Corporates
13. März 2013

Druck auf den Diskontierungssatz

Bei Daimler sind die Pensionsverpflichtungen zum Ende des Geschäftsjahres 2012 um 4,8 Milliarden Euro gegenüber 2011 gestiegen. Schuld ist der historisch niedrige Rechnungszins. Dieses Schicksal teilen auch andere Dax-Unternehmen.

Das Niedrigzinsumfeld senkt nicht nur die Anlagerenditen, sondern erhöht auch die Anwartschaftsbarwerte der Pensionspläne. Darauf weisen auch große Unternehmen in ihren Geschäftsberichten hin. Beispiel Daimler: Wie aus dem am 11. März veröffentlichten Geschäftsbericht 2012 hervorgeht, betrugen die Pensionsverpflichtungen des Konzerns am Bilanzstichtag 23,9 gegenüber 19,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Anstieg resultierte insbesondere aus der Absenkung des Diskontierungszinssatzes bei den inländischen Pensionsplänen um 1,6 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent.
 
Damit steht Daimler nicht allein. Ein weiteres Beispiel ist Siemens, deren Geschäftsjahr allerdings immer zum 30. September endet. Wie das Unternehmen in seinem Jahresabschluss zum 30. September 2012 mitteilte, vergrößerte sich die Deckungslücke von 6,2 auf neun Milliarden Euro. Eine beträchtliche Erhöhung des Anwartschaftsbarwerts der Defined Benefit Obligations sei nur teilweise durch den Anstieg des beizulegenden Zeitwerts des Planvermögens der durch externes Vermögen gedeckten Pensionspläne ausgeglichen worden. Der Anstieg der Defined Benefit Obligations resultierte laut Geschäftsbericht im Wesentlichen aus einer Absenkung des Abzinsungsfaktors für die Pensionspläne. Bei Siemens sank der Abzinsungsfaktor, der den Defined Benefit Obligations zum Bilanzstichtag zugrunde lag, von 4,5 auf 3,2 Prozent.
Ebenso deutlich gingen auch die Diskontierungsansätze bei Thyssen-Krupp zurück. Wie der Stahlkonzern in seinem Geschäftsbericht mitteilte, führten zahlreiche Rating-Herabstufungen bei auf Euro lautenden Unternehmensanleihen und die starke Volatilität der Finanzmärkte zum 30. September 2012 bei Pensionsverpflichtungen in Deutschland zu einem Diskontierungssatz von 3,6 Prozent im Vergleich zu fünf Prozent im Vorjahr. Grundsätzlich, so Thyssen-Krupp, wird zur Ableitung der jeweiligen Diskontierungssätze auf Renditen festverzinslicher, laufzeit- und währungsadäquater Unternehmensanleihen zurückgegriffen, die mit AA bewertet werden. Adidas greift dagegen auf einen Pensions-Discount-Yield-Curve-Ansatz von Mercer zurück. Dieser wurde aktualisiert, so dass sich eine im Vergleich zum alten Ansatz um 20 Millionen Euro niedrigere Pensionsverpflichtung ergab. Trotzdem sank der Diskontierungssatz von 4,3 auf 3,5 Prozent.
Aber auch allgemein ist der Ausfinanzierungsgrad der Pensionspläne von Dax- und M-Dax-Unternehmen im Verlauf des vergangenen Jahres deutlich zurückgegangen. Laut einer Studie von Towers Watson, die auf Modellberechnungen basiert und Benchmark-Pensionspläne mit unterschiedlichen Ausfinanzierungsgraden zugrunde legt, ist der Deckungsgrad um 7,7 Prozentpunkte bei Dax-Unternehmen und um fünf Prozentpunkte bei M-Dax-Unternehmen gesunken. Zur Veranschaulichung: Bei einem Musterplan, bei dem die Pensionslasten von Unternehmen seit 31. Dezember 2003 voll mit extern angelegtem Vermögen unterlegt waren, lag der Ausfinanzierungsgrad Ende 2012 nur noch bei 84,6 Prozent. Als Grund für den Rückgang macht die Beratungsgesellschaft den Rechnungszins aus. Dieser gab zum Stichtag 31. Dezember 2012 gegenüber dem Vorjahr um 140 Basispunkte auf 3,35 Prozent nach und sorgte somit in den Bilanzen der Unternehmen dafür, dass die Pensionsverpflichtungen mit einem höheren Wert angesetzt werden mussten. Im Dax stiegen die Pensionsverpflichtungen 2012 auf 317 Milliarden Euro, nachdem es 2011 nur 259 Milliarden Euro waren. Ein ähnliches Bild zeigt sich im M-Dax, in dem sich die Pensionsverpflichtungen auf 41 Milliarden Euro erhöhten.
Gutes Anlagejahr
Insgesamt bleibt aber auch festzuhalten, dass 2012 aus Sicht der Planvermögen ein gutes Jahr war.  Siemens erzielte mit dem Planvermögen eine Verzinsung von 15,6 Prozent. Diese Rendite resultierte laut Siemens sowohl aus festverzinslichen Wertpapieren als auch aus Aktienanlagen. Bei Daimler betrug die Rendite des Fondsvermögens etwa zehn Prozent. Wie Towers Watson anmerkt, konnte der Anstieg der Verpflichtungen aber nicht durch die guten Anlageerträge auf pensionsspezifische Vermögenswerte kompensiert werden. Im Durchschnitt betrugen diese für 2012 rund zwölf Prozent.
portfolio institutionell newsflash 13.03.2013/pe

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