Schwarzer Schwan
8. Dezember 2017

Es müssen nicht immer Perlen sein

Ist die Weihnachtszeit nicht schön? Plötzlich haben sich alle lieb, senden herzerwärmende Grußkarten und verbrennen sich in eisiger Kälte mit Glühwein gemeinsam Finger und Mund. Die Zeit vor dem Fest hat nur einen Makel.

Denn sie wirft immer wieder eine Frage auf: Was, zum Henker, soll ich meinen Liebsten schenken? 
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat sich in diesem Jahr sehr viele Gedanken um dieses heikle Thema gemacht. Das belegt die Liste mit sieben Geschenken, „die das Leben verlängern“ (Link anbei). Die Übersicht ist sicher nicht ganz uneigennützig entstanden. Denn wenn man als Versicherer mit Tipps zu Weihnachten sein Schärflein dazu beitragen kann, dass die eigene Klientel ein wenig länger lebt und Leben-Policen damit später fällig werden, dann ist das eine pfiffige Idee. 
Für den GDV gehören demnach zum Beispiel Laufschuhe auf den Gabentisch. Joggen sei die effektivste Sportart, um das Leben zu verlängern. „Bis zu drei Jahre zusätzlich sind drin für all jene, die regelmäßig zwei Stunden pro Woche laufen“, sagt die Versicherungs-Lobby. Auch eine Packung Kaffee sei ein prima lebensverlängerndes Geschenk. Denn Forscher des Imperial College in London hätten herausgefunden, dass ein moderater Kaffeekonsum von bis zu drei Tassen täglich der Gesundheit zuträglich sein kann, so der GDV. 
Turnschuhe? Kaffee? Gähn! Wem das zu dröge ist, der ist vielleicht mit „erotischen Utensilien“ besser bedient. Für den GDV steht tatsächlich fest: „Ein ausgefülltes Liebesleben erhöht die Lebenszufriedenheit und das wirkt wiederum lebensverlängernd.“ Es müssen also nicht immer Perlen für die Gattin sein, liebe Herren, – beziehungsweise Schmuck, Parfüm und noch mehr Schmuck. 
Die Liste des GDV kann auch als Indikator für die eigene Beliebtheit herangezogen werden. Sollten Sie unter dem Weihnachtsbaum bei den für Sie gedachten Geschenken also weder Turnschuhe, Kaffee noch Sexspielzeug und die ebenfalls vom GDV empfohlenen Saunahandtücher finden, dann könnte das ein Indiz dafür sein, dass Sie an Ihrer Beliebtheit vielleicht noch ein wenig mehr feilen müssen. Dann muss man sich eben selbst beschenken. So wie der Ontario Teachers‘ Pension Plan mit Sitz in Toronto das beispielsweise macht. 
Die 180 Milliarden kanadische Dollar schwere Pensionseinrichtung hat sich kurz vor dem Fest der Feste ein köstliches Geschenk bereitet und das Unternehmen Atlantic Aqua Farms geangelt. Dabei handelt es sich um den größten Züchter lebender Muscheln in Nordamerika. Inspiriert hat die „Lehrer Ontarios“ wahrscheinlich Ursula Andress, als sie in „James Bond jagt Dr. No“ die weibliche Hauptrolle als Muscheltaucherin Honey Ryder „bekleidete“. Andress wurde fortan als „Ursula Undress“ bespöttelt.
Offiziell begründen die Lehrer ihr erstes Investment in Meeresfrüchte nüchtern mit der wachsenden Nachfrage nach Eiweiß: „Aqua-Kulturen sind eine der nachhaltigsten Quellen, um diese Nachfrage zu bedienen“, sagt Andrew Claerhout. Er ist nicht der Weihnachtsmann, sondern Senior Managing Director, Infrastructure and Natural Resources beim Ontario Teachers‘ Pension Plan. Möglicherweise hegt Claerhout die Hoffnung, dass neben dem Eiweiß aus der Muschelzucht auch noch als Equity-Kicker die eine oder andere Perle raus springt und so die Rente der pensionierten Lehrer aufhübscht. 
Dieser Gedanke führt uns zurück zum GDV. Der hat sich auch ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk gemacht und den früheren Vorstandschef der Versicherung Huk-Coburg, Wolfgang Weiler, an seiner Spitze als Chef-Lobbyist installiert. Was wohl der 65-Jährige zu Weihnachten verschenkt? Falls Weiler seine Öffentlichkeitsarbeiter ernst nehmen sollte, gibt’s Turnschuhe, Kaffee, Saunahandtücher – und Sexspielzeug. Dieses Jahr gibt’s also auch für die, die brav waren, die Rute! 

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