Fitch erwartet weitere Übernahmen im Versicherungssektor
In der europäischen Versicherungslandschaft stehen weitere Fusionen und Übernahmen an. Laut Fitch dürfte sich auch die Konsolidierung im deutschen Markt für Lebensversicherungsbestände fortsetzen.
Die M&A-Aktivität europäischer Versicherer wird sich nach Einschätzung von Fitch in diesem Jahr weiter beschleunigen. Die Ratingagentur erwarten insbesondere verstärkte Aktivitäten in den Bereichen Spezial- und Rückversicherung, Lebensversicherung in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland. Im vergangenen Jahr war etwa die Vienna Insurance Group bei der Nürnberger eingestiegen. Auch im europäischen Bancassurance-Sektor, also bei Kooperation zwischen Banken und Versicherungsunternehmen, wie sie in Frankreich oder Belgien verbreitet sind, erwartet Fitch Ratings ein anziehendes Transaktionsgeschehen.
Solvency-II-Reform stärkt Kapitalbasis
Viele europäische Versicherer weisen nach Einschätzung der Ratingagentur Solvabilitätsquoten unter Solvency II auf, die über ihren Zielvorgaben liegen. Im Zuge der Reform von Solvency II könnten die entsprechenden Quoten im Durchschnitt um fünf bis sieben Prozentpunkte und für einige Gruppen sogar um bis zu 20 Prozentpunkte ansteigen, wenn sie am 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Dies stärke die Kapitalbasis zur Finanzierung von Akquisitionen und reduziert das Risiko negativer Ratingmaßnahmen im Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen, heißt es.
Spielraum sieht Fitch auch auf der Refinanzierungsseite. Insbesondere Versicherungsunternehmen, die über ein Rating verfügen, hätten einen gewissen Spielraum bei der Ausgabe neuer Schulden, ohne die Kriterien von Fitch für die Finanzierungsstruktur und die Deckungsquote fester Zinsen auf ihrem aktuellen Ratingniveau zu verletzen.
Fusionen und Übernahmen als Wachstumstreiber
Für Fusionen und Übernahmen spricht zum Beispiel, dass sie das Umsatz- und Gewinnwachstum des Sektors stützen könnten. Sie würden damit ein Gegengewicht bilden zu den Herausforderungen der Unternehmen. Fitch listet an dieser Stelle schwächere Preisbedingungen im Nichtlebensversicherungssegment ebenso auf wie langsames Wirtschaftswachstum und „sich stabilisierende Anlagerenditen“.
Luft nach oben gibt es offenbar auch bei neuen Partnerschaften zwischen europäischen Lebensversicherern und großen, hauptsächlich US-amerikanischen, alternativen Investmentmanagern. Versicherungen arbeiten in zunehmendem Maße eng mit Finanzinvestoren, insbesondere aus den USA, zusammen. Diese Kooperationen erstrecken sich sowohl auf die Kapitalanlage (Investitionen) als auch auf direkte Beteiligungen und die Auslagerung von Lebensversicherungsbeständen. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen.
De-Risking und Run-off
Im Fokus der Betrachtung befinden sich derzeit insbesondere die Niederlande. Das Land stellt sein Pensionssystem noch voraussichtlich bis 2028 von leistungsorientierten auf beitragsorientierte Pensionspläne um. Bei Fitch gehen sie vor diesem Hintergrund davon aus, dass sich entsprechende De-Risking-Transaktionen, also der Transfer von Pensionsrisiken auf darauf spezialisierte Käufer, beschleunigen werden.
Der deutsche Lebensversicherungsmarkt wiederum bietet laut Fitch „weiterhin günstige Bedingungen für Bestandskonsolidierungen“. Etablierte Run-off-Anbieter wie Viridium, Frankfurter Leben und Athora seien für weitere Transaktionen bestens positioniert. Neue Marktteilnehmer hätten es dagegen schwer. Fitch zufolge ist in Deutschland – wie auch in den Niederlanden – der Markteintritt neuer Konsolidierer nur begrenzt möglich.
Run-off-Versicherer sind ihrerseits ein willkommenes Investment für Versicherer: Im März 2025 hatte sich die Allianz gemeinsam mit Blackrock und der japanischen T&D Insurance an Viridium beteiligt.
M&A-Aktivitäten gibt es laut Fitch innerhalb des Segments der großen Versicherer und Rückversicherer. Sie erwägen Zukäufe, um ihre Kompetenzen oder ihren Vertrieb in bestehenden oder neuen Märkten auszubauen. Als Beispiele dafür nennt Fitch Munich Re, Allianz und Generali. Alle drei hätten ihre Bereitschaft zu weiteren Fusionen und Übernahmen signalisiert. Munich Re hatte im Vorjahr Next Insurance übernommen, während Axa die Übernahme von Prima, des Marktführer im italienischen Direktvertrieb, festzurrte.
Übrigens: Die Deutsche Betriebsrenten-Holding (DBR), eine Konsolidierungsplattform für leistungsorientierte Pensionsverpflichtungen anderer Unternehmen, hat im November 2025 von einer weiteren Transaktion dieser Art berichtet. Ebenfalls als Konsolidierungsplattform betätigt sich Vedra Pensions. Sie hatte im Oktober 2025 eine weitere Transaktion vermeldet. Nach eigenen Angaben hat die Vedra Pensions GmbH die deutschen Pensionsverbindlichkeiten der Hypo Real Estate Holding GmbH (HRE-Holding) in Höhe von circa 53 Millionen Euro übernommen. Dies sei im Wege eines Pension-Buyout geschehen, heißt es.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Lebensversicherung | Run-off
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