Immobilien
26. September 2012

Erhöhte Verkaufsbereitschaft notleidender Immobilienfinanzierungen

Laut verschiedenen Studien wird die Zahl der Transaktionen von Distressed Real Estate deutlich zunehmen. Zugleich werden Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger vorgehen.

In den kommenden zwei Jahren werden in Deutschland die Anzahl und das Transaktionsvolumen von notleidenden Immobilienfinanzierungen deutlich steigen. Dies geht aus einer aktuellen Studie der gemeinsamen Forschungsstelle „Distressed Real Estate Debt“ der Corestate Capital AG und EBS Business School hervor, für die im Sommer dieses Jahres 49 Führungskräfte aus 32 verschiedenen Banken befragt wurden. Dabei wird von 58 Prozent der Befragten der aktuelle Anteil notleidender Immobilienfinanzierungen in Deutschland auf bis zu zehn Prozent der gewerblichen Immobilienfinanzierung geschätzt. Für die nächsten zwei Jahre rechnet die Mehrheit allerdings mit einem deutlichen Anstieg des Anteils. Dies sei auch am Abschlag zu sehen, den die Befragten für die kommenden Jahre erwarten. Laut Studie werde dieser um 20 bis 30 Prozent steigen. Im Moment erwägen allerdings nur 26 Prozent der Befragten für die kommenden 24 Monate den Verkauf notleidender Immobilienfinanzierungen.        
Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt auch die neue Studie von Ernst & Young Real Estate und der Rechtsanwaltskanzlei Kübler, in der 50 deutsche und internationale Marktteilnehmer zum Thema „Distressed Real Estate“ befragt wurden. Mit rund 70 Prozent geht die Mehrheit davon aus, dass die Zahl der Transaktionen im Distressed-Real-Estate-Bereich um zehn bis 50 Prozent steigen wird. „Obwohl der deutsche Markt bisher weitgehend davon verschont geblieben ist, ist Distressed Real Estate kein Nischenthema mehr“, sagte Michael Janetschek, Partner bei Ernst & Young Real Estate. „Als Gründe sehen wir den zunehmenden regulatorischen Druck seitens der Gesetzgeber und eine gleichzeitige, wenn auch langsame Annäherung der Preisvorstellung von Anbietern und Nachfragern“, fügte er hinzu. Eine genaue Prognose über das Transaktionsvolumen scheint den Studienteilnehmern jedoch aufgrund der vielen, aktuell in der Praxis vorgenommenen kurzfristigen Kreditprolongationen schwer zu fallen.  So könne es noch bis 2014 dauern, bis sich der Markt richtig entwickeln kann. 
Aufspaltung der Finanzierungslandschaft
Wie die Ergebnisse der Studie von der Forschungsstelle „Distressed Real Estate Debt“ weiter zeigen, vollzieht sich am deutschen Markt derzeit eine Aufspaltung der Finanzierungslandschaft. „Einige Banken erweitern ihr Neugeschäft auf dem deutschen Markt, wohingegen andere Institute dieses deutlich reduzieren“, sagte James Versmissen, Direktor der Forschungsstelle „Distressed Real Este Debt“ am EBS Real Estate Management Institute. Die meisten Banken erwarten für das laufende Jahr ein Neugeschäft von unter einer Milliarde Euro sowie für 2013 und 2014 zwischen einer und 1,5 Milliarden Euro. Die Finanzierungspräferenz liegt dabei auf Core-Immobilien. Knapp die Hälfte der Befragten bewertet den Spread zwischen Core- und Value-Add-Finanzierungen mit 150 bis 300 Basispunkten. „Es entwickelt sich gerade eine risikoadäquat bepreiste Finanzierungsstruktur. Das ist eine gesunde Entwicklung“, sagte Professor Dr. Nico Rottke, Leiter des Real Estate Management Institute der EBS Universität für Wirtschaft und Recht.  
Laut der Studie wollen Banken in Zukunft bei der Kreditvergabe vorsichtiger vorgehen und ihr Finanzierungsrisiko weiter reduzieren. So wollen beispielsweise mehr als 60 Prozent der Befragten das Volumen einzelner Immobilienfinanzierungen auf 50 Millionen Euro begrenzen. Darüber hinaus beabsichtigen sie den Kapitaldienst ihrer Kreditnehmer zu erhöhen. Der jährliche Kapitaldienst bezogen auf alle Nutzungsarten – ausgenommen Wohnen – befindet sich bei 44 Prozent der Befragten derzeit bei über 6,5 Prozent. Für die nächsten zwei Jahre erwarten diese hier jedoch einen Anstieg. 
portfolio institutionell newsflash 26.09.2012/kbe
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