Pension Management
22. Oktober 2012

Erste Qis für Pensionskassen und Pensionsfonds gestartet

Die Ergebnisse der Studie will Eiopa im Frühjahr 2013 vorlegen. Insgesamt neun Länder nehmen teil, darunter auch Deutschland.

Nach langem Warten ist sie nun endlich da: die erste quantitative Auswirkungsstudie (Qis) für Pensionskassen und Pensionsfonds. Wie die europäische Aufsichtsbehörde für Versicherungswesen und betriebliche Altersversorgung (Eiopa) mitteilte, ist die Qis Mitte Oktober gestartet und läuft bis 17. Dezember. Der dazu gehörige Report soll im Frühjahr 2013 veröffentlicht werden.
Insgesamt neun Länder, in denen leistungsorientierte Pensionspläne am weitesten verbreitet sind, haben sich zur Teilnahme an der Qis bereit erklärt. Dazu gehören neben Deutschland auch Belgien, Frankreich, Großbritannien, Irland, die Niederlande, Norwegen, Portugal und Schweden. Die jeweilige nationale Aufsichtsbehörde ist für die Durchführung in ihrem Land verantwortlich. Wie es hieß, können entweder ausgewählte Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) diese Aufgabe durchführen oder die nationale Aufsichtsbehörde nimmt dies selbst in die Hand und nutzt dafür reale oder aggregierte Daten. Eine weitere Möglichkeit sei, eine Aktuar-Firma damit zu beauftragen. Eiopa selbst ist für die Koordination auf europäischer Ebene zuständig. 
Laut Eiopa soll die Qis die finanziellen Auswirkungen unterschiedlicher Sets an Optionen auf die Bewertung von Bilanzen und die Kalkulation von Kapitalanforderungen quantifizieren. Zudem werde sich die Studie mit der Quantifizierung von Sicherungs- und Leistungsanpassungsmechanismen, die in den verschiedenen Ländern existieren, befassen. Ziel der Studie sei, die Europäische Kommission in ihrem Prozess zur Überprüfung der Richtlinie für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung zu unterstützen.
Eiopa schlägt ganzheitliche Bilanz vor
Die Europäische Kommission hatte sich im April 2011 in Form eines „Call of Advices“ an Eiopa gewandt, um Vorschläge für mögliche Änderungen der Richtlinie für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung zu erhalten. Eine Vorgabe dabei war, die aufsichtsrechtlichen Vorschriften zur Rückstellungsberechnung und zu den Anforderungen an das Solvenzkapital für alle Arten der EbAV europaweit zu harmonisieren. Als mögliches Instrument zur Umsetzung der Vorgaben der EU-Kommission schlägt Eiopa eine sogenannte ganzheitliche Bilanz vor. Darin sollen Verpflichtungen den Mitteln gegenübergestellt werden, die zur Erfüllung der in Aussicht gestellten Leistungen vorhanden sind.
„Ich freue mich, dass wir diesen wichtigen Schritt in der Entwicklung eines neuen europäischen Rahmens für betriebliche Altersversorger nehmen konnten“, sagte Gabriel Bernardino, Chairman der Eiopa. „In unserer Beratung der europäischen Kommission haben wir das ganzheitliche Bilanzkonzept als Weg empfohlen, um die große Bandbreite an Rentensystemen in einem einzelnen Aufsichtsregime zu erfassen. Qis wird es uns erlauben, die Machbarkeit der Implementierung einer ganzheitlichen Bilanz in der Praxis zu erforschen“, fügte er hinzu.
Die Berechnung der Verpflichtungen sowie des Vermögens in der ganzheitlichen Bilanz folgt in vielen Punkten den neuen europäischen Vorgaben für Versicherungsunternehmen (Solvency II). In der Branche der EbAV stößt das auf wenig Gegenliebe. Heribert Karch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (Aba), sagte beispielsweise im Frühjahr dieses Jahres: „Ob die Solvency-II-Regulierung für die Versicherungswirtschaft gut ist, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Auf die betriebliche Altersversorgung passen die quantitativen Anforderungen von Solvency II aber auf keinen Fall.“ Karch begründete seinen Standpunkt unter anderem mit der Einschätzung: „Angesichts der zusätzlichen Sicherungsmechanismen in der zweiten Säule würden Eigenmittelanforderungen à la Solvency II die Betriebsrenten unnötig verteuern.“
Im Gespräch mit portfolio institutionell verteidigte Eiopa-Chairman Bernardino den Standpunkt seiner Behörde: „Wir glauben, dass auch betriebliche Pensionskassen eine stärker risikobasierte Regulierung brauchen. Im Moment machen wir eine Art Reality-Check der Bedürfnisse, die in den Bereich der betrieblichen Pensionskassen gebracht werden.“ Lesen Sie das vollständige Interview mit Gabriel Bernardino in der November-Ausgabe von portfolio institutionell.
    
portfolio institutionell newsflash 22.10.2012/kbe

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