Alternative Anlagen
19. August 2016

ESG und Alternatives-Manager freunden sich an

Immer mehr Hedgefonds zeigen Interesse an ESG-Themen. Es besteht aber noch sehr viel Luft nach oben. Private Equity ist schon einen Schritt weiter.

Nachhaltigkeit ist bei europäischen Großinvestoren längst kein Nischenthema mehr. Im Gegenteil, wie eine um Juli veröffentlichte Studie von Union Investment zeigt, für die 803 institutionelle Investoren mit einem Vermögen von insgesamt knapp acht Billionen Euro aus zehn ausgewählten europäischen Ländern befragt wurde. Laut dieser berücksichtigen im Schnitt 63 Prozent Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen. Als Anlageklasse mit der größten Nachhaltigkeitswirkung werden länderübergreifend Aktien eingeschätzt (55 Prozent), gefolgt von alternativen Investments (45 Prozent). Doch gerade im Bereich der alternativen Anlagen gibt es noch jede Menge Nachholbedarf. Insbesondere Hedgefonds-Manager tun sich noch recht schwer beim Thema Nachhaltigkeit. Das bestätigt eine kürzlich veröffentliche Umfrage von Unigestion.
Genau wie Union Investment zählt Unigestion zu den Signatoren der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Grundsätze für verantwortungsbewusstes Investieren (UN PRI). Nach eigenem Bekunden werden ökologische, soziale und Corporate-Governance-Kriterien (ESG) bei allen Direktanlagen berücksichtigt. Darüber hinaus investieren die Schweizer jedoch auch in Fonds externer Manager, unter anderem im Hedgefonds- und Private-Equity-Segment. Um sich ein besseres Bild über deren ESG-Strategien zu verschaffen, führt Unigestion regelmäßig Befragungen seiner Manager durch.
Die Ergebnisse der jüngsten Befragung wurden Ende Juli veröffentlicht. Dabei zeigt sich: Mit 53 Prozent hat knapp die Hälfte der 30 befragten Hedgefonds-Manager mit ESG nichts am Hut. Das ist im Vergleich zur Vorjahresbefragung eine leichte Verbesserung. Damals waren es noch 60 Prozent, die ESG-Kriterien in ihren Prozessen partout ablehnten. In der ersten Befragung aus dem Jahr 2011 lag der Anteil der Manager mit ablehnender Haltung bei 75 Prozent.
Nur ein Marketing-Tool
Wie die Umfrage weiter zeigt, haben die meisten der befragten Hedgefonds-Manager die UN PRI bewusst nicht unterzeichnet. Nur 20 Prozent haben sich bislang zu diesem Schritt entschlossen. Allerdings: In der Vorjahresbefragung waren es nur 13 Prozent. Der Anteil nimmt also allmählich zu. Laut Unigestion sind es vor allem die größeren Adressen mit Assets under Management von zehn Milliarden Dollar oder mehr, die sich zur den PRI bekennen. So haben 44 Prozent der großen Manager die Prinzipien unterzeichnet. Gefragt nach den Motiven für eine mögliche Unterzeichnung, nannte einer der befragten Hedgefonds-Manager Marketing-Zwecke.
Doch nicht nur hinsichtlich der Größe offenbaren sich deutliche Unterschiede zwischen den Hedgefonds-Managern, sondern auch beim Typ. Schlusslichter sind Manager, die dem Tactical Trading zuzuordnen sind (Commodities, Managed Futures und Global Macro). Von ihnen setzen nur acht Prozent eine ESG-Strategie um. Zur Begründung wurde auf die Natur der Strategie verwiesen. Anders sieht es bei Arbitrage-Managern aus, von denen 67 Prozent ESG-Kriterien berücksichtigen. Die sind die klaren Spitzenreiter.
Deutlich fortschrittlicher als Hedgefonds sind Private-Equity-Manager, wenn es um die Integration von ESG-Kriterien in den Anlageprozess geht. Dies geht aus dem zweiten Teil der Unigestion-Umfrage hervor, an der sich etwa 67 Private-Equity-Manager beteiligt haben. Von diesen haben lediglich 21 Prozent nichts mit ESG am Hut. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 27 Prozent. Auch hier zeigen sich jedoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Häusern – je nach Standort und Strategie. Während beispielsweise europäische Private-Equity-Manager zu 95 Prozent Interesse an ESG-Themen zeigen, sind es unter den US-Adressen nur 52 Prozent. Außerdem sind Buyout-Manager weiter als Venture-Capital- und Growth-Manager.
Trotz der Verbesserungen, die sich in der diesjährigen Umfrage gegenüber 2014 zeigen, erklärt Eric Cockshutt, der für Responsible Investment zuständige Koordinator bei Unigestion: „Wir sehen immer noch zu viele Hedgefonds- und Private-Equity-Manager, die ESG als Kostenbelastung, als unvereinbar mit ihrer Strategie oder als bloße Marketingübung abweisen.“ Er hofft, dass sich diese Einstellung ändert und die Erkenntnis reift, dass „die ESG-Adoption sowohl machbar als auch vorteilhaft ist für die Kunden und die Reputation des Gesamtunternehmens“. Um das Thema Nachhaltigkeit in der Alternative-Branche voranzubringen, beteiligt sich Unigestion an einer Arbeitsgruppe der PRI, die zur Erstellung eines standardisierten Due-Diligence-Fragebogens zum Thema ESG für Hedgefonds gegründet wurde.
portfolio institutionell newsflash 19.08.2016/Kerstin Bendix

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