Recht, Steuer & IT
19. Oktober 2015

Deutschlands Finanzbranche und die Digitale Revolution

Wie sieht die „Digitale Agenda 2020“ von Unternehmensentscheidern aus? Dieser Frage geht eine neue Studie auf den Grund.

Für 68 Prozent der Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat die digitale Transformation den Wettbewerb bereits verändert. Allerdings verfolgen nur 39 Prozent eine digitale Agenda, um die Digitalisierung im Unternehmen umzusetzen. „Die Unternehmen hinken ihrer eigenen Wahrnehmung der Wettbewerbssituation hinterher“, kommentierte Dr. Martin Eldracher, Senior Managing Partner Consulting Central & Eastern Europe bei CSC Computer Sciences Corporation, während der Vorstellung der Studie „Digitale Agenda 2020“ Mitte Oktober im Frankfurter Presseclub. Der Studienreport des IT-Dienstleistungsanbieters CSC  basiert auf einer Umfrage, an der 500 Unternehmensentscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnahmen. 
„Knapp zwei Drittel der Finanzdienstleister in Deutschland, Österreich und der Schweiz fehlt eine klar definierte Strategie, die digitale Revolution im eigenen Haus umzusetzen“, schreibt CSC im Hinblick auf die Ergebnisse seiner Studie. Dabei erkennen 78 Prozent der Umfrageteilnehmer aus der Finanz- und Versicherungsbranche eine bereits digital veränderte Wettbewerbslage. Keine andere der untersuchten Branchen schätzt den Wettbewerbswandel als so rasant ein. „Die Chancen der digitalen Transformation sehen die Finanz- und Versicherungsunternehmen in erster Linie in verbesserter Kundenkenntnis und Vertrieb. Bei den Risiken stehen Datensicherheit, Investitionskosten und die Zusammenarbeit mit externen Partnern im Fokus“, fasst das IT-Dienstleistungsunternehmen zusammen. Diese Chancen und Risiken liegen auch bei den Teilnehmern aus anderen Branchen weit vorne. 
Chancen und Risiken der Digitalisierung 
„Die Unternehmen haben keine Angst, sondern sehen die Chancen und Risiken, welche die Digitalisierung mit sich bringt“, sagte Eldracher. Allerdings sind die Befragten in Bezug auf die Digitalisierung auch unsicher und zögerlich, zum einen ob der Risiken – vor allem Datenschutz – und dem kulturellen Wandel, den die Digitalisierung mit sich bringt. Zum anderen müssen die Firmen im Rahmen der Digitalisierung wahrscheinlich ihr Geschäftsmodell ändern. 
„Zerstör dein Geschäftsmodell, bevor es andere tun!“, lautet einer der zehn Imperative zur Digitalisierung, die Professor Maximilian Röglinger, Lehrstuhlinhaber an der Uni Bayreuth (Wirtschaftsinformatik und Wertorientiertes Prozessmanagement), während des Pressegesprächs vorstellte. Er zitierte den Autor Stewart Brand, der sagte: „Wenn eine neue Technologie über Dich rollt und Du nicht Teil der Dampfwalze bist, dann bist Du Teil der Straße!“

Ganz so drastisch mag es vielleicht nicht sein, aber sicher ist, dass immer wieder neue, innovative Unternehmen, wie etwa Uber oder Airbnb, auf den Markt streben, die anders als konventionelle Firmen in der digitalen Welt zu Hause sind und disruptiv wirken können. Und im Gegensatz zu diesen „Digital Natives“ tut sich die traditionelle Wirtschaft schwer, sagte Claus Schünemann, Vice President and General Manager CEE bei CSC. Es hat also den Anschein, als wäre eine digitale Transformation zumindest in manchen Fällen ein Muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das Plus: In der Digitalisierung steckt auch Ertragspotenzial.

Auf die Frage, ob Deutschland die Digitalisierung verschlafe, lautete die klare Antwort: „Nein“. Schünemann glaubt nicht, dass Deutschland die digitale Revolution verschläft: „Aber man sieht große Unterschiede zwischen den Ländern. Viele große deutsche Unternehmen sind heute noch relevant, weil sie international aufgestellt sind.“ Die Diskussion um die Digitalisierung dürfe keine deutsch-nationale Brille aufbekommen, denn die Digitalisierung höre nicht an Ländergrenzen auf. 
Röglinger entgegnete auf die gleiche Frage: „Nein, auf keinen Fall. Das sieht man zum Beispiel daran, wie sehr im wissenschaftlichen Bereich die Wirtschaftsinformatik gewachsen ist.“ Außerdem seien viele Firmen zwar in Sachen Digitalisierung aktiv, „nennen es aber nicht so.“ 
Wie im Rahmen der Veranstaltung deutlich wurde, schauen Banken kritischer auf das Geld, das sie in Digitalisierungsprojekte stecken. Der Hinweis stammt von Consultant Martin Eldracher. Dies zeige sich anhand der Studienergebnisse und sei von CSC auch bei Projekten von Kunden aus der Bankenbranche analysiert worden. 
portfolio institutionell newsflash 19.10.2015/Rebecca Lück
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