Versicherungen
24. November 2021

Provinzial und Huk-Coburg stocken Alternatives auf

Im Rahmen der Faros-Konferenz gaben Führungskräfte von Provinzial und Huk-Coburg Einblick in ihre Anlagestrategien. Die Beitragseinnahmen ihrer Versicherungsgruppen fließen künftig vermehrt in Alternatives.

Der Asset Manager der im vergangenen Jahr fusionierten öffentlich-rechtlichen Versicherungen Provinzial Nordwest und Provinzial Rheinland, die Provinzial Asset Management, befindet sich derzeit im Prozess der Umsetzung der Asset Allocation für den neuen Gesamtkonzern. Nach Angaben von Christian Schick, Geschäftsführer der Provinzial Asset Management, haben die beiden Versicherungsgruppen vor ihrem Zusammenschluss unter dem Dach der Provinzial Holding relativ unterschiedliche Anlagestrategien verfolgt.

100 Mitarbeiter steuern 50 Milliarden Euro

In der neuen Asset-Management-Tochtergesellschaft des zusammengelegten Provinzial-Konzerns steuern nun rund 100 Mitarbeiter Assets im Wert von rund 50 Milliarden Euro. Im Rahmen des Faros Institutional Investors Forums der Beratungsgesellschaft Faros erläuterte Schick nun die Anlagepläne und das Zusammenspiel beider Häuser. „Wir waren zwei Asset Manager mit relativ unterschiedlichen Anlagestrategien. Die einen haben den Fokus auf ‚passiv‘ gelegt, die anderen auf ‚aktiv‘“, sagte Schick. „Wir sind gerade dabei, im Rahmen der neuen Strategischen Asset-Allokation eine gemeinsame Strategie umzusetzen.“

Barbell-Strategie mit Alternatives

Christian Schick und sein Team verfolgen eine Art „Barbell-Strategie“. Der Begriff stammt aus dem Portfoliomanagement für Zinsanlagen. Portfoliomanager investieren dabei einerseits in Anleihen mit kurzer Restlaufzeit sowie in Anleihen im langen Laufzeitenbereich. Dadurch erhöht sich die Konvexität im Portfolio bei gleicher Duration.

Bei Provinzial Asset Management sieht die Barbell- oder auch Hantel-Strategie anders aus. Künftig wird die Provinzial Asset Management folgendermaßen investiert sein: Am risikoarmen Ende wird sie Anleihen halten. Hier greift sie auf den vorhandenen Bestand zurück. Die Anleiheposition sei von der Verbindlichkeitsseite getrieben, also von den Verpflichtungen aus den Versicherungsverträgen.

Unternehmensanleihen müssen weichen

Während der Bestand an risikoarmen Anleihen offenbar unangetastet bleibt, will Schick aus dem Bestand der Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich „relativ viel herausnehmen“. Am anderen Ende des Risiko-Return-Spektrums, bei Aktien und illiquiden Alternatives, Private Equity, Private Debt, „werden wir sehr deutlich aufbauen“, ergänzte er.

Die Töchter der neuen Versicherungs-Holding vertreiben neben Lebensversicherungsverträgen auch Sach- und Schadenversicherungen. Die damit verbundenen Verpflichtungen der Unternehmen sind also unterschiedlicher Art. Das spiegelt sich in ihrer Kapitalanlage wider. „Der Liability-driven-Aspekt spielt natürlich für die Schadenversicherer nur eine untergeordnete Rolle“, so Schick. Wobei man das nicht pauschal sagen könne. „Denn bei einem der Schadenversicherer liegen die Pensionsrückstellungen. In diesem Fall ziehen wir die Passivseite stärker ins Kalkül als üblicherweise“, ergänzte der Geschäftsführer der Provinzial Asset Management ohne hier näher ins Detail zu gehen.

Auch das Huk-Coburg-Portfolio leitet sich aus Verpflichtungen ab

Im Rahmen der Faros-Konferenz gab auch Thomas Sehn, Vorstandsmitglied der Huk-Coburg-Versicherungsgruppe, einen Einblick in die Anlagepläne seiner Gesellschaft. Sehn verantwortet seit Jahresbeginn bei der Huk-Coburg die Ressorts Controlling, Immobilien, Kapitalanlagen, Rechnungswesen und Steuern. Zuvor war er Geschäftsführer des Asset Managements der Huk-Coburg. „Unser Portfolio ist etwa 40 Milliarden Euro groß. Als Versicherungsgruppe sind wir nicht – wie viele andere deutsche Versicherungen – von der Lebensversicherung geprägt. Wir sind eher schaden- und unfallversicherungsgetrieben“, sagte Sehn in Frankfurt.

Die Struktur des Versicherungsgeschäfts hat auch bei der Huk-Coburg Auswirkungen auf die Kapitalanlagestruktur. Knapp die Hälfte des Anlageportfolios geht auf die Schaden- und Unfallversicherung zurück. „Damit sind wir sozusagen anderen Liability-Treibern ausgesetzt als die typischen Versicherungsgruppen in Deutschland“, kommentierte Sehn. „Wir haben also kein Übergewicht in Nominalwert-orientierten Sparten wie Lebens- und Krankenversicherungen, sondern sind auch sehr stark in den realwertorientierten Sparten aktiv.“

Insofern ist das aktuell von Ökonomen und Großanlegern debattierte Thema Inflation auch für Sehn von Brisanz. „Schaden- und Unfallversicherungen enthalten überwiegend Neuwertentschädigungsklauseln“, erläuterte der Anlagespezialist mit Blick auf Gebäudeversicherungen. „Auch in der Autoversicherung, die wir zu einem großen Teil im Portfolio haben, ersetzen wir den jeweiligen Schaden, der zu jeweiligen Preisen entsteht. Es sei denn, der Restwert des Autos ist kleiner. Das heißt, die Inflation ist für uns an der Stelle ein großes Thema.“ Bei der Huk-Coburg erwarten sie „ein gegenüber der Vor-Coronazeit strukturell erhöhtes Inflationsniveau“, betonte Sehn.

Zinsverfall ist zu Ende

Die Zusammensetzung des Anlageportfolio der Coburger hat sich in den vergangenen drei Jahren verändert. Grund dafür sind die niedrigen Renditen auf bonitätsstarke festverzinsliche Anlagen. „Wir haben 2018 für uns die Erwartung entwickelt, dass der Zinsrückgang, den wir über viele Jahre gesehen haben, wohl zu einem Ende gekommen sein könnte. Das hat zwar nicht auf den Punkt gestimmt. Aber wir glauben immer noch, dass das der Fall ist“, erläuterte Sehn.

Bei der Huk-Coburg haben sie den „Pfad, dass die Zinsen weiter sinken und sehr negativ werden“, ausgeschlossen. Vor diesem Hintergrund hat die Versicherungsgruppe Zinstitel, also jenen Portfolioteil, der bei Versicherern eine große Rolle spielt, als „relativ unattraktiv eingestuft. Deswegen haben wir damals begonnen, unsere Zinsposition herunterzufahren und unsere Sachwertinvestitionen zu verstärken“, erläuterte Sehn.

Neben Aktien und Immobilien betrifft das alle relevanten Private Assets. „Wir haben also reallokiert von Nominal- zu Sachwerten und von Public zu Private Assets. Und wir werden das auch weiter fortsetzen.“

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