Strategien
17. Juni 2022

ESG-Engagements mit starkem Wachstum

Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment: 83 Prozent der institutionellen Anleger berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien. 52 Prozent suchen aktiven Dialog mit Unternehmen.

Unter institutionellen Anlegern in Deutschland wächst das Engagement für Nachhaltigkeit – und das aus Überzeugung. So suchen immer mehr institutionelle Investoren in Sachen ESG den aktiven Dialog mit den Unternehmen. Zudem wird Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage ernst genommen: Nach einer aktuellen Studie von Union Investment berücksichtigen 83 Prozent (Vorjahr: 78 Prozent) der institutionellen Investoren Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der jährlichen Investorenbefragung von Union Investment im Jahr 2010.

Engagements zu ESG-Themen wachsen um 15 Prozentpunkte

Ebenso wie die Zahl der von nachhaltigen Investments überzeugten Großanleger ist auch die Zahl derer gestiegen, die sich als aktive Aktionäre für Nachhaltigkeit engagieren. Mehr als die Hälfte der Großanleger (52 Prozent) gibt an, einen aktiven Dialog zu ESG-Fragen mit den Emittenten ihrer Anlagen zu führen. Das bedeutet eine Steigerung um 15 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. „Immer mehr Investoren wirken aktiv auf Unternehmen ein, damit diese nachhaltiger agieren. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Wirtschaft“, betont André Haagmann, Vorstand von Union Investment mit Zuständigkeit für institutionelle Kunden.

Mit der zunehmenden Verbreitung nachhaltiger Investments geht bei den Investoren auch ein Wandel der Einstellung einher. Erstmals ist der am häufigsten genannte Grund für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien die eigene Überzeugung (21 Prozent). Die Nachhaltigkeitsaktivitäten sind somit häufiger intrinsisch als durch regulatorische Anforderungen (14 Prozent) motiviert. Im Vorjahr war dagegen noch die Regulierung das wichtigste Motiv. „Bei den Investoren findet ein Sinneswandel statt. Nachhaltigkeit ist für sie nicht länger eine Pflichtübung, sondern unverzichtbarer Bestandteil der Kapitalanlage“, sagt Haagmann.

89 Prozent sehen Atomkraft als nicht nachhaltig an

In Bezug auf die Regulierung haben auch professionelle Anleger Union Investment zufolge noch Informationslücken und einen sehr unterschiedlichen Kenntnisstand. Wenig Unterschiede gibt es allerdings in Hinblick auf die Atomkraft, die 89 Prozent der Befragten als nicht nachhaltig einstufen.

Für die Untersuchung wurden von Januar bis April 2022 insgesamt 203 institutionelle Investoren in Deutschland befragt, die zusammen ein Vermögen von rund fünf Billionen Euro verwalten. Zu den Befragten zählten Versicherungen (Anteil: 12 Prozent), Großunternehmen (17 Prozent), Altersversorger/Pensionskassen (14 Prozent), Stiftungen/Kirchen (17 Prozent), Kreditinstitute (21 Prozent) und Kapitalverwaltungsgesellschaften (19 Prozent).

Nachhaltigkeit ermöglicht bessere Renditenentwicklung

Positive Erfahrungen in der Praxis dürften laut Union Investment wesentlich dazu beigetragen haben, Investoren von nachhaltigen Kapitalanlagen zu überzeugen. Mehrheitlich bescheinigen die befragten Großanleger, die nachhaltig und konventionell investieren, dem nachhaltigen Portfolio eine ähnliche und sogar bessere Renditeentwicklung (69 Prozent). Lediglich fünf Prozent sehen das nachhaltige Portfolio im Hintertreffen. Ähnlich gelagert sind die Erfahrungen in Bezug auf das Risiko: 68 Prozent der Investoren stufen das nachhaltige Portfolio als ebenbürtig oder besser ein, während sechs Prozent die entgegengesetzte Meinung vertreten.

60 Prozent stellen Nachhaltigkeitswirkung an erste Stelle

Zudem hat für 60 Prozent der Befragten die Nachhaltigkeitswirkung höchste Priorität. Nur für 40 Prozent der Großanleger steht bei der Bewertung nachhaltiger Kapitalanlagen die Rendite an erster Stelle. „Viele Investoren haben die Erfahrung gemacht, dass sich Nachhaltigkeit positiv auf Risikomanagement und Rendite auswirken kann. Daher richten sie den Blick nun verstärkt auf die Wirkung ihrer Anlagen“, erläutert Haagmann.

Nachholbedarf bei Regulierungsthemen

Obwohl die Großanleger in diesem Jahr als Beweggrund für ihre nachhaltigen Investments am häufigsten die eigene Überzeugung ins Feld führen, ist die Regulierung nach wie vor ein wesentlicher Impuls für sie, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Allerdings zeigen die Befragungsergebnisse, dass bei Regulierungsthemen noch Informationslücken zu schließen sind. Bislang kennt nur knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) die sogenannte EU-Offenlegungsverordnung (Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor). Allerdings geben 40 Prozent an, diese Verordnung bereits genau zu kennen. Über rudimentäre Kenntnisse verfügen eigenen Angaben zufolge neun Prozent.

Zufriedenheit mit Markt

Die insgesamt im Markt angebotenen Produkte und Lösungen beurteilt eine Mehrheit der Befragten (58 Prozent) als hilfreich. Das ist ein Plus von sieben Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreswert. Daher überrascht auch die hohe Zufriedenheit mit nachhaltigen Investments nicht: Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) sind mit den nachhaltigen Kapitalanlagen in ihrem Verantwortungsbereich zufrieden beziehungsweise sehr zufrieden. Gleichzeitig können sich nur sieben Prozent vorstellen, aus nachhaltigen Kapitalanlagen wieder auszusteigen.

 Die Großanleger sind trotz der hohen Verbreitung nachhaltiger Kapitalanlagen weiterhin optimistisch in Hinblick auf die zukünftige Marktentwicklung. So erwarten 85 Prozent, dass das Volumen nachhaltiger Kapitalanlagen in den nächsten zwölf Monaten weiter wachsen wird.

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