbeere in der Kategorie „größte Kapitalvernichter“ der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) haben die S&K-Jungs aber bereits heute schon gewonnen. Festzuhalten bleibt auch: Wer einmal Luxus leckt, weiß wie es schmeckt. Wir sind jedenfalls  gespannt auf die nächsten Karriereschritte der „SK Brothers“, wobei wir redaktionsintern davon ausgehen, dass es die Protagonisten nach dem juristischen Zwischenspiel mehr ins Entertainment ziehen wird als ins Finanzwesen.
In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein schönes, erstes Frühlingswochenende. 
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