Asset Manager
12. Dezember 2012

Deutsche Investoren sind ängstlicher als ihre europäischen Nachbarn

Die große Mehrheit sieht in dem aktuellen Zinsniveaus ein hohes Risiko für das Erreichen ihrer finanziellen Ziele. Laut einer AGI-Umfrage ist die Sorge hierüber im restlichen Europa weniger groß.

Europas institutionelle Investoren zeigen sich angesichts der niedrigen Verzinsung für Staatsanleihen mit höchster Bonität besorgt, allen voran die Deutschen. Dies geht aus dem aktuellen Risk-Monitor von Allianz Global Investors (AGI) hervor, für den im Oktober dieses Jahres 155 Großanleger aus elf europäischen Ländern mit einem Anlagevermögen von insgesamt 1,9 Billionen Euro befragt wurden. Demnach sieht rund ein Drittel im Niedrigzinsumfeld eine ernstzunehmende Gefahr. Besonders beunruhigt zeigen sich dabei die deutschen Investoren. So sehen knapp 86 Prozent darin für das Erreichen ihrer finanziellen Ziele ein sehr hohes oder hohes Risiko.
Auch hinsichtlich des Eintretens von Extremrisiken sind die deutschen Investoren besorgter als andere Europäer. Fast jeder Vierte sah hierin ein sehr hohes Risiko, während europaweit nur 15 Prozent dieser Auffassung waren. Wie ein Rückblick auf frühere Risk-Monitor-Umfragen zeigt, die AGI halbjährlich durchführt, ist diese Prozentzahl seit anderthalb Jahren konstant hoch.
Nach Ansicht von James Dilworth, CEO von AGI Europe, haben viele Anleger das Vertrauen in die Märkte verloren: „Ein Grund hierfür ist, dass die Kursentwicklung an den Finanzmärkten zuletzt kaum noch durch normale Angebots- und Nachfragefaktoren getrieben wurden.“ Vielmehr sei dies durch das Handeln der Zentralbanken getrieben gewesen oder zumindest, weil mit Eingriffen dieser Institute gerechnet wurde. Durch das Hineinpumpen von immensen Geldsummen in das Finanzsystem hätten die US-Notenbank Fed und die EZB den Marktmechanismus außer Kraft gesetzt. Laut Dilworth ist ein binäres Finanzmarktumfeld entstanden, das den Erfahrungsschatz vieler Anleger auf den Kopf stelle. Wie die Risk-Monitor-Umfrage allerdings auch zeigt, ist die Sorge vor einem Ausfall von Staatsanleihen bei Europas Investoren deutlich zurückgegangen. In der jüngsten Umfrage nannten dies nur noch 13 Prozent als sehr hohes Risiko, nachdem es vor einem Jahr immerhin noch 35 Prozent waren. Ähnlich stark ist die Bedeutung der Volatilität gesunken, die nur noch knapp neun Prozent als sehr hohes Risiko einstuften. Vor einem Jahr war der Prozentsatz dreimal so hoch.

Angst vor finanzieller Repression
Die nicht-finanziellen Risiken, wie eine Verschärfung der Regulierung und mangelnde eigene Risikomanagementkapazitäten, schätzen die befragten Investoren als weniger hoch ein. Nur 7,3 beziehungsweise 1,3 Prozent sehen diese als sehr hohe Risiken an. Ungeachtet dessen werden sich laut Dilworth die Kapitalmarktteilnehmer auf zunehmende Regulierung einstellen müssen, denn das Ziel hierbei sei unter anderem, den Staaten bei der Verringerung ihrer Schuldenlast zu helfen. So verwundert es den AGI-Mann nicht, dass die absehbaren Änderungen bei den Eigenkapitalanforderungen Anlagen in Staatsanleihen begünstigen: „Das greift massiv in die Anlageentscheidungen von institutionellen Anlegern und Pensionsfonds ein und wirkt prozyklisch – eine weitere Facette der finanziellen Repression.“ Und so raubt immerhin 25 Prozent der befragten Investoren genau das, die Angst vor finanzieller Repression, den Schlaf.
Bei der Frage nach geeigneten Substituten für Staatsanleihen stehen Unternehmensanleihen ganz oben auf der Antwortenliste, gut zwei Drittel nannten diese Asset-Klasse. Allerdings warnten einige der Befragten auch davor, dass hier in den kommenden sechs bis zwölf Monaten eine Blase entstehen könnte. Schwellenländeranleihen und Immobilien folgten direkt auf den Plätzen dahinter mit 37,0 und 31,2 Prozent. Weitere Antworten waren: Pfandbriefe, Infrastruktur und Private Equity.
Auf der Aktienseite erwiesen sich Emerging-Market-Aktien mit 10,4 Prozent als etwas populärer als Aktien aus Industrieländern (9,7 Prozent). Laut AGI scheinen europäische Investoren ein ausgeprägtes Vertrauen in das Wachstum der asiatischen Schwellenländer zu haben. Denn befragt nach dem Haupthindernis für Investitionen in Asien antworteten nur vier Prozent, dass sie die Fundamentaldaten aus dieser Region als schwächer ansehen als die anderer Regionen. Als problematisch stufen unterdessen 28 Prozent die mangelnde Transparenz sowie die Beschaffung von Informationen ein. Mehr als 20 Prozent der Umfrageteilnehmer machten sich insbesondere über die Liquidität Gedanken. Ungeachtet dessen gaben immerhin 58 Prozent an, ihre Investition in Asien voraussichtlich zu erhöhen.  
portfolio institutionell newsflash 10.12.2012/kbe     

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