Traditionelle Anlagen
15. Juni 2022

Die Gips und die Suche nach ESG-Standards

Bildung von ESG-Composites ein möglicher Weg. Tagung zu den Global Investment Performance Standards.

Die Global Investment Performance Standards – kurz Gips – haben ein hehres Ziel: die bessere Vergleichbarkeit von Fonds und sonstigen Anlagestrategien. Die zunehmend nachhaltige Ausrichtung von Fonds macht dieses Vorhaben allerdings nicht einfacher. Dies wurde auf dem 16. Gips-Tag vergangene Woche in Frankfurt deutlich, der sich intensiv der Integration und Standardisierung von Nachhaltigkeitsstrategien widmete.

„Standards wie die Gips können Asset Manager und Investoren unterstützen, indem sie die Standardisierung vorantreiben oder Good-Practice-Beispiele veröffentlichen“, sagte Dr. Nicola Wagner-Rundell auf der Veranstaltung. Als Chief Product Officer von ESG Screen 17 ist ihr aber die Herausforderung, Nachhaltigkeit zu standardisieren, sehr vertraut. Geschäftszweck des Unternehmens ist schließlich, Rohdaten mehrerer relevanter ESG-Datenanbieter zu aggregieren und den 17 Sustainable Develeopment Goals zuzuordnen. Dabei bezieht der Dienstleister etwa 5.000 unternehmensbezogene Daten, die sich je nach Sektor und Anbieter unterscheiden. „Selbst für die CO₂-Intensität eines Unternehmens fallen die Werte unterschiedlich aus.“

Nichtsdestotrotz sind Nachhaltigkeits-Benchmarks ein neues Themenfeld für die Global Investment Performance Standards. Dabei zeigte Christoph Trittmann von der DPG, dass sich derzeit eine neue Indexwelt parallel zu den traditionellen Benchmarks aufbaut, und wie wichtig, aber auch schwierig es ist, die zur Nachhaltigkeitsstrategie passende Benchmark zu finden. Die DPG zählt auch ESG-Composites-Berechnungen zu ihren Aufgaben.

Eine naheliegende Möglichkeit, Gips-konforme ESG-Buckets aufzustellen, könnte die Zuordnung nach den Artikeln 6, 8 oder 9 der Offenlegungsverordnung sein. Feingetunt könnte es dann für zum Beispiel Aktienfonds einen Composite „Artikel-8-Euroland“, einen „Artikel-9-Good-Governance“ oder „Artikel-9-Biodiversität“ geben. Allerdings erweist es sich nicht immer als optimal, wenn sich Anbieter selbst einordnen. Zudem gibt Trittmann zu bedenken, dass diese Einordnung nicht das unterschiedliche ESG-Verständnis einer kirchlichen Altersvorsorgeeinrichtung oder eines Industrieunternehmens abbildet. Eine weitere Möglichkeit: die ESG-Ratings eines Indexanbieters wie beispielsweise MSCI zu nutzen. Wie jedoch auch bereits Nicola Wagner-Rundell erläuterte, verfahren entsprechende Anbieter nach ihren eigenen Regeln, was wiederum zu unterschiedlichen ESG-Bewertungen führt. „Wegen dieser Herausforderungen behilft man sich darum in der Praxis häufig mit Customized Benchmarks“, so Trittmann.

 

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