Schwarzer Schwan
21. Februar 2014

Die Katze im Sack

Der Erfindungsreichtum deutscher Investment Professionals scheint grenzenlos. Größenwahn und Verluste gehören dabei zum Tagesgeschäft.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich hierzulande die sogenannte Special Purpose Acquisition Company, kurz Spac, als unfehlbares Vehikel erwiesen, mit dem Investoren ihren Einsatz schon nach kurzer Zeit in den Wind schreiben konnten. Insofern steht das Akronym Spac für „Spesen Pannen Anwälte Company“, nur dass die hiesige Fachwelt das bislang stets verneint hat. Spacs sind Mantelgesellschaften und zeichnen sich durch ihre Verwandtschaft zu Private Equity aus. Aber anders als bei Private-Equity-Fonds ist ihre Gesamtlaufzeit vergleichsweise kurz. Das hat den großen Vorteil, dass die Anleger viel früher wissen, dass die Kohle futsch ist. Man spart zwar kein Geld, aber Zeit. Man gewinnt kein Geld, aber Erfahrung. 
Spacs haben zunächst kein operatives Geschäft, sondern kommen als leere Firmenhülle an die Börse. Die Einnahmen aus dem IPO werden am Geldmarkt geparkt, während das Management nach einem geeigneten Übernahmeobjekt sucht, um die Hülle mit Leben zu füllen. Doch niemand weiß, ob sich das Geschäft lohnt, wann Cashflows fließen und ob der Exit gelingt. Zudem handeln sich die Geldgeber ein lupenreines Klumpenrisiko ein, denn Spacs investieren jeweils nur in ein Zielunternehmen.
Vereinfacht gesagt kauft der Investor eine Katze im Sack. Er unterschreibt beim IPO einen Blankoscheck und muss voll und ganz auf die Fähigkeiten der Sponsoren und des Managements vertrauen, ein geeignetes Unternehmen zu attraktiven Konditionen für den Mantel zu finden. Insofern ist es aus Sicht der Geldgeber nur recht und billig, sich auf die hinter dem Spac stehenden Protagonisten zu verlassen.
Große Vorbilder am Werk 
In Deutschland sind seit dem Jahr 2008 drei Spacs an die Börse gegangen. Dreimal wurde die Katze im Sack angeboten, dreimal gingen die Akteure auf die Suche nach den Perlen im deutschen Mittelstand. Und dreimal konnten Anleger Teile ihres Investments abschreiben. So kam nicht nur der erste, von der Unternehmerlegende Thomas Middelhoff lancierte Spac „Germany 1“, der später in 3W Power umbenannt wurde, unter die Räder und ist zum Pennystock mutiert. Auch bei Vehikel Nummer zwei (Helikos, die jetzt Exceet heißt) und drei (Cleantech 1, die heutige Electrawinds) haben die Geldgeber das Abenteuer teuer bezahlt. Und immer mit dabei war die Deutsche Bank, die die Papiere unters Volk gebracht hat. 
Eigentlich hätte man den Braten riechen müssen! Bis dato hat insbesondere Thomas Middelhoff in bemerkenswerter Regelmäßigkeit unter Beweis gestellt, dass er im Umgang mit fremdem Geld nicht besonders geschickt ist – und das nicht erst bei Spacs. Für Bertelsmann investierte der notorisch gut gelaunte Middelhoff schon zu Zeiten des Neuen Marktes unter anderem in die Berliner Pixelpark AG. Dass die Internetfirma wenige Jahre später saniert werden musste, kann man Middelhoff aber nur schwer zur Last legen. So waren die Zeiten.
Ebenfalls für Bertelsmann kaufte er um die Jahrtausendwende die aufstrebende Musiktauschbörse Napster. Dass der Laden nur zwei Jahre später dicht gemacht hat und mit Klagen der Musikindustrie überzogen wurde, kann man ihm aber auch nicht vorwerfen. Wer hätte ahnen können, dass das Tauschen von Musik über private Computer illegal ist?
Wenig später wollte der umtriebige Middelhoff den am Boden liegenden Kaufhauskonzern Karstadt-Quelle durch den milliardenschweren Verkauf der Warenhausimmobilien retten. Pech gehabt! Den Untergang der späteren Arcandor konnte er so nur kurzzeitig hinauszögern. Hilfe brauchte Middelhoff nur beim Versenken von eigenem Geld. Hierfür engagierte er die damalige Privatbank Sal. Oppenheim, die das Geld in Immobilien steckte – die praktischerweise an Karstadt vermietet wurden. Heute sitzt Middelhoff übrigens in New York und berät Hedgefonds. Sein Erfindungsreichtum ist demnach bis heute gefragt. 
In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein schönes Wochenende. 
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