Strategien
24. Februar 2014

Europäer sind smarter als Nordamerikaner

Alternative Beta-Strategien werden von einer Reihe institutioneller Investoren – allen voran europäische Pensionseinrichtungen – bereits rege genutzt. Dies zeigt eine Studie von State Street. Für die Mehrheit ist es eine Alternative zu aktivem Management.

Aktiv oder passiv? Das ist längst nicht mehr die alleinige Frage, die sich Investoren bei der Konstruktion ihrer Portfolien stellen. Als Zwitter zwischen diesen beiden Welten kommen immer häufiger Smart-Beta-Strategien zum Einsatz. Wie eine Umfrage von State Street Global Advisors unter 300 institutionellen Investoren aus Nordamerika und Europa zeigt, nutzen 42 Prozent der Befragten bereits alternative Beta-Strategien. Weitere 24 Prozent haben entsprechende Investments in Planung. Lediglich 17 Prozent äußerten sich skeptisch.
Geht man ein Stück tiefer in die Zahlen, fällt auf, dass die Europäer ihren nordamerikanischen Kollegen bei diesem Thema voraus sind. Während fast ein Drittel der europäischen Investoren angibt, dass 20 Prozent oder mehr ihrer Aktieninvestments aus Smart-Beta-Strategien bestehen, sind es in Nordamerika nur vier Prozent. Auch beim Wissensstand offenbaren sich Unterschiede. So antworten sieben von zehn Europäern, ein ausgeprägtes Bewusstsein für Smart Beta als Investmentkonzept zu haben. In Nordamerika ist es nur etwa jeder Zweite.
Unterschiede zeigen sich nicht nur zwischen den Regionen, sondern auch zwischen den Investorengruppen. Die Altersvorsorgeeinrichtungen scheinen Stiftungen in diesem Punkt deutlich voraus zu sein. So gibt die Mehrheit der befragten Pensionsfonds an, über einen hohen Wissensstand zu verfügen. Dagegen sind Stiftungen eigenen Angaben zufolge nur wenig mit dem Thema vertraut. Als besonders aktiv sticht im Übrigen der holländische Pensionsfonds PGGM hervor, der 40 Prozent seiner Investments bereits in sogenannten beta-effizienten Strategien umsetzen soll. Aber auch bei deutschen und belgischen Pensionsfonds sind laut State Street Global Advisors bereits solche Strategien im Einsatz. Ein Beispiel ist die BASF. Im Interview mit dem Magazin „allocate“ von Universal-Investment sagte Dr. Gerhard Ebinger, der die betriebliche Altersvorsorge der BASF verantwortet, dass er seit längerem Smart-Beta-Ansätze bei Aktien und Renten attraktiv findet. Diese hätten sich sehr positiv auf das Gesamtportfolio ausgewirkt. Die alternativen Beta-Strategien kommen also nicht nur bei Aktien zum Einsatz. Das bestätigt sich auch in der State-Street-Umfrage. Immerhin 56 Prozent interessieren sich für einen Zugang zu entsprechenden Fixed-Income-Strategien.
Smart Beta: eine Alternative zu aktivem Management
Wie aus der State-Street-Umfrage weiter hervorgeht, werden alternative Beta-Strategien nicht nur als Ersatz für traditionelle Indexstrategien gesehen. Zwei Drittel sehen dies als Alternative zu aktivem Management. „Unser Job ist es, ständig die besten Manager auszuwählen und zu wissen, wann man sie feuert und ersetzt. Ich hoffe, dass uns das gelingt. Aber es gibt womöglich eine günstigere und bessere Alternative, um dieselben Resultate mit weniger Arbeit zu erhalten. Wenn man sich einige der Advanced-Beta-Fonds anschaut und die relative Fee-Differenz berechnet, stellt man fest, dass man mehrere hundert Basispunkte bei der Managerselektion braucht, um diese zu schlagen“, so Austin Cooley von der Fire and Police Pension Association of Colorado in einem der Einzelinterviews, die begleitend zur Studie durchgeführt wurden. Die beliebtesten Ansätze sind laut Studie Low Valuation und Low Volatility. Weniger populär sind Momentum, Quality und Multi Factor. Das könnte sich aber bald ändern. 65 Prozent geben an, künftig Multi-Faktoren-Strategien nutzen zu wollen.
Bei der Auswahl der Asset Manager spielen für die Investoren die Gebühren nur eine untergeodrnete Rolle. In erster Linie schauen sie auf die historische Performance. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, ob der Asset Manager einzigartige Smart-Beta-Strategien anbietet. „Wir suchen nicht nach dem ‚me-too‘ Player, der nur in den Markt einsteigt und ein Low-Volatility-Produkt anbietet, weil es die Leute verlangen. Wir wollen Kernkonzepte von advanced Beta, um wirklich in die Philosophie und Kultur der Organisation, die dies betreiben, eingebettet zu werden“, erklärte beispielsweise Austin Cooley von der Fire and Police Pension Association of Colorado.
Zu guter Letzt hat die Studie nach den Hürden gefragt, die Investoren vor Investments in alternative Beta-Strategien zurückschrecken lässt. Größtes Hindernis ist für viele der Befragten die Tatsache, dass die Strategien noch relativ jung sind und damit keinen Bestand über verschiedene Marktzyklen aufweisen können. Neben dem Fehlen von Track Records wurden außerdem Schwierigkeiten bei der Benchmarking-Performance und Wissenslücken als Hindernis genannt.
portfolio institutionell newsflash 24.02.2014/Kerstin Bendix

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