Strategien
2. Oktober 2026

Die Vielfalt von Biodiversität

An den Finanzmärkten wächst das Bewusstsein, dass die Bedeutung von Naturrisiken weit über Regulatorik, freiwilliges Reporting oder Reputationsfragen hinausgeht. Der Verlust von Natur gefährdet die physische Geschäftsgrundlage vieler Unternehmen.

Für institutionelle Anleger und Finanzinstitute wird der Zustand von Ökosystemen zunehmend zu einer Frage von Risiko, Rendite und langfristiger Resilienz. Darauf weist Andrea Reuter, Projektmanagerin beim Global Nature Fund, in einem Gastbeitrag für portfolio institutionell hin. „Unternehmen sind auf Leistungen der Natur angewiesen – etwa auf Wasser, fruchtbare Böden oder stabile Ökosysteme“, argumentiert Reuter. „Werden diese Leistungen durch den Verlust der Biodiversität beeinträchtigt, können Produktionsausfälle, Lieferkettenprobleme oder Wertverluste die Folge sein und dies nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Energieversorgung, dem produzierenden Gewerbe oder dem Bauwesen.“

Diese Entwicklungen können sich unmittelbar in Finanz- und Kreditrisiken übersetzen, warnt Reuter. Ihr Beitrag ist soeben in der aktuellen ESG-Rubrik von portfolio institutionell zum Thema „Die Vielfalt von Biodiversität“ erschienen.

Risiko Wasserknappheit früh erkennen

Darin meldet sich auch Arne Philipp Klug zu Wort. Klug ist Nature Metrics Lead bei MSCI Sustainability & Climate Research. In seinem Beitrag arbeitet er heraus, dass sauberes Wasser neben fruchtbaren Böden, natürlichen Rohstoffen, sauberer Luft oder Naturkatastrophen-Schutz eine der zentralen Leistungen intakter Ökosysteme darstellt. „Doch fortschreitende Naturzerstörung und Klimawandel bedrohen die biologische Vielfalt unseres Planeten – die Basis dieser kostenlosen Ökosystemdienstleistungen“, warnt der Fachmann und betont, „je stärker die Biodiversität schwindet, desto größer werden die Risiken für Unternehmen“.

Eine MSCI-Analyse eines Portfolios von über 9.500 Emittenten börsennotierter Aktien und Anleihen verdeutlicht die finanzielle Bedeutung von Wasserrisiken. Wasserknappheit verursacht demnach jährliche Kosten von 485 Milliarden US-Dollar.

Kirchliche Investoren gegen den Tiefseebergbau

Das Thema Wasser steht auch im Zentrum des Gastbeitrags, den Dr. Karin Bassler zur aktuellen ESG-Rubrik beigesteuert hat. Darin widmet sich die Geschäftsführerin des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren (AKI) der Tiefsee, dem am wenigsten erforschten Ökosystem der Erde. Zugleich warnt sie vor den Folgen des Tiefseebergbaus.

„Tiefseebergbau bedroht nach Einschätzung kirchlicher Anleger die Meeresökosysteme, das Klima und die Lebensgrundlagen von Küstengemeinschaften“, erläutert Bassler und nimmt institutionelle Anleger in die Pflicht. „Als Asset Owner haben Kirchen und kirchennahe Organisationen Zugang zu Unternehmen. Mit ihrer Kombination aus Kapital- und Wertemacht können sie in Engagement-Dialogen einen Beitrag für ein Moratoriums leisten. Denn darum geht es: Gemeinsam mit Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, ein weltweites Moratorium für kommerziellen Tiefseebergbau durchzusetzen.“

Mehr über das Thema Biodiversität und dessen Bedeutung für die professionelle Kapitalanlage erfahren Sie in den Analysen von Andrea Reuter, Arne Philipp Klug und Dr. Karin Bassler. Hier geht es zu den Beiträgen.

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