Immobilien
7. Januar 2026

Deutsche Finance Group: Klarstellung in Sachen BVK

Das Unternehmen wurde im Zusammenhang mit US-Immobilieninvestments der Bayerischen Versorgungskammer genannt. Nun stellen die Münchner klar, man sei kein operativer Entscheidungsträger gewesen.

Nachdem die Bayerische Versorgungskammer (BVK) im vergangenen Jahr aufgrund erheblicher Wertberichtigungen bei US-Immobilienprojekten und fragwürdigen Governance-Praktiken in der Kritik stand, meldet sich nun die Deutsche Finance Group mit einer Klarstellung zu Wort. Die international tätige Investmentgesellschaft, die ebenso wie die BVK in München ansässig ist und Assets im Wert von rund zwölf Milliarden Dollar verwaltet, wurde nach eigener Darstellung „in der öffentlichen Berichterstattung der vergangenen Monate wiederholt im Zusammenhang mit US-Immobilieninvestments der Bayerischen Versorgungskammer“ genannt.

In einer Mitteilung vom 5. Januar 2026 stellt die Deutsche Finance Group hierzu klar, dass weder die Deutsche Finance America noch andere mit der Deutschen Finance Group verbundene Gesellschaften „bei diesen US-Investments als Zielfondsmanager tätig waren oder über eine diskretionäre Entscheidungskompetenz im Hinblick auf die Auswahl oder Durchführung der Investments verfügten“.

Weiter heißt es, die Deutsche Finance America „war in den betreffenden Investments kein operativer Entscheidungsträger und hatte keine Entscheidungs- oder Weisungsbefugnisse hinsichtlich konkreter Investitionen, Finanzierungen oder Verwertungen oder aber bei der Auswahl und Beauftragung von Projektentwicklern für die operative Umsetzung der US-Investments“.

Die Tätigkeit der Deutschen Finance America habe sich auf ihre vertraglich definierten Funktionen beschränkt – auf strukturierende, koordinierende sowie regulatorische Funktionen. Eine inhaltliche Einflussnahme auf Investitionsentscheidungen sei nicht erfolgt und sei auch nicht Aufgabe der Deutschen Finance America gewesen.

BVK nimmt ebenfalls Stellung

Zuvor hatte sich die für ihre „Hinhaltetaktik“ in der Kommunikation der Immobilienprobleme unter anderem von der FAZ kritisierte Versorgungskammer im Dezember zu Wort gemeldet. Darin kündigte Deutschlands größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe „vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Herausforderungen einzelner US-Immobilieninvestments“ ein Maßnahmenprogramm an.

Dessen Ziel sei es, die bereits eingesetzten Investment-, Risikomanagement- und Compliance-Prozesse weiter zu optimieren sowie die vertrauensvolle Kommunikation mit den Gremien der vertretenen Versorgungseinrichtungen kontinuierlich zu stärken. „Der verantwortungsvolle Umgang mit den Beiträgen unserer Versicherten und Mitglieder ist unsere oberste Pflicht“, sagt Axel Uttenreuther, Vorstandsvorsitzender der BVK laut der Mitteilung. „Wir bedauern, dass es in den USA im Immobiliengeschäft zu Verlusten gekommen ist. Zugleich ist es wichtig festzuhalten, dass diese durch die guten Ergebnisse aus den anderen Assetklassen gemäß unserer Diversifizierungsstrategie kompensiert werden.“

Uttenreuther zufolge hätten sich „bislang keine Auswirkungen auf die Versorgungszusagen für unsere 2,7 Millionen Mitglieder, Versicherten und Leistungsempfänger ergeben. Und auch für die Zukunft gilt: Die Altersvorsorge unserer Versicherten ist sicher.“

Drastisch steigende Verlustrisiken

Die BVK spricht in der Mitteilung vom Dezember 2025 selbst von Engagements bei drei besonders risikobehafteten Projektentwicklungen sowie einem Renovierungsprojekt, der Transamerica Pyramid in San Francisco, dem Wahrzeichen der kalifornischen Metropole. Das entsprechende Investitionsvolumen dieser Projekte beziffert sie mit 820 Millionen Euro. Darüber hinaus hat die BVK in drei Bestandsobjekte investiert. Für diese liege die Investitionssumme bei rund 770 Millionen Euro.

Insgesamt, so die BVK weiter, könne daher das Eigenkapitalengagement im Rahmen von US-Immobilieninvestitionen mit der Deutschen Finance und dem Entwickler SHVO auf rund 1,6 Milliarden Euro beziffert werden. Dieser Betrag entspreche weniger als 1,4 Prozent der gesamten Kapitalanlage zum Ende 2024, relativiert die BVK das Ausmaß des Engagements.

Mit Blick auf die Entwicklungs- und Renovierungsprojekte hat die BVK zwischenzeitlich auf Ebene des Zielfonds Wertberichtigungen in Höhe von rund 163 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2024 vorgenommen. Inzwischen müsse jedoch von einem weiteren Verlustrisiko in den Zielfonds in Höhe von bis zu 690 Millionen Euro ausgegangen werden.

Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, diese Risiken nach Möglichkeit zu minimieren, so die BVK. Bei den drei Bestandsobjekten bestünden zwar keine vergleichbaren Risiken, dennoch schließt die Versorgungskammer temporäre, buchhalterische Wertberichtigungen nicht aus.

BVK-Chef hat Compliance-Verstöße eingeräumt

Seit Monaten kommt die BVK angesichts ihrer Probleme mit US-Immobilieninvestments und dem dabei involvierten Geschäftspartner, dem wegen Steuerbetrugs verurteilten Immobilienentwickler Michael Shvo, nicht aus den Schlagzeilen heraus. Im September hatte Vorstandschef Uttenreuther in einem Interview mit der Zeitung „Welt am Sonntag“ Compliance-Verstöße im eigenen Haus eingestanden. Diese hatten auch personelle Konsequenzen, von denen unter anderem Rainer Komenda, der frühere Head of Real Estate Investment Management, betroffen war.

Die BVK war auch mehrfach Thema im zuständigen Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags. Als sogenannte staatliche Oberbehörde ist sie dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration unmittelbar nachgeordnet.

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