Diese Trends bewegen das Private-Equity-Geschäft
Anleger werden wählerischer, wenn es darum geht, General Partners auszuwählen. Als wachsendes Problem im Private-Equity-Geschäft erweisen sich Zombie-Fonds.
Institutionelle Anleger werden zunehmend wählerischer, wenn es darum geht, General Partners (GPs) auszuwählen und ihnen Kapital anvertrauen. Das zeigt die neue und mittlerweile 44. Ausgabe des Global-Private-Capital-Barometers von Coller Capital. Die Untersuchung findet zweimal jährlich statt.
Aus der aktuellen Marktbetrachtung geht hervor, dass die befragten Limited Partners bei der Auswahl heute deutlich selektiver vorgehen als noch vor ein paar Jahren: Fast ein Viertel (23 Prozent) von ihnen rechnet damit, die Anzahl der GP-Beziehungen in ihren Private-Markets-Portfolios in den kommenden drei Jahren zu reduzieren. Das sind sieben Prozentpunkte mehr im Vergleich zu den 16 Prozent im Jahr 2020, als diese Frage zuletzt angesprochen wurde.
Doch das ist nur ein Ergebnis des Global-Private-Capital-Barometers, wobei Coller Capital in der aktuellen Ausgabe das Augenmerk vor allem auf die Stimmung der Investoren gegenüber den Private Markets richtet. Außerdem beleuchtet der Spezialist für Sekundärmarkt-Transaktionen, der in diesem Jahr mit der Beteiligungsgesellschaft EQT fusionieren will, die Ansichten von Limited Partners zu Allokationen und Risiken im aktuellen makroökonomischen Umfeld.
Geopolitik beeinflusst Anlageentscheidungen
Ein zentrales Ergebnis der Investorenumfrage besagt, dass die Geopolitik bei Allokationsentscheidungen auf den privaten Märkten eine größere Rolle spielt als bisher. Demnach gaben etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) der befragten LPs an, dass das geopolitische Umfeld und die entsprechenden Aussichten ihre Allokationsentscheidungen für Private Markets stärker beeinflussen als in der Vergangenheit; dies gilt für fast die Hälfte der Investoren aus Europa (46 Prozent) und dem asiatisch-pazifischen Raum (47 Prozent).
Gleichwohl sind die Befragten offenbar fest entschlossen, den Private Markets die Treue zu halten: Ein Drittel (33 Prozent) plant, das Tempo der Kapitalzusagen für diesen Bereich zu erhöhen, während 57 Prozent davon ausgehen, dass die Geschwindigkeit in den kommenden zwei Jahren unverändert bleiben wird.
Diese Aussage ist insbesondere vor dem Hintergrund der gestiegenen Renditen an den Anleihemärkten interessant. Denn das neue Zinsumfeld ermöglicht es Großanlegern, nun wieder sehr selektiv und opportunistisch Direktanlage zu betreiben und dabei langfristige Verpflichtungen solide und mit auskömmlicher Verzinsung zu überdecken. Deutlich wurde das im Investoreninterview von portfolio institutionell mit Führungskräften der Signal-Iduna-Gruppe und der Hamburger Pensionsverwaltung.
Raus aus dem Exit-Stau
Doch zurück zum Barometer von Coller Capital, in dem auch der gegenwärtige Exit-Stau im Private-Equity-Geschäft thematisiert wird. Bekanntlich ziehen sich die Verkäufe von Beteiligungen und die Liquidation der Fonds in die Länge, was dazu führt, dass Großanleger auf ihren Einsatz unerwartet lange warten müssen. Das ist ein Grund, weshalb sie bei Kapitalzusagen für neue Fondsgenerationen eher zögerlich agieren.
Wege, um im Private-Equity-Geschäft Gewinne zu realisieren, sind der Verkauf der Beteiligungen an strategische Käufer, andere Investoren oder der Börsengang. Dabei gewinnen „Secondaries“, also der Kauf und Verkauf bereits bestehender Kapitalzusagen oder Vermögenswerte in Private-Equity-Fonds, an Bedeutung. Anstatt sich bereits bei Auflegung des Fonds zu beteiligen, erwirbt ein Secondary-Käufer einen Anteil zu einem späteren Zeitpunkt im Lebenszyklus des Fonds und verschafft so dem ursprünglichen Investor vorzeitige Liquidität.
Jeremy Coller, Chief Investment Officer und Managing Partner von Coller Capital, hält es für falsch, Börsengänge (IPOs) und Secondary-Transaktionen als konkurrierende Wege zur Liquiditätsbeschaffung zu betrachten. Das Barometer verdeutliche, dass sie sich vielmehr ergänzten.
„Secondary-Transaktionen haben sich zu einem zentralen Instrument der Liquiditätsbeschaffung entwickelt und sind fester Bestandteil der Strategie von Limited Partners, wenn es um Kapitalallokation, Portfolio-Umschichtungen und den Verbleib in Investments geht, von deren Potenzial sie weiterhin überzeugt sind“, erklärt Coller und geht ins Detail: „Zwei Fünftel der im Barometer befragten LPs gehen davon aus, dass die Aktivitäten im Bereich ‚Continuation Vehicles‘ weiter zunehmen werden – selbst bei einer Erholung der klassischen Exits. Dies unterstreicht, wie tiefgreifend und strukturell dieser Wandel hin zu Secondary-Transaktionen ist.“
Zombie-Fonds verbreiten Schrecken
Die im Rahmen der Umfrage einbezogenen LPs haben mit handfesten Problemen zu kämpfen. Sie rechnen damit, dass in ihren Private-Equity-Portfolios vermehrt sogenannte „Zombie-Fonds“ auftreten werden. Damit gemeint sind Fonds im Zustand der „lebenden Toten“.
Mehrheitlich verfolgen die Anleger beim Umgang mit dieser Situation einen pragmatischen Ansatz. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der LPs erwartet, dass die Zahl der „Zombie-Fonds“ in ihren Private-Equity-Portfolios in den kommenden zwei Jahren steigen wird. Weitere 31 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Anzahl aus, während lediglich 15 Prozent einen Rückgang erwarten.
Doch wie geht man mit einer solchen Situation um? LPs streben laut den Studienmachern „nicht zwangsläufig nach konfrontativen Lösungen“. In Situationen ohne Verschulden (sogenannte „No Fault“-Fälle) werde eine Senkung der Managementgebühr bevorzugt; dies gaben 54 Prozent der Befragten an.
An zweiter Stelle (18 Prozent) steht die Anpassung der Anreizstrukturen für den Manager – etwa durch eine Überarbeitung der wirtschaftlichen Konditionen des Fonds, um zeitnahe Exits zu fördern –, während sich jeweils elf Prozent der LPs für die Abberufung oder den Austausch des Managers beziehungsweise für das Unterlassen jeglicher Maßnahmen aussprechen.
Zurückhaltend äußerten sich die Umfrageteilnehmer an anderer Stelle: Der Anteil der LPs, die planen, ihre Allokationen im Bereich Private Credit in den kommenden zwölf Monaten zu erhöhen, ist seit dem letzten Barometer vor sechs Monaten von 42 Prozent auf 29 Prozent gesunken. Nach einer Phase rascher Expansion scheint der Bereich Private Credit nun in eine Phase stärkerer Selektivität einzutreten, vermuten sie bei Coller Capital vor diesem Hintergrund.
Der Sekundärmarkt für Private Credit entwickelt sich weiter
Gleichzeitig wird erwartet, dass sich der Sekundärmarkt für Private Credit zu einem bedeutenden Wachstumsfeld entwickeln wird. Die Investoren stufen Private Credit als die Anlageklasse ein, die auf dem Sekundärmarkt in den nächsten drei Jahren voraussichtlich das stärkste relative Wachstum (36 Prozent) verzeichnen wird – noch vor Private Equity, Infrastruktur und Venture Capital.
Dies deutet laut Coller Capital auf einen Wandel in der Art und Weise hin, wie Investoren in Private Credit investieren: Der Schwerpunkt verlagere sich zunehmend auf bereits etablierte Anlagen (Seasoned Assets), die Portfolio-Neuausrichtung, Relative-Value-Überlegungen sowie ein aktives Liquiditätsmanagement, heißt es in der 44. Ausgabe des Global Private Equity Barometer, dessen Gesamtinhalt Sie hier abrufen können.
Im Rahmen des Barometers wurden 108 LPs aus der ganzen Welt befragt. Etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) von ihnen verwaltet ein Vermögen von über zehn Milliarden US-Dollar. Gemeinsam betreuen sie ein Vermögen von mehr als zwei Billionen US-Dollar. Die Feldarbeit fand vom 18. Februar bis zum 21. April 2026 statt.
Lesetipp: General Partners nutzen zunehmend Continuation Vehicles, um für ihre Anleger Liquidität zu schaffen und gleichzeitig Kontrolle über die Unternehmen zu behalten, in die sie investiert haben. Rund ein Viertel der GPs setzte in den letzten zwei Jahren solche Strukturen ein, fast die Hälfte plant dies künftig, wie wir berichtet hatten.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Private Equity
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