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19. Dezember 2025

Resilienz rückt in den Mittelpunkt

Worauf kommt es jetzt (noch) an? Auf der einen Seite ist unübersehbar, dass Sustainable Finance auch in Europa mehr und mehr an Bedeutung verliert und das Momentum von Transition Finance gebremst wird. Auf der anderen Seite ist belegt, dass sich der Klimawandel beschleunigt und die Erde nach dem Bericht der Vereinten Nationen bis zum Ende des Jahrhunderts auf
2,8 Grad Erwärmung zusteuert. Zunehmend extreme Wetterereignisse führen zu häufigeren und höheren Schäden. Eine Studie der Bundesregierung hat im Januar 2023 die möglichen Schäden aus Extremwetterereignissen für Deutschland bis zum Jahr 2050 auf 900 Milliarden Euro geschätzt.

Zudem erkennt der Bundesnachrichtendienst dieses Jahr den Klimawandel als eines der Top-5-Sicherheitsrisiken an: „So setzen die Folgen des Klimawandels Staaten zunehmend unter (…) Druck, der (…) auch geopolitische Dimensionen erreicht.“ Der Klimawandel verschiebt Risikoprofile und Exponierungsprofile über Regionen hinweg.

Damit rücken Resilienz- und Anpassungsfinanzierungen als neue Narrative in den Mittelpunkt, Letzteres besonders deutlich bei der COP im November 2025 in Brasilien. Auch hier hat sich die Debatte sichtbar Richtung Resilienz verschoben – unter anderem mit dem politischen Auftrag, die Anpassungsfinanzierung bis 2035 mindestens zu verdreifachen.

Wie passen wir uns an – als Gesellschaft, mit unseren Geschäftsmodellen und im Portfolio? Klimarisiken sind Finanzrisiken. Resilienz und Anpassungsfähigkeit sind entscheidend, um wirtschaftliche Verluste zu begrenzen. Und so wird Versicherbarkeit zur Standortfrage, Klimarisiken zur Finanzierungsfrage und Dekarbonisierung zur Haftungsfrage.

Kohlenstoffmärkte entwickeln sich weiter, Stichworte sind EU ETS (Emission Trading System) und Carbon Credits. Öffentlich-private Kooperationsmodelle – also Public Private Partnerships – sind alter Wein in neuen Schläuchen ungeahnter Ausmaße. Unternehmen und Investoren, die Anpassungsmaßnahmen in die Strategie integrieren, über resiliente Lieferketten, klimaresistente Infrastruktur und diversifizierte Beschaffungsmodelle, werden die Nase vorn haben. Unternehmen und Investoren, die Resilienz heute nicht in Cashflows, Capex und Diskontsätze übersetzen, werden dafür morgen mit Haircuts, Spread-Widening und Abschreibungsrisiken bezahlen.

Wiebke Merbeth, Partnerin Resilience & Adaptation Finance, Deloitte Monitor

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