Mindestreserve: Finanzinstitute warnen vor Plänen des EZB-Rats

Die Europaflagge auf einem 100-Euru-Schein: Die Deutsche Kreditwirtschaft warnt vor einer Erhöhung der unverzinsten Mindestreserve im Euroraum. Bild: Pexels.
Deutschlands Kreditwirtschaft warnt vor einer Erhöhung der seit 2023 unverzinsten Mindestreserve der EZB. Dabei geht es um die Verluste der Notenbanken im Euroraum.
Die Deutsche Kreditwirtschaft warnt vor einer Erhöhung der unverzinsten Mindestreserve im Euroraum. Ein solcher Schritt lasse sich geldpolitisch nicht begründen und belaste die europäischen Banken zusätzlich, wie die Lobbyorganisation der Banken und Kreditinstitute in Deutschland in einem Statement vom vergangenen Freitag (4. September 2026) erklärte. Er konterkariere zudem die Bemühungen der Europäischen Kommission, die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Finanzsektors zu stärken, heißt es.
„Eine höhere Mindestreserve kommt einer Sonderbelastung für Banken im Euroraum gleich“, erklärte Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, federführend für die Deutsche Kreditwirtschaft. Die höhere Mindestreserve würde den Instituten Erträge entziehen und ihre Wettbewerbsposition gegenüber Banken an anderen Finanzplätzen verschlechtern, so Kolak. Letztlich drohe sogar die Abwanderung von Einlagen an andere Standorte, die nicht der Mindestreserve unterliegen.
Hohe Zinsausgaben belasten die EZB
Hintergrund der Debatte sind laut dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) die hohen Zinsausgaben der Notenbanken seit dem Ende der Niedrigzinsphase. Derzeit verzinsen die Europäische Zentralbank (EZB) und die 21 nationalen Zentralbanken des Euroraums Überschussliquidität von rund 2,12 Billionen Euro mit 2,25 Prozent. Daraus ergeben sich nach Verbandsangaben jährliche Zinsausgaben von etwa 48 Milliarden Euro.
Würde die unverzinste Mindestreserve von einem auf zwei Prozent erhöht, könnten die Notenbanken ihre Zinsausgaben nach Berechnungen des BVR um rund vier Milliarden Euro jährlich verringern. Eine Verdopplung der unverzinsten Mindestreserve würde die Ertragskraft der Banken im gleichen Umfang verringern. Bereits seit September 2023 wird die Mindestreserve der Banken bei der EZB nicht mehr verzinst.
Die Deutsche Kreditwirtschaft, ein Zusammenschluss der fünf großen kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände, argumentiert, dass es für eine Erhöhung der seit 2023 unverzinsten Mindestreserve keine überzeugenden geldpolitischen Gründe gebe. Die aktuelle Diskussion im EZB-Rat werde daher vor allem mit der Absicht geführt, die Zinsausgaben der EZB und der nationalen Notenbanken zu verringern und diese Kosten auf den Bankensektor zu verlagern. Das geldpolitische Instrument der Mindestreserve werde so noch stärker für fiskalische Zwecke eingesetzt. Das sei nicht die Aufgabe der EZB.
Nach Verbandsangaben sind die Bilanzverluste einiger Notenbanken im Eurosystem wesentlich eine Folge der umfangreichen Anleihekäufe der vergangenen Jahre und der anschließenden Zinswende. Im Rahmen dieser Programme hätten die nationalen Zentralbanken insbesondere Staatsanleihen ihres jeweiligen Landes gekauft, heißt es. Die durch die Anleihekäufe gedrückten Refinanzierungskosten der Eurostaaten seien unmittelbar den nationalen Staatshaushalten zugutegekommen. Die dort, teils bis heute anhaltend, gezahlten geringeren Verzinsungen seien das wahre ökonomische Spiegelbild zu den von den Notenbanken gehaltenen Staatsanleihen, wie die Deutsche Kreditwirtschaft betont.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: EZB
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