Versicherungen
11. Oktober 2021

DIW-Studie: Riester-Rente verfehlt ihre Ziele

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung will die Riester-Rente reformieren. Vorbild Schweden.

Die Riester-Rente hat ihre Ziele verfehlt. Zu dieser Einschätzung kommt 20 Jahre nach deren Einführung eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Nach Angaben der Wirtschaftsforscher stagniert der Anteil der Bürger, die einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, seit zehn Jahren bei etwa 25 Prozent. Ein Großteil der Haushalte werde nicht erreicht, so das DIW.

Zudem zeigten sich große Unterschiede bei den Einkommensgruppen: Vor allem Geringverdiener sowie Personen mit Phasen längerer Arbeitslosigkeit sorgten kaum mit der Riester-Rente für das Alter vor. „Die Riester-Rente erreicht nicht diejenigen, die sie am dringendsten brauchen würden“, kommentiert Studienautor Peter Haan, der sich auch in einem Interview zum Thema äußert. „Ihr Ziel, das sinkende Rentenniveau abzufedern und den Lebensstandard auch im Alter zu sichern, verfehlt sie somit weitgehend.“

Bildungsniveau und berufliche Position

Das Bildungsniveau und die berufliche Position scheinen nach Einschätzung der Studienautoren entscheidend für die Frage zu sein, wer einen Riester-Vertrag abschließt. Je höher die berufliche Position, desto häufiger wird ein Riester-Vertrag gehalten, berichtet das DIW. So hätten im Jahr 2020 rund 42 Prozent der Angestellten mit Führungsaufgaben einen Riester-Vertrag – aber nur elf Prozent der ungelernten Arbeiter.

83 Euro Riester-Rente im Monat

Rund 300.000 Personen beziehen aktuell bereits eine Riester-Rente. Der Personenkreis erhält im Durchschnitt 83 Euro im Monat, so das DIW. Dies entspreche etwa einem Anteil von fünf Prozent an allen eigenen Alterseinkommen dieser Gruppe. „In den nächsten Jahren werden mehr Riester-SparerInnen mit längeren Beitragszeiten in Rente gehen, der Anteil der Riester-Renten am durchschnittlichen Alterseinkommen wird also steigen“, prognostiziert Johannes Geyer, Co-Autor der Studie. „Jedoch wird auch dieser Anstieg nicht ausreichen, um die Lücken im Versorgungsniveau der Bevölkerung zu schließen.“

DIW fordert Riester-Reform

„Die Riester-Rente muss grundlegend reformiert werden“, fasst Co-Autor Markus M. Grabka das Ergebnis der Studie zusammen. „Die Riester-Rente sollte am schwedischen Modell der privaten Altersvorsorge ausgerichtet werden.“

In Schweden sei private Altersvorsorge obligatorisch. Von staatlicher Seite werde ein standardisiertes Vorsorgeprodukt mit geringen Bürokratiekosten angeboten. Dessen Rendite liegt laut DIW deutlich über der von vielen Riester-Rentenverträgen in Deutschland. Dabei gibt es in Schweden aber keine Beitragsgarantien. Ein solcher verpflichtender Vorsorgefonds könne auch für Deutschland ein Modell sein. Es müsse allerdings sichergestellt sein, dass auch Arbeitslose sowie Geringverdiener Beiträge leisten können, etwa indem der Staat die Beiträge für diese Gruppen subventioniert.

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