Recht, Steuer & IT
24. November 2021

Ein Viertel des Pufo-Vermögens entfällt auf nachhaltige Produkte

Schub durch Offenlegungsverordnung. Gesamtvolumen nachhaltiger Fonds laut BVI bei 452 Milliarden Euro.

Mehr als jeder achte Euro, den deutsche Kunden in Fonds investieren, nach ist mittlerweile nach nachhaltigen Kriterien angelegt. Ursächlich für das Wachstum ist allerdings vor allem die Offenlegungsverordnung und weniger das Neugeschäft. Dies geht aus aktuellen BVI-Daten hervor.

Wie der Fondsverband berichtet, verwalteten nachhaltige Publikumsfonds per Ende September 339 Milliarden Euro für ihre Anleger. Das entspricht 24 Prozent des gesamten Publikumsfondsvermögens. Spezialfonds kamen auf 113 Milliarden Euro. Damit betrug das Gesamtvolumen nachhaltiger Fonds 452 Milliarden Euro. Im Vergleich zum 30. Juni entspricht das einem Wachstum von rund sieben Prozent.

Das Nachhaltigkeitskriterium ist dabei die Selbsteinordnung der Fondsanbieter gemäß EU-Offenlegungsverordnung als Artikel-8-Fonds (Fonds mit Nachhaltigkeitsstrategie) und Artikel-9-Fonds (Fonds, die zu Nachhaltigkeitszielen beitragen) ihrer Produkte. Mindestvorgaben für die Qualität der nachhaltigen Anlagestrategien enthält die am 10. März 2021 in Kraft getretene Offenlegungsverordnung nicht.

Drei Viertel des Wachstums im März

Viele Gesellschaften haben die Offenlegungsverordnung zum Anlass genommen, insbesondere ihr Publikumsfonds-Angebot mit der Zuordnung zu Artikel 8 oder 9 als nachhaltig zu klassifizieren. Wie der BVI berichtet, entfallen rund drei Viertel des Wachstums nachhaltiger Publikumsfonds seit Inkrafttreten der Offenlegungsverordnung auf direkt im März umgestellte Fonds. Später umklassifizierte Bestandsprodukte stehen für weitere neun Prozent. Eine deutlich geringere Rolle spielen auch das Neugeschäft – darunter auch neu aufgelegte Fonds – mit elf Prozent und der Effekt steigender Anteilwerte mit vier Prozent. Trotz des offensichtlich regulatorisch bedingten Zuwachses an nachhaltigen Fonds betont der BVI, dass der klarere rechtliche Rahmen bereits erheblich dazu beigetragen hat, große Kapitalströme in nachhaltige Unternehmen und Projekte zu lenken.

Mangel an Standards und Daten

Nach wie vor bestehen Umsetzungshindernisse. Genannt wurden vor allem fehlende Standards bezüglich Nachhaltigkeitskriterien (bei 84 Prozent der Häuser), die Datenverfügbarkeit (82 Prozent) und die Datenqualität (75 Prozent). Viele Daten sind bisher nur als Schätzungen verfügbar und meist nur über teure Oligopole von Datenanbietern erhältlich. Datenanbieter sind entsprechend auch die wichtigste Quelle von Nachhaltigkeitsdaten für die Fondsbranche, gefolgt von internem Research.

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