Recht, Steuer & IT
13. Mai 2020

DVFA kritisiert IFRS

Abschreibungen von Goodwill können krisenverstärkend wirken. Signalfunktion an Stakeholder.

Die DVFA warnt in einer aktuellen Stellungsnahme vor krisenverstärkenden Abschreibungen von Firmenwerten, welche durch die Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) vorgenommen werden. Durch die operativ schwierige Situation seien Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren, dazu angehalten, nicht nur die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) sowie die Cashflows anzupassen, sondern auch nicht-cashflow-wirksame Bilanzpositionen über Abschreibungen von Goodwill zu reduzieren. Auch dies werde sich dann in der GuV niederschlagen und sich somit im Eigenkapital bemerkbar machen. Dadurch wirkten die IFRS nun im Krisenfall als Krisenverstärker, so die DVFA.

Goodwill-Positionen in Bilanzen von Unternehmen müssen laut IFRS jährlich zu Marktpreisen neu bewertet werden. Dies erfolgt mittels sogenannter Cash Generating Units (CGU) nach Discounted-Cashflow-Methoden. Verliert nun eine Position an Ertragskraft, sind plötzliche und deutliche Abschreibungen vorzunehmen. Zwar ist diese Bewertung nicht liquiditätsrelevant, sorgt aber für zusätzlichen Abwärtsdruck auf die GuV, wodurch dies zusätzlich auf das Eigenkapital drücken kann. Die davon ausgehende Signalfunktion an andere Stakeholder ist negativ. Die DVFA betont, dass Jahresabschlüsse nicht nur für Investoren relevant sind, sondern auch weitere Stakeholder wie Banken, Ratingagenturen, Kunden, Lieferanten, Regulatoren oder der Staat. Um diese krisenverstärkenden Abschreibungen zu vermeiden, setzt sich die DVFA für eine Reform des IFRS ein, um planmäßige Abschreibungen von Goodwill zu ermöglichen. „Wir wünschen uns im Falle von Krisen mehr stabilisierende Elemente in der internationalen Rechnungslegung“, so Christoph Schlienkamp, geschäftsführender Vorstand des DVFA und Portfoliomamanager der GS&P Kapitalanlagegesellschaft. Auch das IDW Institut der Wirtschaftsprüfer setzt sich für eine zeitnahe Überprüfung ein. Anzumerken ist, dass prozyklische Verstärkungen in beide Richtungen wirken: Im Rahmen einer Boom-Phase spiegeln Unternehmensbilanzen die steigenden Marktpreise wieder, was diesen verstärkt. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf die Finanzstabilität haben.

Ein Beispiel gibt die DVFA selbst: Bereits in der Finanzkrise von 2007/08 hatten Mark-to-Market-Bewertungen auf der Grundlage von extremen Preisverwerfungen zu Bewertungsverlusten von Finanzaktiva geführt. „Bei großen Derivatepositionen führten diese Mechanismen zu teilweise nicht mehr kontrollierbaren Abwertungskaskaden und damit zur Verstärkung der Finanzkrise“, erinnert sich Thorsten Müller, Mitglied des Vorstands des DVFA und Geschäftsführer der Lighthouse Corporate Finance GmbH.

Autoren:

Schlagworte: | |

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.