Eine Reise durch das Infrastruktur-Universum

Die Infrastruktur-Portfolios der Anleger dringen in neue Dimensionen vor, die Asset-Klasse selbst aber auch. Über diese und weitere Entwicklungen debattierten Carl-Theodor Toerring, Annette Bannister, Max Schönfelder, Uwe Fleischhauer und Maik Haufe mit Moderator Patrick Eisele (v. r. n. l.). Bild: Alex Habermehl.
Das Universum der Infrastruktur-Assets ist stark an Größe und Segmenten gewachsen. Das vergrößert die Anlagemöglichkeiten, verstärkt aber nicht unbedingt die Diversifikation. Nach wie vor finden deutsche Anleger eher im Ausland Opportunitäten. Im deutschen Universum machten Infrastrukturanleger aber auch eine interessante Entdeckung: Robert Habeck!
Einen besseren Auftakt kann sich ein Panel kaum wünschen: Dr. Robert Habeck, Ex-Bundeswirtschaftsminister und Keynotespeaker der Jahreskonferenz, adelte zu Beginn der Veranstaltung die Infrastruktur-Diskussionsrunde zur staatstragenden Angelegenheit. „Um die Wettbewerbsfähigkeit in Europa hochzuhalten, braucht es in Europa jedes Jahr Investitionen von 800 Milliarden Euro. Und dafür braucht es auch privates Kapital“, erläuterte Habeck und plädierte für eine neue Form von Private Public Partnerships.
Ausführlicher ging Habeck auch auf die Erneuerbaren Energien ein, also das wohl bedeutendste Segment der Infrastrukturinvestitionen deutscher Anleger. Die Ziele, die der Staat mit den Renewables verfolgte, unterlagen dem Zeitenwandel. Habeck erinnerte daran, dass der Auslöser für die Energiewende der Atomausstieg gewesen sei. Erst danach sei der Klimaschutz hinzugekommen. Der dominante Faktor, der – nicht nur für Habeck – heute hinter Erneuerbaren Energien steht, ist Sicherheit.

Dies gelte vor allem für China. „Weil der Ausbau der Renewables maßgeblich von China vorangetrieben wird, steht dahinter nicht Klimaschutz, sondern Sicherheitspolitik. Der Hochlauf der Erneuerbaren Energien in China liegt ganz wesentlich daran, dass sie versuchen wollen, sich von Öl- und Gasimporten unabhängig zu machen.“
Diese Sicherheitsüberlegungen sind natürlich auch in Deutschland ein gutes Argument für Erneuerbare Energien. Wie jedoch das Infrastruktur-Panel zeigte, reicht dies – auch im Verbund mit dem Infrastrukturpaket und dem großen, allgemeinen Investitionsbedarf in Infrastruktur – nicht aus, um hierzulande attraktive Opportunitäten zu finden. Was das Panel auch zeigte: So, wie sich die hinter Erneuerbaren Energien stehenden Ziele geändert haben, so waren über die Jahre hinweg auch die Definitionen von Infrastruktur einem Wandel unterworfen – ob zum Positiven oder Negativen muss sich jedoch noch zeigen.
„Mit Blick auf den deutschen Markt finde ich Private Public Partnerships sehr spannend. Diese würden uns weitere Diversifikationsmöglichkeiten eröffnen“, ging Maik Haufe, Abteilungsleiter Kapitalanlagen des VGV, nochmal auf den Auftritt von Habeck ein. „Allerdings sehen wir keine Investitionsopportunitäten.“ Trotz des Mangels an deutschen PPPs ist und bleibt aber Infrastruktur für die in Berlin ansässige Verwaltungsgesellschaft der Versorgungswerke attraktiv. Haufe: „Im Rahmen der strategischen Asset Allocation wollen wir Kapitalmarktrisiken niedrig halten und bestimmte Anlageziele erreichen. Hierfür können Infrastruktur-Assets, ob nun Equity oder Debt, einen wesentlichen Beitrag leisten.“
Was für die VGV gilt, gilt auch für den VBM. Der Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie hat schon wegen seiner Mitgliedsunternehmen, die auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen sind, eine Affinität zu dieser Asset-Klasse. Für Kapitalanleger Carl-Theodor Toerring kommt noch die Portfoliotheorie hinzu: „Der Mehrwert dieser Asset-Klasse liegt für uns neben dem Inflationsschutz vor allem in deren Korrelationseigenschaften. Unsere Diversifikation ist größer geworden – und dazu leistet auch Infrastruktur einen wichtigen Beitrag.“
Die Frage ist allerdings, inwieweit Infrastruktur auch in Zukunft mit seinen Korrelationseigenschaften punktet. Von der Attraktivität von Infrastruktur versucht nämlich auch die Asset-Klasse Immobilien zu profitieren und neigt dazu, Segmente wie Social Housing und Logistik als Infrastruktur zu vermarkten. Und aus Renditegründen greifen Infrastrukturmanager gern auch in den Private-Equity-Werkzeugkasten. Uwe Fleischhauer, Gründungspartner und Head of Infrastructure bei Yielco Investments, erinnerte daran, dass die Anlageklasse in den vergangenen 20 Jahren nicht nur deutlich gewachsen ist, sondern sich auch inhaltlich weiterentwickelt hat. „Dabei wurden auch Themen adaptiert, die man von Private Equity kennt. Heute finden sich in Infrastruktur auch Komponenten aus Real Estate und Private Equity. Grundsätzlich liegt der Fokus von Infrastruktur aber nach wie vor auf essentiellen Grundbedürfnissen, auf Pricing Power und Inflationsschutz.“ Investoren hätten die Wahl, so Fleischhauer, welche Ausrichtung sie wählen wollen.
Max Schönfelder, Gruppenleiter Transactions Alternatives, der Helaba Invest stimmt zu, dass es sich bei Infrastruktur um eine sehr heterogene Asset-Klasse handelt. Die Helaba Invest – wie Yielco ein Multi-Manager – bevorzugt die klassische Ausrichtung. „Wir wollen in Infrastruktur investieren, die essenzielle Services anbietet und hohe Eintrittsbarrieren hat. Unser Grundziel ist nämlich, dass wir visible und langfristige Cashflows und somit einen hohen DPI generieren können“, sagte Schönfelder. Neben der Relation von Distributed to Paid-in Capital sprechen für ihn auch die besseren Exit-Opportunitäten derzeit mehr für Infrastruktur als für Private Equity.
Bei den Exits sind knapp zweistellige Renditen nicht unmöglich. Deutlich attraktiver wurden mit den gestiegenen Inflationsängsten nun auch wieder Debt-Strategien. Infrastructure Equity ist für Annnette Bannister, Head of Infrastructure Debt bei Metlife Investment Management, aber nicht der richtige Vergleichsmaßstab. „Wir zielen mit Infrastructure Debt auf einen Pick-up zu den liquiden Fixed-Income-Märkten ab“, so Bannister. Auch für die Debt-Spezialistin Bannister stellt sich die Definitionsfrage. Zwar ließen sich auch mit Assets außerhalb des eigentlichen Infrastruktur-Universums gute Cashflows generieren. Nicht-essenzielle Assets würden sich allerdings nicht in jedem Zyklus bewähren. Bannister mahnt zur Vorsicht: „Wenn sich Märkte oder Wirtschaft schlecht entwickeln, drohen Schwierigkeiten.“
Annette Bannister ging mit den Laufzeiten noch auf eine weitere Besonderheit von Infrastructure Debt ein: „Im Durchschnitt liegen die Laufzeiten zwischen zehn und 15 Jahren. Bei Projektfinanzierungen liegen wir dagegen eher bei 25 Jahren. Diese langen Laufzeiten sprechen vor allem Solvency-II-Investoren an.“
Ob man nun Debt mit liquidem Fixed Income oder mit Infrastructure Equity vergleicht: Einig war sich die Runde, dass Debt einen weiteren interessanten Diversifikationsbaustein darstellt. Bezüglich Diversifikation spielen auch Co-Investments eine Rolle – im schlechtesten Fall als ein sich materialisierendes Klumpenrisiko. „Wir haben bereits einige Co-Investments gefunden. Cos machen wir aber nur, wenn eine solide Downside Protection gegeben ist“, erläuterte Max Schönfelder. „In unseren Multi-Manager-Strategien ist ein Co-Investment für uns die Kirsche auf der Torte.“ Co-Investments helfen Investoren, Gebühren zu sparen – aber nicht nur, wie Uwe Fleischhauer erläuterte: „Co-Investments ermöglichen es, Portfolios in die gewünschte Richtung zu dirigieren und das Kapital schneller abzurufen. Für Co-Investments in Frage kommen nur die besten Assets.“
Eher schlecht entwickelt – auch unabhängig von fehlenden Infrastrukturpaketen – hat sich auch der deutsche Glasfasermarkt. Max Schönfelder sieht hierzulande einen Mangel an guter Regulierung, die den Glasfasermarkt vorantreiben könnte. Dieses Regulierungsproblem lässt sich auch in der Energieinfrastruktur bezüglich Netzentgelten oder in der Ladeinfrastruktur ausmachen. Dies führt deutsche Anleger ins Ausland und folglich zu einem umgekehrten Home-bias.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Erneuerbare Energien / Renewables | Infrastruktur / Infrastructure Equity
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