Strategien
26. August 2013

Do it yourself – Investmentclubs formieren sich

Die weltweit größten Kapitalsammelstellen schließen sich immer häufiger zu ambitionierten Investmentclubs zusammen, bei denen externe Manager unerwünscht sind. Ihr Ziel ist klar umrissen: runter mit den Gebühren.

Nach Angaben der New York Times hat der kanadische Pensionsfonds von Alberta (Alberta Investment Management Corporation, kurz: Aimco) jüngst ein illustres Wochenendtreffen institutioneller Investoren in den Rocky Mountains veranstaltet. Unter den 27 Teilnehmern befanden sich Vertreter des Staatsfonds von Abu Dhabi, des französischen Pensionssystems und weitere Branchengrößen, die zusammen für rund zwei Billionen Dollar an Pensionsvermögen verantwortlich sind. Bei der Tagung, die ganz ohne externe Asset Manager auskam, stand unter anderem die Frage im Mittelpunkt, wie die Kapitalsammelstellen in Private Equity investieren können. 
Traditionell werden externe Manager mandatiert, um komplexe Anlagestrategien wie diese umzusetzen. Dabei fallen nicht selten fixe Gebühren von zwei Prozent pro Jahr an; hinzu kommen erfolgsabhängige Fees, die mitunter bei 20 Prozent liegen können. Diese Kosten sind den Verantwortlichen bei den Kapitalsammelstellen, wie Leo de Bever, Vorstandschef des 70 Milliarden Dollar schweren Pensionsfonds Aimco, ein Dorn im Auge. Allein, aber auch in Zusammenarbeit mit anderen Häusern, will de Bever komplexe Anlagestrategien verstärkt in Eigenregie umsetzen. Obwohl er dafür erfahrene Manager einstellen muss, die unbestritten Wall-Street-Gehälter erwarten, verspricht er sich insgesamt deutlich niedrigere Kosten. 
Wenn die Shortlist kürzer wird
Führende Kapitalsammelstellen haben sich in den vergangenen Jahren von aktiven Managern abgewendet, etwa im Rentenbereich und bei Aktien. Im Gegensatz dazu wurden die Gelder vermehrt in passive Investmentvehikel umgeschichtet, die Indizes kostengünstig nachbilden. Ob aktive Manager Investoren überhaupt einen geldwerten Vorteil bringen, ist heute ohnehin umstritten. Fest steht, dass es ein großer Teil der aktiven Manager langfristig nicht schafft, nach Kosten besser abzuschneiden als Marktindizes. Neuerdings unternehmen großen Pensionseinrichtungen verstärkt Anstrengungen dahingehend, komplexere Anlageformen kostengünstig in Eigenregie zu managen. Der New York Times zufolge wollen die Großinvestoren ihre externen Manager jedoch nicht komplett in die Wüste schicken; vielmehr will man in jenen Bereichen weiter auf die Expertise der Anbieter zurückgreifen, bei denen man sich schwer tut, Anlageexperten für sich zu gewinnen. 
Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, zeigt das Beispiel „Aimco“. Als Leo de Bever vor fünf Jahren die Führung der Alberta Investment Management Corporation  übernahm, unterhielt die kanadische Pensionseinrichtung Beziehungen zu nicht weniger als 50 Private-Equity-Unternehmen. Seither hat de Bever zahlreiche dieser Verbindungen gekappt, was er mit den durchschnittlichen Kosten von sechs Prozent pro Jahr für die Verwaltung der Private-Equity-Assets begründet. Heute arbeitet Aimco in dieser Anlageklasse nur noch mit einem Dutzend Managern zusammen, wobei alle neuen Private-Equity-Investments von einem internen Anlagekomitee eingefädelt werden, das Aimco zu diesem Zweck angeheuert hat. Finanziell hat sich dieser rigorose Umbau längst bezahlt gemacht. Die Verwaltungskosten für die außerbörslichen Beteiligungen sind auf knapp ein Prozent gesunken. 
Private Equity in Eigenregie managen will künftig auch der neuntgrößte Pensionsfonds der USA: die 91 Milliarden Dollar schwere öffentliche Pensionseinrichtung von Wisconsin. Auch hier erhofft man sich erheblich sinkende Verwaltungskosten. Der Fonds will in den nächsten fünf Jahren knapp 500 Millionen Dollar in Private Equity anlegen. Durch den Verzicht auf externe Manager glaubt man in Wisconsin, rund 19 Millionen Dollar an Gebühren einsparen zu können. Michael Williamson, Chef des Wisconsin Investment Board argumentiert: „Der Markt gibt und der Markt nimmt, und es gibt nicht viel, was wir da draußen kontrollieren können – die Gebühren sind einer der Faktoren, wo wir das können.“
Dass man in Wisconsin nicht nur redet, sondern auch anpackt, zeigt die folgende Rechnung. Der Pensionsfonds des US-Bundesstaates managt heute 61 Prozent seiner Gelder selbst. Das sind 40 Prozentpunkte mehr als noch im Jahr 2007. Aber auch in anderen Pensionseinrichtungen der Vereinigten Staaten traut man sich im Hinblick auf die Kapitalanlagen immer mehr zu. Während die 200 größten Pensionsfonds des Landes im Jahr 2009 zusammen rund 787 Milliarden Dollar persönlich betreuten, waren es im vergangenen Jahr bereits 932 Milliarden Dollar, wie ein amerikanisches Magazin ausgerechnet hat. 
Co-Investments auf dem Vormarsch
Große Ambitionen, Kapitalanlagen mit Gleichgesinnten anzulegen, werden insbesondere den Staatsfonds nachgesagt. Die milliardenschweren Kapitalsammelstellen verfolgen auch das Ziel, von den Erfahrungen ihrer Kollegen aus anderen Nationen zu lernen. An Vertrauen scheint es jedenfalls nicht zu mangeln. Der chinesische Staatsfonds (China Investment Corporation) und sein russisches Pendant (der Russian Direct Investment Fund) haben jüngst beschlossen, zwei Milliarden Dollar zu bündeln und damit direkte Investments ohne externe Manager durchzuführen. 
Dass es den Kapitalsammelstellen durchaus ernst ist, ihre Verwaltungskosten zu senken, zeigt sich übrigens auch an anderer Stelle. Bei dem jüngsten Wochenendmeeting in den kanadischen Rocky Mountains haben die Großinvestoren auf extravagante Gala-Abende, wie sie in der Branche bei ähnlichen Anlässen zum Rahmenprogramm gehören, verzichtet. 
portfolio institutionell newsflash 26.08.2013/Tobias Bürger
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