Schwarzer Schwan
27. März 2015

Die Schweizer Angst vorm Bank Run

In der Schweiz machen Banken der neuen Bunkermentalität einheimischer Pensionskassen einen Strich durch die Rechnung. Das hat einen einfachen Grund: Das Geld ist nicht da.

In der Stunde der Negativzinsnot greifen Schweizer Pensionskassen nach jedem Strohhalm. Frei nach dem Motto „Bargeld lacht“ wollen einige Kapitalsammelstellen einen Teil ihrer Gelder nicht mehr auf ein Konto, sondern lieber in einen überdimensionalen Tresor packen. Diese Dagobert-Duck-Strategie ist trotz Kosten für Lagerung, Transport und Versicherung immer noch günstiger als ein negativ verzinstes Bankguthaben. In der Schweiz taugen auch schon manche Corporate Bonds nicht einmal mehr zum Werterhalt. Eine in Schweizer Franken denominierte Anleihe von Nestlé mit Laufzeit bis Februar 2018 (!) rentiert beispielsweise bereits negativ. Portfolio berichtete bereits in einem früherenSchwarzer Schwan über die neue Bunkermentalität der Schweizer. Doch nun poppt eine Problematik auf, mit der die Pensionskassen offenbar nicht gerechnet haben: Die Banken stellen sich quer. Recherchen der Schweizer SRF-Sendung „10 vor 10“ förderten zutage, dass bereits eine Bank eine entsprechende Auszahlung verweigert hat.  
Die namentlich nicht genannte Bank möchte innerhalb einer gewissen Frist kein Bargeld in derart hohen Summen aushändigen. Der Redaktion von „10 vor 10“ liegt eigenen Angaben zufolge das Schreiben einer großen Schweizer Bank vor, in dem man der Kundin – eine Pensionskasse – mitteilt: „Wir bedauern, dass innert Frist keine ihren Erwartungen entsprechende Lösung gefunden werden konnte.“     
Laut dem SRF-Bericht ist der Direktor des Pensionskassenverbandes Asip, Hanspeter Konrad, ziemlich verärgert. „10 vor 10“ zitiert ihn mit den Worten: „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass die Banken sich hier einmischen.“ Er gehe davon aus, dass die Schweizer Nationalbank (SNB) die Finger im Spiel hat. Und damit scheint er ins Schwarze zu treffen. Laut SFR bestätigte die SNB, dass Bargeldhortung zur Umgehung von Negativzinsen von ihr nicht gerne gesehen wird. „Die Nationalbank hat deshalb Banken auch schon empfohlen, mit Bargeldnachfragen (…) restriktiv umzugehen“.     
Wo liegt das Problem? Offenbar geht bei der Schweizer Zentralbank die Angst vor einem Bank Run um. Doch dieses Süppchen hat sie sich selbst eingebrockt – anders als beispielsweise die Bank of England im Herbst 2007. Ausgelöst durch die Subprime-Krise geriet die Hypothekenbank Northern Rock damals in große Nöte. Eine Geldspritze der britischen Notenbank sicherte dem Institut kurzfristig das Überleben. Aus Angst vor dem Verlust ihres Ersparten folgte in den Tagen danach dennoch ein Bankensturm. Spektakuläre Bilder langer Schlangen vor Bankautomaten und Filialen gingen um die Welt. Innerhalb weniger Tagen hoben Anleger etwa zwei Milliarden Pfund ab. Das verschärfte die Finanznöte des Hauses weiter. Das Ende vom Lied: Northern Rock wurde 2008 vorübergehend verstaatlicht, bevor Multimilliardär Richard Branson, Gründer der Virgin Group und leidenschaftlicher Ballonfahrer, 2012 das Institut übernahm. In der Schweiz ist die heutige Situation eine ganz andere. Die Motivation der Pensionskasse, Bargeld abzuheben und in den Tresor zu packen, hat nichts mit der Furcht vor dem Zusammenbruch ihrer Bank zu tun. Vielmehr will sie sich vor den negativen Einlagenzinsen schützen. Wenn das Schule macht, würden die Notenbestände der Zentralbank wohl nicht reichen. Sie müsste massenhaft neue Noten drucken. 
In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein schönes Wochenende. 
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