Versicherungen
23. August 2021

ESG-Kriterien für Versicherer immer relevanter

Regulierung und gesellschaftliche Bedeutung wesentliche Motive. Ausschlüsse dominieren.

Für jede fünfte Versicherung haben ESG-Kriterien bei Investmententscheidungen eine sehr hohe Bedeutung. Das sind mehr als doppelt so viele Versicherungen wie noch vor einem Jahr. Dagegen liegt der Anteil der Versicherungen, für die ESG-Kriterien von hoher Bedeutung sind im Jahresvergleich relativ konstant bei etwa 30 Prozent. Diese Statistik präsentiert Assekurata. An der Online-Umfrage der Agentur nahmen von Mitte April bis Mitte Mai 34 Kapitalanleger von Versicherungen teil.

Die gewachsene Aufgeschlossenheit gegenüber nachhaltigen Kapitalanlagen führt Assekurata unter anderem auf die Transparenz-Verordnung zurück. Diese ist am 10. März 2021 in Kraft getreten. Dabei handelt es sich konkret um die EU-Verordnung (EU) 2019/2088, welche die Offenlegungspflichten von Produktgebern und Finanzberatern bezüglich ihrer Nachhaltigkeit in Strategien, bei Prozessen und in ihren Produkten regelt. Lebensversicherer sind aufgrund ihrer Produktpalette von diesen regulatorischen Anforderungen unmittelbar betroffen.

Jenseits der Transparenzverordnung stellen die steigenden regulatorischen Anforderungen auch spartenübergreifend eine hohe Motivation dar, bei Investmententscheidungen verstärkt auf ESG-Kriterien zu achten. In unserer Befragung gaben dies fast alle Teilnehmer an, wobei fast 40 Prozent hieraus sogar eine sehr hohe Motivation ziehen. Ähnlich viele Asset Manager berücksichtigen ESG-Kriterien auch aufgrund der gesellschaftlichen Bedeutung des Themas. Die drittwichtigste Motivation ist der Wunsch bzw. die Nachfrage von Kunden.

Weniger häufig nannten die Versicherer die Umsetzung der Unternehmensstrategie und die Verbesserung der eigenen Reputation. Weitere Motive lagen zudem in der Verbesserung des Risikomanagements sowie in der Aussicht auf höhere Performance.

Die Asset Manager, die ESG-Kriterien in der Kapitalanlage berücksichtigen, wurden ergänzend danach gefragt, wie viel Prozent sie in den für die Neuanlage relevanten Segmenten tatsächlich nachhaltig anlegen. Die Spannbreite der Antworten lag für fast jedes Anlagesegment zwischen 0 und 100 Prozent und zeigt, wie unterschiedlich die Versicherer investieren. Dennoch lag der Mittelwert der Antworten über alle Segmente hinweg recht stabil zwischen 58 Prozent und 68 Prozent.

Ausschlüsse dominieren Positivkriterien

Für die Berücksichtigung von ESG-Kriterien in der Kapitalanlage gibt es verschiedene Verfahren. Fast alle Teilnehmer greifen hier auf Ausschlusskriterien zurück. Einen Fokus auf die positive Nachhaltigkeitswirkung von Investmentobjekten erlauben die Instrumente Positivkriterien, Best-in-Class oder Impact Investing. Die Assekurata-Umfrage zeigt jedoch, dass diese zurzeit noch weniger stark vertreten sind. Die entsprechenden Werte kommen auf etwa 40, 30 beziehungsweise 20 Prozent. 42 Prozent der Befragten gaben darüber hinaus an, Active Ownership beziehungsweise Engagement zu betreiben.

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