Traditionelle Anlagen
23. November 2020

Deutsche Börse übernimmt Datenanbieter ISS

Mehrheitsbeteiligung von circa 80 Prozent der Anteile. Führender globaler Anbieter von ESG-Daten.

Die Deutsche Börse wird eine Mehrheitsbeteiligung von circa 80 Prozent an ISS, dem führenden Anbieter von Governance-Lösungen, ESG-Daten und Analytik, erwerben. Genstar Capital und das aktuelle Management von ISS werden mit circa 20 Prozent an ISS beteiligt bleiben. Der Transaktion liegt eine Bewertung von 2.275 Millionen US-Dollar (1.925 Millionen Euro) bar- und schuldenfrei für 100 Prozent von ISS zu Grunde. Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Halbjahr 2021 erwartet, vorbehaltlich erforderlicher regulatorischer Freigaben. Das gaben die Deutsche Börse AG, Institutional Shareholder Services Inc. (ISS) und Genstar Capital LLC in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt.

Diese Partnerschaft ermögliche es der Deutschen Börse und ISS gemeinsam die weltweiten Wachstumschancen zu nutzen, die sich durch den Trend zu nachhaltigen Investments bieten. Die Deutsche Börse unterstreicht mit dieser Transaktion nachdrücklich ihr Bekenntnis zu ESG als einem der wichtigsten Megatrends der Branche, der das Investitionsverhalten in den kommenden Jahren grundlegend verändern werde. Mit der einzigartigen ESG- und Datenexpertise von ISS entwickelt sich die Deutsche Börse zu einem führenden globalen Anbieter von ESG-Daten.

ISS bedient mehr als 4.000 Kunden, darunter weltweit führende institutionelle Investoren, die auf die objektiven und unabhängigen Daten und Research-Lösungen für Governance und Nachhaltigkeit des Unternehmens vertrauen. Darüber hinaus unterstützt ISS Unternehmen dabei, durch Verbesserung ihrer Governance und Fokus auf ESG ihren Unternehmenswert zu steigern. Die Transaktion stärkt die Kapitalbasis von ISS und eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, organische und anorganische Wachstumsinitiativen zu beschleunigen. Gleichzeitig kann ISS von der Infrastruktur und dem internationalen Indexgeschäft der Gruppe Deutsche Börse profitieren. Nach Abschluss der Transaktion werde ISS hinsichtlich seiner Daten und Research-Angebote mit der gleichen Unabhängigkeit wie bisher operieren. Das derzeitige Führungsteam mit dem CEO Gary Retelny werde in die Transaktion investieren und auch nach dem Abschluss die Geschäfte von ISS führen.

Die Transaktion ist der nächste logische Schritt in der Wachstumsstrategie der Deutschen Börse im Bereich Pre-Trading und baut auf die Gründung von Qontigo im vergangenen Jahr auf. Damals wurde das Analytics-Geschäft von Axioma mit dem bestehenden Indexgeschäft der Deutschen Börse (Stoxx und Dax) zusammengelegt. Als führender Anbieter qualitativ hochwertiger Daten, Analysen und Research mit Fokus im Bereich ESG erzielt ISS attraktive Wachstumsraten. Für 2020 wird erwartet, dass ISS Nettoerlöse von mehr als 280 Millionen US-Dollar (pro-forma IFRS) und eine bereinigte EBITDA-Marge von ungefähr 35 Prozent vor Transaktionseffekten erzielt, wobei letztere weiteres Skalierungspotenzial hat. Bei den Nettoerlösen wird erwartet, dass diese bis 2023 mit durchschnittlich mehr als fünf Prozent pro Jahr organisch wachsen. Die Gruppe Deutsche Börse wird ISS als separates Segment im Geschäftsfeld Pre-Trading ausweisen.

Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG, zur Akquisition von ISS: „ISS ist ein sehr erfolgreiches Unternehmen und genießt weltweit eine hohe Anerkennung als globaler Marktführer in der Bereitstellung von Daten, Analysen und Research für Investoren und Unternehmen und bei Governance Services. Im Bereich ESG ist ISS einer der führenden Anbieter. Die ESG-Expertise und das Leistungsspektrum von ISS auf der Datenseite ergänzen das Geschäftsmodell der Deutschen Börse über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg perfekt. Gemeinsam haben ISS und die Deutsche Börse beste Voraussetzungen, um einer der weltweit führenden ESG-Akteure der Zukunft zu werden. Die Unternehmenskultur und das Leadership-Team von ISS haben uns nachhaltig beeindruckt. Wir freuen uns darauf, im Zuge dieser Partnerschaft mit ISS das weitere Wachstum des Unternehmens zu unterstützen und gemeinsam die Strategie der Deutschen Börse weiterzuentwickeln.“

Europa als Trendsetter bei ESG

Stephan Leithner, im Vorstand der Deutsche Börse AG verantwortlich für Pre- & Post-Trading, fügte hinzu: „ISS verbindet seinen Schwerpunkt auf weltweiter Corporate Governance mit einem zunehmenden Fokus auf eine breitere Definition von ESG-Standards – hier ist Europa derzeit Trendsetter. In diesem Sinne sehen wir unsere Partnerschaft als perfekte Kombination, um Innovation voranzutreiben und unseren Kunden die bestmögliche Expertise bieten zu können – traditionellen Investoren auf Seite von ISS und Finanzintermediären auf der Seite der Deutschen Börse. Als neutraler Marktinfrastrukturanbieter ist die Deutsche Börse hervorragend positioniert, um solche Dienstleistungen anzubieten.“

Gary Retelny, Präsident und CEO von ISS, sagte: „Die führenden Marken und Lösungen der Deutschen Börse passen sehr gut zu den Angeboten von ISS in den Feldern ESG, Governance, Index und Marktresearch. Wir glauben, dass die Verknüpfung der ESG-Daten von ISS mit Stoxx-Indizes das Potenzial hat, um neue, leistungsstarke und innovative Lösungen zu entwickeln. Basierend auf einzigartigen Datensätzen können wir die sich weiterentwickelnden Investmentanforderungen unserer Kunden erfüllen. Bei ISS freuen wir uns darauf, nun gemeinsam mit der Deutschen Börse und mit Genstar Capital auf dem weltweiten Erfolg unserer diversifizierten Geschäftsaktivitäten aufzubauen. Wie in den vergangenen mehr als 35 Jahren bleiben wir auch weiterhin unserer Verpflichtung treu, unseren Kunden weltweit Daten, Analysen und Research allerhöchster Qualität zu bieten.“

Tony Salewski, Managing Director bei Genstar Capital, ergänzte: „Gary Retelny und das Management-Team von ISS haben durch innovative Produktentwicklung und erfolgreiche Akquisitionen eine marktführende Plattform für Daten und Governance aufgebaut. Wir schätzen unsere Partnerschaft der vergangenen drei Jahre sehr. Wir werden weiterhin als Investoren bei ISS an Bord bleiben und freuen uns auf den Wert, den die Deutsche Börse für dieses Geschäft generieren wird und darauf, das Wachstum von ISS gemeinsam weiter voranzutreiben.“

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