Risiko Wasserknappheit früh erkennen
Dürren, Ernteausfälle, Waldbrände, unbefahrbare Flüsse – dieser Sommer war extrem. Und solche Extreme könnten künftig zur neuen Normalität werden.
Beispiel Wasserknappheit: War diese bislang vor allem ein Problem in Südspanien oder Nordafrika, ist nun auch zunehmend Mitteleuropa mit den Folgen ausbleibender Regenfälle und sinkender Grundwasserpegel konfrontiert.
Sauberes Wasser ist neben fruchtbaren Böden, natürlichen Rohstoffen, sauberer Luft oder Naturkatastrophen-Schutz eine der zentralen Leistungen intakter Ökosysteme. Doch fortschreitende Naturzerstörung und Klimawandel bedrohen die biologische Vielfalt unseres Planeten – die Basis dieser kostenlosen Ökosystemdienstleistungen. Je stärker die Biodiversität schwindet, desto größer werden die Risiken für Unternehmen.
Auch an den Finanzmärkten wächst das Bewusstsein, dass die Bedeutung von Naturrisiken weit über Regulatorik, freiwilliges Reporting oder Reputationsfragen hinausgeht und dass der Verlust von Natur die physische Geschäftsgrundlage vieler Unternehmen gefährdet. Wasserknappheit ist dabei ein branchenübergreifendes Risiko – von Energieversorgern über Chiphersteller und Bergbaufirmen bis hin zu Schifffahrts- und Agrarunternehmen.
Doch wie können Investoren die finanziellen Folgen zunehmender Naturrisiken wie Wasserknappheit messen und in der Anlage berücksichtigen? MSCI hat auf Basis empirischer Daten ein Modell entwickelt, um die finanziellen Folgen von Wasserknappheit abzuschätzen. Die MSCI Nature Financial Risk Metrics berücksichtigen sowohl branchenspezifische Risikofaktoren als auch standortbezogene Bedingungen. Denn für die Risikoabschätzung ist entscheidend, in welchen Geschäftsfeldern und Regionen ein Unternehmen operiert. Eine MSCI-Analyse eines Portfolios von über 9.500 Emittenten börsennotierter Aktien und Anleihen verdeutlicht die finanzielle Bedeutung von Wasserrisiken: Wasserknappheit verursacht demnach jährliche Kosten von 485 Milliarden US-Dollar.
Dabei können Risiken bisweilen unterschätzt werden, wenn Investoren lediglich die direkte Geschäftstätigkeit eines Unternehmens betrachten. Risiken finden sich jedoch auch in den Lieferketten vieler Firmen. Die Analyse zeigt, dass für die Unternehmen dadurch zusätzliche Kosten von 158 Milliarden US-Dollar entstehen könnten. Mit den MSCI Nature Financial Risk Metrics können Investoren solch leicht zu übersehende finanzielle Folgen rechtzeitig erkennen – bevor der nächste Dürresommer vor der Tür steht.
Arne Philipp Klug, Nature Metrics Lead, MSCI Sustainability & Climate Research
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