Strategien
19. April 2021

ESG-Anlagestrategien können Tail-Risiken reduzieren

GDV-Studie zu Sustainable Finance. Governance ist Faktor mit höchster Materialität.

Sustainable-Finance-Strategien können das Risiko-Rendite-Profil von Kapitalanlagen positiv beeinflussen. Dies belegt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einer neuen Studie. Zur Beurteilung der Ertragseffekte nachhaltiger Kapitalanlagen hat der Verband aktuelle Studien und Metaanalysen ausgewertet sowie Experteninterviews geführt. Metaanalysen fassen vorhandene Forschungsarbeiten quantitativ beziehungsweise statistisch zusammen und liefern einen umfassenden Überblick zum aktuellen Stand der Forschung. Die Studie stellt eine Neuauflage einer Studie von 2018 dar.

Institutionelle Anleger weltweit verpflichten sich zunehmend, ESG-Kriterien zu beachten. Auch die deutschen Versicherer haben kürzlich eine Nachhaltigkeitspositionierung verabschiedet. „Bis 2050 wollen die Unternehmen ihre Kapitalanlagen von derzeit 1,7 Billionen Euro vollständig klimaneutral investieren“, erklärt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV.
Dass die Beachtung von ESG-Aspekten nicht im Widerspruch zu den anderen Kriterien wie den Grundsätzen der Sicherheit, Rentabilität, Liquidität und Qualität stehen muss, bestätigt die aktuelle Studie. „Unsere Auswertung zeigt: Nachhaltige Investments können sich rechnen”, betont Asmussen.

Achtung bei hohem Tracking Error

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie zählt, dass sich die Berücksichtigung von ESG-Kriterien positiv auf das Rendite-Risiko-Profil der Anlageportfolios auswirken kann. Dabei sei die Fokussierung auf materielle Werttreiber entscheidend für den Erfolg: Der Faktor Governance ist derjenige Werttreiber mit dem größten Einfluss. Ihre größte Stärke spielen ESG-Konzepte im Risikomanagement aus. Hier können mit ihrer Hilfe oftmals Extremrisiken (sogenannte  ‚tail-risks‘) besser erkannt werden, da ESG-Analysen zusätzliche Informationen zum systematischen Risiko von Unternehmen, die über reine Finanzkennzahlen hinausgehen, liefern. Desweiteren können deutliche Einschränkung des Anlageuniversums, zum Beispiel durch Negativlisten oder Mehrfachscreenings, bei zunehmender Portfoliokonzentration oder erhöhtem Tracking Error zu negativen Ertrags- und Risikoeffekten führen.

Reduktion physischer Risiken

Durch die Integration von ESG-Kriterien können physische Risiken (zum Beispiel Schäden an Gebäuden, Infrastruktur) sowie Transitionsrisiken (z. B. Regulierungsänderungen) reduziert werden. Diese Risiken sind nicht-linear und können bei einer nicht angemessenen Berücksichtigung große Belastungen darstellen. Die dargestellten Erkenntnisse zeigen, so der GDV, dass es aus Sicht eines Versicherers nicht nur aufgrund regulatorischer Anforderungen oder der Erwartungshaltung externer Stakeholder sinnvoll ist, sich mit der Integration von ESG-Konzepten in der Kapitalanlage und im Risikomanagement auseinanderzusetzen. Vielmehr sprechen laut Studie auch finanzrationale Gründe dafür.

Dessen ungeachtet blieben wesentliche Renditetreiber nachhaltiger Investments weiterhin noch nicht ausreichend erforscht: Hohe Korrelationen zwischen ESG-Kriterien und dem Portfolioertrag sind kein Beweis für Kausalitäten bzw. Ursachen- und Wirkungszusammenhänge, so die Studie des GDV. Die Kosten der Implementierung und laufenden ESG-Analyse würden in den ausgewerteten Studien häufig nicht explizit berücksichtigt. Es fehlten zudem noch tiefergehende wissenschaftliche Studien, die sich mit den materiellen Werttreibern von nachhaltigen Investments beschäftigen und den Einfluss auf den langfristigen Ertrag hinreichend deutlich erklären.

Angebot bei Green Bonds erhöhen

Zudem weisen weisen Green Bonds bei Emission für Investoren eine leicht geringere Rendite auf als Anleihen gleicher Laufzeit und Bonität. Zudem ist die Liquidität geringer.

„Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig es ist, nun den Markt für Grüne Anleihen entschlossen zu entwickeln und das Angebot zu erhöhen”, so Asmussen. Nur rund vier Prozent der jährlich neu emittierten Anleihen sind grün. „Vor dem Hintergrund begrüßen wir die Arbeiten der EU-Kommission an einheitlichen Green Bonds-Standards“, sagt der GDV-Hauptgeschäftsführer. Ein konkreter Vorschlag wird zusammen mit der neuen Sustainable Finance-Strategie der EU-Kommission im Juni erwartet.

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