Traditionelle Anlagen
30. März 2021

Fast 300 Prozent: Franziskaner sind erfolgreiche Anleger

Franziskaner und Ampega diskutieren Terrassisi-Fonds. Ausschlüsse kosten Rendite, aber nicht Reputation.

Kostet Nachhaltigkeit Rendite? – dies war jahrelang die Gretchenfrage von Treuhändern. Abschließend zu beantworten ist diese Frage zwar nicht, eine Vielzahl von Studien weist jedoch darauf hin, dass Nachhaltigkeit zumindest keine Rendite kostet. Unter anderem zu diesem Aspekt gaben Sebastian Riefe, Senior Portfolio Manager bei Ampega Asset Management, und Harald Brockmann, Direktor für ethisch-nachhaltige Geldanlage der Missionszentrale der Franziskaner, in einem von Scope moderierten Webinar interessante Einblicke.

Vorgestellt wurde der Nachhaltigkeitsfonds Terrassisi Aktien, der im Jahr 2009 das Licht der Welt erblickte – und seitdem mit 277 Prozent performte und damit deutlich stärker zulegte als globale Large-Cap-Aktien. Dabei liefert der Fonds, wie Harald Brockmann betonte, nicht das erste Zeugnis darüber, dass Franziskaner über ökonomischen Sachverstand verfügen. Vor 500 Jahren war es nämlich ein Franziskaner-Mönch, der die doppelte Buchführung gebar, während seine Mitbrüder die ersten Pfandleihhäuser betrieben.

Der erste Grund aber, in den Fonds zu investieren, ist für Brockmann dessen Performance. Zudem spricht für Brockmann für diesen Fonds, dass man bei der Geldanlage eigenen Überzeugungen folgen können muss und der Fonds hilft, Reputationsrisiken zu reduzieren. Anstoß für den Fonds war, dass man „festgestellt hat, dass die Geldanlage der Banken konträr zur eigenen Ideologie sein kann“.

Umgesetzt wird der Nachhaltigkeitsgedanke mittels eines absoluten Best-in-Class von Oekom, die heute unter ISS firmiert, und mittels verschiedener Ausschlusskriterien des Franziskanerordens. Geflöht wird das 6.400 Titel zählende Universum zudem nach fundamentalen Kriterien. Am Ende wird in etwa ein Prozent des Fondsuniversums investiert. „Einschränkungen gibt es bei jeder Strategie“, sagt Portfoliomanager Sebastian Riefe. Harald Brockmann sagt: „Es gibt eine Masse an Ausschlusskriterien. Einmal sind es die Geschäftsfelder und zweitens ethisch kontroverse Geschäftspraktiken. Letzteres kommt manchmal in öffentlichen Betrachtungen zu kurz.“

FAANG-Aktien müssen draußen bleiben

Zu den kontroversen Geschäftspraktiken zählen Arbeitsrechtsverletzungen – und darum sind die Unternehmen Alphabet, Amazon und Tesla für die Franziskaner tabu. Ebenfalls auf der Ausschlussliste – und in diesem Fall auch bei ISS – ist Apple. Den Franziskanern sind die steuerlichen Gestaltungen von Apple ein Dorn im Auge. Nicht im Portfolio waren im vergangenen Geschäftsjahr auch Facebook und Netflix. Diese Aktien warn in den vergangenen Jahren die Überflieger an der Börse. Der Verzicht auf diese Unternehmen hat den Terassisi-Fonds somit Rendite (aber nicht Reputation) gekostet.

Dies zeigt: Man muss kein nachhaltiges Unternehmen sein, um in den Rankings der wertvollsten Unternehmen der Welt ganz oben platziert zu sein. Man muss als nachhaltiger Fonds aber auch nicht in nicht-nachhaltige Unternehmen investieren, um eine gute Performance zu erwirtschaften.

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