Immobilien
26. August 2021

Für Netto-Null-Ziel muss Immobiliensektor mehr tun

Rics: Miet- und Preisaufschlag für grüne Gebäude. Empira zieht Neubau Sanierung vor.

Die Bereitschaft zu umweltfreundlicheren Gebäuden und nachhaltigeren Projekten wächst – aber nicht schnell genug, um die globalen Netto-Null-Ziele zu erreichen. Dies geht aus dem aktuellen, jährlichen Nachhaltigkeitsbericht hervor, der von der Rics und dem World Built Environment Forum erstellt wurde. Die Studie untersucht insbesondere, wie sich die Präferenzen für grüne Gebäude verändert haben und welche Faktoren das wachsende Interesse an ESG-Investitionen bestimmen. Der Bericht für das Jahr 2021 fasst die Meinungen von mehr als 4.000 Teilnehmern aus 30 Ländern des Rics Global Commercial Property Monitors und des Rics Global Construction Monitors zusammen.

ESG-Bewusstsein und Reputation sorgen für ESG-Boom

Bezüglich Gewerbeimmobilien geben über 40 Prozent der Befragten an, dass die Nachfrage von Kunden, Stakeholdern und Auftraggebern eine der Hauptantriebskräfte für den Boom bei Investitionen in Umwelt, Soziales und Governance (ESG) ist. Als weitere Faktoren, die den Wandel beeinflussen, ermittelte die Studie das gestiegene Bewusstsein für ESG-Risiken und -Chancen sowie das Markenimage und der Ruf. Die Erwartung höherer Renditen spielte nur bei circa 15 Prozent der Befragten eine treibende Rolle.

Da die Nachfrage nach umweltfreundlicheren Immobilien steigt, kann die Verbesserung der Nachhaltigkeitsattribute eines Gebäudes einen Mietaufschlag bewirken. Weltweit glaubt etwa die Hälfte der Umfrageteilnehmer, dass grüne Gebäude einen Miet- und Preisaufschlag gegenüber nicht-nachhaltigen Gebäuden erzielen. Mehr als ein Drittel glaubt, dass der Miet- und Preisaufschlag bei bis zu zehn Prozent liegt; etwa 15 Prozent schätzen ihn noch höher ein. Darüber hinaus geben über 30 Prozent an, dass, selbst wenn es keinen Miet- oder Preisaufschlag gibt, Gebäude, die nicht als nachhaltig eingestuft sind, einem „braunen Discount“ unterliegen. Nur 20 Prozent sind der Ansicht, dass es weder einen Miet- oder Preisaufschlag noch Discount gibt.

Etwa 45 Prozent der Befragten weltweit berichten von einer moderaten Belebung der Investorennachfrage nach grünen Gebäuden. Weitere 16 Prozent stellen einen stärkeren Anstieg des Interesses fest. Europa spielt hier eine Vorreiterrolle mit über 30 Prozent, also fast ein Drittel der Befragten berichten demnach von einem stärkeren Nachfrageanstieg. Insgesamt gehen in Europa 74 Prozent von einem signifikanten bis moderaten Anstieg aus.

Susanne Eickermann-Riepe, Vorstandsvorsitzende der Rics in Deutschland, kommentiert: „Die Nachfrage nach grünen und nachhaltigen Immobilien bei Gewerbeimmobilien steigt deutlich. Diese Erkenntnis, aber auch das Bewusstsein für ESG-Risiken wird als ein treibender Faktor benannt, ebenso wie das Image und die Reputation. Die Erwartung an eine bessere Performance und höhere Renditen spielt eine eher untergeordnete Rolle.“ Insbesondere nehme in Europa die Nachfrage nach grünen und nachhaltigen Gebäuden Fahrt auf, sowohl bei Investoren, als auch bei Mietern. Gleichzeitig werden steigende Mieten und Preise für grüne und nachhaltige Gebäude von der Hälfte der Befragten bestätigt. Ein Drittel sehe eher einen braunen Discount.

Empira-Studie empfiehlt Wohnungsneubau

In einer Mitte August veröffentlichten Studie zu Wohnungsbeständen hat der Investment Manager Empira ermittelt, dass die deutschen und europäischen Klimaziele nur durch deutlich mehr privatwirtschaftlichen Wohnungsneubau zu erreichen sind. So sei vor allem der deutsche Wohngebäudebestand deutlich älter als im EU-Schnitt und nur zu 13,8 Prozent vollsaniert oder neu gebaut.

„Wohnungsneubau bringt erheblich größere Energie- und Emissions-Einsparpotenziale mit sich als Bestandssanierung. Deutschland hinkt hierbei den eigenen Ansprüchen – auch im europäischen Vergleich – unvermindert hinterher“, kommentiert Prof. Steffen Metzner, Head of Research von Empira und Autor der Studie.

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