Schwarzer Schwan
30. August 2013

Die Schweiz – ein schwarzes Pensionsloch

Träumen Sie auch manchmal davon, aus dem Urlaub in der Schweiz nicht nach Deutschland zurückzukehren, sondern in der Alpenrepublik für gute Schwiezer Fränkli anzuheuern? Tun Sie’s nicht!

Die landschaftlich reizvolle Alpenrepublik ist ein gern gewählter Zufluchtsort für begüterte Deutsche, wie den ehemaligen Formel-1-Champion Michael Schumacher oder den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, der seine Steuern seit Jahrzehnten lieber in Schindellegi im Kanton Schwyz zahlt und von dort aus munter beim HSV mitmischt. Auch der milliardenschwere Baumaschinenbauer Hans Liebherr lebt seit geraumer Zeit in der Schweiz. Die Rente dieser Herrschaften ist sicher. Aber auch Normalsterbliche zieht es in die Schweiz. Jährlich wandern etwa 22.000 Deutsche dorthin aus. Doch was ist mit deren Pension? 
Im Gegensatz zu Schumi, Kühne & Co. haben einfache Angestellte häufig Ärger mit ihren Pensionseinrichtungen. Wie das Finanzmagazin „Bilanz“ berichtete, ist es um die meisten Schweizer Pensionskassen nicht gut bestellt. Anhand eines Vergleichs von 60 Pensionskassen mit einem Gesamtvermögen von insgesamt 187 Milliarden Franken zeigt sich, dass diese Einrichtungen im Jahr 2011 eine Performance von null erreicht haben, was laut Bilanz noch ein vergleichsweise gutes Resultat darstellt, wenn man sich etwa die prozentual zweistelligen Wertverluste im Jahr 2008 vor Augen führt. Langfristig kann die Performance aber auch nicht berauschen – seit Anfang des neuen Jahrtausends liegt die durchschnittliche Rendite bei jährlich 1,85 Prozent. 
Der insgesamt lausige Profit ist sicherlich den volatilen Aktienmärkten geschuldet, sind doch Schweizer Pensionskassen große Anhänger von Dividendentiteln. Bei der Performance-Attribution poppt bei den Altersversorgern aber auch der Faktor „Anlagebetrug“ auf. Unvergessen sind die haarsträubenden Zustände bei der Vorsorgestiftung Fortius, die rund 4.000 Versicherte aus etwa 80 Firmen der Hotellerie und Gastronomie zählt. Offensichtlich haben die Gründer der seit 2007 bestehenden Einrichtung einen exzessiven Lebensstil gepflegt und diesen auf Kosten der Kasse finanziert. Doch auch andernorts nimmt man es mit dem Gesetz nicht so genau. 
Wie die Handelszeitung jüngst anmerkte, ist der Büromaterialherstellers Biella-Neher dem größten Anlagebetrug im Kanton Schwyz zum Opfer gefallen: Die Personalvorsorgestiftung des Unternehmens investierte im April 2003 sowie im Januar des Folgejahres je 200.000 Franken bei der betrügerischen Ipco Investment, die im Schweizer Pfäffikon seit 1997 im Devisenhandel tätig gewesen sein will. Diese Gesellschaft bot vor ihrem Untergang im Jahr 2004 eigenen Angaben zufolge Devisentransaktionen mit jährlichen Renditen von bis zu 30 Prozent an – und sammelte bei Anlegern knapp 125 Millionen Franken ein. Unter den Geldgebern befand sich übrigens auch der berühmte Messerhersteller Victorinox. Zu dumm nur, dass Ipco zu keinem Zeitpunkt mit Devisen gehandelt hat. Vielmehr ist das Kapital in dunklen Kanälen verschwunden.
Aber Hand aufs Herz, im Grunde genommen sind die so entstandenen Verluste – bezogen auf die einzelnen Pensionskassen – doch bloß Peanuts. Wer will sich damit schon rühmen? Den Karren richtig tief in den Dreck fahren, das können doch immer noch die eigenen Angestellten am besten, wie das Beispiel der 20 Milliarden Franken schweren Pensionskasse des Kantons Zürich zeigt. Der ehemalige Anlagechef Daniel Gloor war bekannt für seine unverhohlenen Forderungen an Finanzdienstleister. Er hatte dabei weniger das Wohl der Pensionäre als das der eigenen Brieftasche im Sinn. 
Bleibt zu hoffen, dass Ihre Pensionseinrichtung allzeit gute Arbeit leistet. 
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