Alternative Anlagen
24. September 2026

Die Wüste lebt

Wer unfruchtbare Landstriche rekultivieren und dabei Geld verdienen möchte, benötigt einen zuverlässigen Wasserzugang auf dem Grundstück. Außerdem sind finanzkräftige Partner gefragt. Ein Großanleger, der die Zeichen der Zeit erkannt hat, ist La Caisse. Auf dem Weg zu mehr Klimaschutz und Diversifikation scheuen die Kanadier keine Mühen.

Die Anlageuniversum institutioneller Investoren dehnt sich weiter aus. Das zeigen die Pläne von La Caisse aus Kanada und des privaten australischen Agrar- und Gartenbau-Investmentunternehmens Go Farm (Eigenschreibweise: GO.FARM). Im Juli gaben sie eine strategische Partnerschaft bekannt, um in hochwertige und dauerhafte Gartenbaukulturen (high-value permanent horticulture) in Australien zu investieren.

Unter sogenannten Dauerkulturen im Gartenbau versteht man den Anbau mehrjähriger Pflanzen, die über Jahre hinweg auf der Fläche verbleiben und Erträge liefern. Dieses Anbauverfahren orientiert sich an natürlichen Ökosystemen und soll eine nachhaltige und pflegeleichte Lebensmittelproduktion im industriellen Maßstab ermöglichen.

Die im Jahr 1965 gegründete La Caisse verwaltet Gelder von 48 institutionellen 48 Kunden. Dabei handelt es sich überwiegend um Pensions- und Versicherungssysteme in der Provinz Québec. Gestützt durch deren Mittelzuflüsse ist La Caisse in die Elite der Pension Funds aufgestiegen. In der Statistik des Thinking Ahead Institute belegt sie einen Platz in den Top Ten.

In Kanada ist La Caisse die Nummer zwei der Pension-Fund-Szene hinter dem mächtigen Canada Pension Plan. Insgesamt verfügt die Anlegergruppe heute über ein Nettovermögen von 517 Milliarden kanadischen Dollar (Stand: 31. Dezember 2025, umgerechnet rund 321 Milliarden Euro).

Als weltgewandter Großanleger unterhält La Caisse Standorte in bedeutenden Städten rund um den Globus, darunter London und Paris und investiert breit diversifiziert in Aktien, Anleihen, Immobilien und Infrastruktur sowie Private Equity und Private Credit. Bis in das vergangene Jahr hinein trat La Caisse als Caisse de dépôt et placement du Québec (CDPQ) auf, bevor der Name gestrafft wurde.

Seit Juni 2025 firmiert sie nur noch unter dem Namen „La Caisse“. Diesen trägt seither auch das Immobilienportfolio der Kanadier, das zuvor als „Ivanhoé Cambridge“ bekannt gewesen ist.

Wertschöpfung auf dem Boden der Tatsachen

Im Rahmen der nun vorgestellten Partnerschaft mit Go Farm bringt La Caisse Eigenkapital in Höhe von 300 Millionen australischen Dollar ein. Das entspricht etwa 184 Millionen Euro. Hinzu kommen 30 Millionen Dollar, die der Partner beisteuert. Er soll das Kapital verwalten und natürlich vermehren.

Zudem erwirbt La Caisse eine Minderheitsbeteiligung an der im Jahr 2013 von Liam Lenaghan gegründeten Go Farm, die heute ein Vermögen von rund 1,6 Milliarden Dollar betreut. Das Unternehmen mit Sitz in Cremorne, einem Vorort von Melbourne im Bundesstaat Victoria, wirbt mit seiner Expertise, ineffizient genutzte Land- und Wasserressourcen in leistungsstarke, investitionswürdige Agrarbetriebe umwandeln zu können.

Das betrifft insbesondere die eingangs erwähnten Dauerkulturen – wobei besonderes Augenmerk auf Wassereffizienz und klimafreundliche Systeme gelegt werde. „Unsere Expertise liegt in der Umgestaltung der Landnutzung, der Neuausrichtung von Vermögenswerten sowie in Investitionen in Menschen, Technologie, Produktivität und Nachhaltigkeit“, wie auf der Homepage der Südaustralier nachzulesen ist.

Und anhand von Vorher-Nachher-Vergleichen kann man sich einen optischen Eindruck davon verschaffen, wie das Konzept in der Praxis funktioniert: Aus kargen Landstrichen und wüstenartigen Einöden werden fruchtbare Plantagen auf denen Kulturpflanzen gedeihen.

Go Farm pflegt in seiner australischen Heimat enge Beziehungen zu institutionellen Investoren – darunter befindet sich mit dem Australian Retirement Trust einer der größten Pensionsfonds des Landes. Er verwaltet Altersvorsorgegelder in Höhe von mehr als 370 Milliarden Dollar für rund 2,4 Millionen Mitglieder. In „Down Under“ pflegen sie zudem enge Beziehungen zu Family Offices und vermögenden Privatinvestoren.

Dass die Großanlegerin aus dem fernen Quebec – die kürzeste Entfernung nach Melbourne beträgt ungefähr 16.940 Kilometer – nun mit Go Farm zusammenarbeitet, ist Teil eines ausgefeilten Plans, den die Nordamerikaner zielstrebig verfolgen. Sie diversifizieren ihre Kapitalanlagen in Agrarflächen und Wald, wobei ökologische Gesichtspunkte und der Wunsch nach Impact eine zentrale Rolle spielen.

Aber auch hier werden die Risiken gestreut. Denn der Plan sieht vor, ein diversifiziertes Portfolio an australischen Dauerkulturen mit Bewässerung aufzubauen.

Widerstandsfähigere, klimafreundlichere Landwirtschaft

Das Potenzial für die Umwandlung karger Landflächen gilt als riesig. Nach Einschätzung von Emmanuel Jaclot, Leiter des Bereichs Infrastruktur und Nachhaltigkeit bei La Caisse, vereint Australien erstklassige landwirtschaftliche Ressourcen, starke Exportmärkte und bedeutende Möglichkeiten zur Flächenumgestaltung.

Mit der Partnerschaft wollen die Kanadier „einen bewährten Betreiber, der über fundierte lokale Expertise und ein starkes Engagement für eine verantwortungsvolle Landwirtschaft verfügt“, unterstützen, wie Jaclot erklärte. „Gemeinsam wollen wir eine diversifizierte Plattform aufbauen, die darauf ausgerichtet ist, attraktive Chancen in einem Sektor zu nutzen, der für die weltweite Lebensmittelproduktion zunehmend an Bedeutung gewinnt.“

Die Partnerschaft mit Go Farm reiht sich ein in eine Kette von Kooperationen von La Caisse im Bereich der nachhaltigen Landbewirtschaftung in Australien. Im Vorjahr hatten die Kanadier bereits mit der Clean Energy Finance Corporation eine Agrarplattform mit einem Volumen von 250 Millionen Dollar ins Leben gerufen. Deren Ziel ist es, hochwertige australische CO₂-Emissionszertifikate zu generieren; der Rohstoffgigant Rio Tinto fungiert dabei als erster Großabnehmer.

Bei diesen Projekten werden zwei Aspekte verknüpft. Einerseits geht es um den Aufbau einer nachhaltigen Agrarproduktion, bei der andererseits die Vegetation wiederhergestellt werden soll. Dadurch lassen sich sogenannte Emissionsgutschriften generieren. Möglich wird das, weil die Projekte CO₂ binden. Man spricht dabei auch vom „Carbon Farming“.

Gleichzeitig werden dadurch Bestrebungen des Agrarsektors unterstützt, in der globalen Netto-Null-Wirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit ist diese Investition für Emmanuel Jaclot ein „wichtiger Schritt zur richtigen Zeit, um eine widerstandsfähige und klimafreundliche Landwirtschaft in Australien voranzubringen und gleichzeitig messbaren ökologischen und wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen“. Der Leiter des Bereichs Infrastruktur und Nachhaltigkeit bei La Caisse ist überzeugt davon, dass diese Plattform mit der Clean Energy Finance Corporation über das Potenzial zur Skalierung verfügt.

Klimawirkung im großen Maßstab

Zum Portfolio von La Caisse gehören auch forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke. Vor fünf Jahren gab der kanadische Pension Fund gemeinsam mit der US-amerikanischen Westervelt Company den Erwerb hochwertiger Kiefernwaldflächen mit einer Größe von rund 300 Quadratkilometern im Südosten des US-Bundesstaates Georgia bekannt. Zuvor befanden sich die Flächen fast ein Jahrhundert lang im Besitz und unter der Verwaltung von Superior Pine Products, einem dort ansässigen Familienunternehmen.

Die Anlageklasse Wald gewinnt auch bei institutionellen Investoren in Europe zunehmend an Bedeutung. Im vergangenen Jahr hatte APG Asset Management aus den Niederlanden im Auftrag des Stichting Pensioenfonds ABP über die Molpus Woodlands Group eine Mehrheitsbeteiligung an einem 70.000 Hektar großen Waldgebiet im Süden der USA erworben.

Mit einem Gesamtwert von 462 Millionen Dollar war dieses Forstgeschäft eines der größten der vergangenen Jahre in den USA. Außerdem handelt es sich um die erste Investition von APG im Rahmen eines Private-Natural-Capital-Mandats von ABP. Dabei bedient sich der Investor einer sogenannten Impact-Only-Plattform. Diese ist darauf ausgelegt, langfristiges institutionelles Kapital für natürliche Vermögenswerte zu mobilisieren. Bei diesen Investments geht es insbesondere darum, attraktive finanzielle Renditen zu erwirtschaften und zugleich messbare Umweltergebnisse zu erzielen.

Wenn aus Einöden fruchtbare und ökologisch wertvolle Landschaften werden, ist das ganz im Sinne von Umwelt, Bevölkerung und Rentensparern. Denn auch unter finanziellen Gesichtspunkten tragen die Investments – im Portfoliokontext – Früchte. Der größte von der La Caisse verwaltete Fonds – der Basisplan des Québecer Rentensystems – erzielte im Vorjahr eine Rendite von 9,8 Prozent, über fünf Jahre hinweg waren es 7,8 Prozent p.a. und über zehn Jahre 8,0 Prozent. Die Nachhaltigkeit hat viele Dimensionen.

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