Administration
1. November 2011

Deutschlands Depotbankmarkt: Ein Oligopol mit ruinösem Wettbewerb

Inzwischen soll es Angebote im Markt geben, die die Depotbankleistung mit null Basispunkten bepreisen. Gleichzeitig steigt der Investitionsbedarf aufgrund steigender regulatorischer Anforderungen.

Der deutsche Depotbankmarkt ist ein ruinöses Oligopol. Zu diesem Schluss kommt Volker Braunberger, Geschäftsführer von itechx, auf der gemeinsamen Fachtagung mit Faros. Insgesamt sind bei der Finanzaufsicht derzeit noch 50 Depotbanken gelistet, allerdings vereinen die sieben großen zwei Drittel des Marktes auf sich. Für Braunberger ist deshalb klar: „Auf die Frage, ob sich der Markt weiter konsolidieren wird, kann ich nur sagen, dass wir bei den Assets bereits eine Konsolidierung haben.“ 
Ungeachtet dieser oligopolistischen Struktur sind im deutschen Depotbankmarkt ein zunehmender Preisverfall und sinkende Margen zu beobachten. Aktuell liege der Satz für Depotbankleistungen zwischen zwei und vier Basispunkten. Offenbar geht es aber auch noch billiger, wie Braunberger zu berichten weiß: „Es gibt Angebote am Markt mit einem Preis von null Basispunkten.“ Wohlfahrtsvereine sind diese Anbieter jedoch nicht, auch sie wollen Geld verdienen, und zwar über den Zusatz-Service. Braunberger fragt sich angesichts solcher Angebote jedoch: „Was sagt das aus? Ist die Depotbankleistung null Euro wert?“ Der vermeintliche Gewinner in diesem Preiskampf scheint der Investor zu sein. Allerdings stellt sich die Frage, wie lange das gut gehen wird. Denn während auf der einen Seite in der Vergütung die Preise fallen, steigen auf der anderen Seite die regulatorischen Anforderungen, was massive Investitionen in die IT nach sich zieht. Braunberger fürchtet, dass den Depotbanken irgendwann die Luft für Investitionen ausgeht. „Das ist nicht im Sinn des Anlegers“, so Braunberger.  
AIFMD: Risikoverlagerung von der KAG zur Depotbank
Einen Einblick in die Vielzahl von Regularien, die auf die Depotbanken, Kapitalanlagegesellschaften und Investoren gleichermaßen zukommen, gab Dietmar Roessler, Managing Director bei BNP Paribas Securities Services. „Es gibt zu viele Regularien auf einmal. Es kommt mir wie eine Welle vor, die droht, über mir zusammenzubrechen“, stellte er fest. Bauchschmerzen bereitet ihm die AIFM-Direktive und die in ihr enthaltene Definition zur Frage, was die Verwahrung von Wertpapieren bedeutet. „Die Definition von Safe Keeping führt zu einer fundamentalen Verlagerung der Risiken von der KAG hin zur Depotbank und zum Global Custodian“, so Roessler. Und weiter: „Bisher hatten Custodians europaweit im Wesentlichen nur die Verantwortung für das Auswahlverfahren der Lagerstellen. Neu durch die AIFMD haben sie eine Verantwortung für die Lagerbestände, so als wären es ihre eigenen Bestände.“ Depotbanken müssen nach der derzeitigen Fassung von der AIFMD für die Herausgabe von Wertpapieren auch für externe Lagerstellen in anderen Ländern geradestehen. Die Risiken der Unterverwahrung würden sich folglich erhöhen. „Wir sehen, dass einige Häuser bereits Lagerstellen in Regionen eröffnen, in denen sie große eigene Risiken sehen“, so Roessler. Zu diesen Häusern gehört auch BNP Paribas, die derzeit Lagerstellen in den USA eröffnet. Roessler hegt allerdings die Hoffnung, dass die jetzige Fassung von der AIFMD noch nicht die endgültige ist. Schließlich werde nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
portfolio institutionell newsflash 02.11.2011/kbe
Autoren:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.