Schwarzer Schwan
2. November 2012

Ein Bierzelt für die Immobilienquote

Mit der anschwellenden Geldmenge ist die Angst vor der Inflation hochkorreliert. Hochkorreliert mit der Angst ist wiederum der Erfindungsgeist, wie der Geldentwertung ein Schnippchen zu schlagen ist.

Im Hinblick auf das beliebig vermehrbare „Fiat-Money“ ist Inflationsschutz ein Muss. Gold, Ackerland und Kunst gelten als typische Hedges. Danach wird es komplexer. Denn Weltuntergangsexperten wissen, dass man Gold in dünn besiedelten Staaten mit hoher Rechtssicherheit horten muss. Doch wie kommt man in einem Mad-Max-Szenario dann eigentlich an das edle Metall in Skandinavien, Kanada oder Australien ran? Beim Inflations-Hedge „Ackerland“ steht der typische Bloomberg-Investor vor seiner Scholle so ratlos wie der Ochs vorm Berg. Und will man seine Wohnung wirklich auf Dauer mit abstrakter Kunst zustellen? 
Dann doch lieber etwas Handfestes: Stellen auch Sie ein Bierzelt auf dem Oktoberfest auf! Eine Wiesn-Maß ist nämlich nicht nur gesund, sondern auch ein perfekter Inflations-Hedge. Gemäß vermutlich jahrzehntelanger Vorort-Recherche des Asset Managers Flossbach von Storch kostete die Maß 1949 bloß 0,87 Euro – heute werden stramme 9,50 Euro gefordert, woraus sich eine durchschnittliche Preissteigerung von 3,9 Prozent p.a. ergibt. In der Zeit von 1970 bis 1984 stieg der Bierpreis pro Jahr übrigens sogar um 5,7 Prozent.
Ob ein Bierzelt auch in das Portfolio eines institutionellen Anlegers passt? „Das müssen wir prüfen“, wird die Antwort sein. Passend strukturiert sollte eine gewerbliche Infizierung für steuerbefreite Anleger zu verhindern und für alle VAG-Investoren eine Einordnung in die Immobilienquote möglich sein. Doch was ist ein Bierzelt nun eigentlich? Eine Zuordnung zu Core-Infrastruktur liegt wegen der planmäßigen Cashflows nahe. Oder klassifiziert es doch eher als Verkehrsinfrastruktur, weil Nutzer vollgetankt aus dem Zelt kommen? Denkbar wäre auch soziale Infrastruktur, da es sich letztlich um eine Begegnungsstätte zur Pflege des bajuwarischen Brauchtums handelt? Auf jeden Fall handelt es sich um ein hochliquides Investment, mit dem man sich zur Not auch die Lage schöntrinken kann.
Als geschickter Bierzeltbetreiber können Sie übrigens nicht nur inflationäre Effekte bei der Preisgestaltung, sondern auch die Deflation im Krug nutzen – indem Sie einfach weniger einschenken lassen. In absehbarer Zeit dürfte auch noch ein weiteres Schmankerl hinzukommen: die Notenbankfähigkeit von Bierfässern.
Die Redaktion von portfolio institutionell wünscht Ihnen ein schönes Wochenende.
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