Immobilien
9. September 2021

Einzelhandel auf Einkaufsliste

Mehr Investoren wollen mehr Handelsimmobilien. Onlinehandel tangiert soziale Nachhaltigkeit.

Investoren sind in Einkaufslaune – dies geht aus dem neuen Hahn Retail Real Estate Report hervor, der in Kooperation mit CBRE, Bulwiengesa und dem EHI Retail Institute erstellt wurde. Der Report konstatiert eine Investitionsneigung auf Mehrjahreshoch und eine Vorliebe für insbesondere Fachmarktzentren, die damit Supermärkte vom Spitzenplatz verdrängt haben. Auf Platz drei im Investoren-Ranking rangieren weiterhin SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte. Das Mehrjahreshoch resultiert daraus, dass nach 58 nun 75 Prozent der für den Report befragten Investoren bis Jahresende ihren Bestand an Einzelhandelsimmobilien moderat bis stark ausbauen wollen.

Allerdings hat die Risikoneigung abgenommen. Core-Anlagen präfrieren nun 79 nach 72 Prozent der Investoren. Die Beliebtheit für Value-add ist dagegen von 30 auf 17 Prozent stark gesunken. „Die konservative Haltung der Investoren überrascht“, kommentieren die Experten von Hahn. In der Vergangenheit habe ein starker Anlagedruck bei geringer Objektverfügbarkeit oft zu einem Ausweichen auf andere Risikoklassen geführt. „Aktuell ist dies nicht zu beobachten.“

Auch die weiter gesunkenen Renditen konnten offenbar den Risikoappetit der Investoren nicht anregen. Wie CBRE informiert, liegen die Spitzenrenditen für Lebensmittelmärkte zur Jahresmitte nur noch bei 3,9 Prozent und damit 1,3 Prozentpunkte niedriger als noch vor einem Jahr. Für Core-Investments in Fachmarktzentren sanken die Nettoanfangsrenditen ebenfalls auf 3,9 Prozent, wenngleich hier der Rückgang mit 0,25 Prozentpunkten gegenüber der Jahresmitte 2020 moderater ausfiel. Dagegen lagen die Spitzenrenditen für Shoppingcenter in den Top-Standorten zum Halbjahr bei fünf Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.  43 Prozent der Befragten gehen bis Jahresende von weiter fallenden und 17 Prozent von steigenden Nettoanfangsrenditen aus.

Das S in ESG

Aus Sicht des Handels stellt der Onlinehandel zunehmend eine Herausforderung dar. Dies sollte für Investoren nicht nur bezüglich des Mieterhöhungspotenzials, sondern auch aus nachhaltigen Gesichtspunkten relevant sein. „Es ist bemerkenswert zu sehen, wie die neue Online-Mentalität zu einer neuen Form des Prekariats führt“, moniert Ralf-Peter Koschny. Der Sprecher des Vorstandes der Bulwiengesa AG verweist auf die Fahrer und Fahrradkuriere: „Die schöne neue Welt des Online-Handels mit Zustellung wird auf dem Rücken vieler Menschen ausgetragen, die in der gesamten Logistikkette zu niedrigen Löhnen arbeiten. Passt das wirklich zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung?“ Laut dem Retail-Report gewannen ESG-Kriterien im Immobilienportfolio zwar an Bedeutung. Diese beinhalten aber vor allem Maßnahmen zur CO₂-Reduzierung und zur Optimierung des Ressourcenverbrauchs.

Autoren:

Schlagworte:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.