Versicherungen
25. Januar 2024

GDV: höhere Zinsen verbessern Ertragskraft der Versicherer

Der deutsche Versicherungsverband GDV geht davon aus, dass sich das Umfeld für die Lebensversicherung aufhellt. Die höheren Zinsen verbesserten die Ertragskraft der Unternehmen.

Die deutsche Versicherungswirtschaft hat sich nach Einschätzung ihres Gesamtverbands GDV im vergangenen Geschäftsjahr gut behauptet und blicke nun „verhalten optimistisch“ auf 2024. Das wurde auf der Jahresmedienkonferenz des Verbandes, an der GDV-Präsident Norbert Rollinger und Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen teilnahmen, am Donnerstag (25.1.) deutlich.

Demnach verbuchten die Versicherer im vergangenen Jahr über alle Sparten hinweg ein leichtes Beitragsplus von 0,6 Prozent auf 224,7 Milliarden Euro. Für dieses Jahr werde vor dem Hintergrund steigender Nominallöhne und nachlassender Inflation ein Beitragswachstum von 3,8 Prozent erwartet.

Lebensversicherung in Zahlen

Das Geschäft mit Lebensversicherungen sei im vergangenen Jahr durch die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage sowie die schwache Entwicklung der realen Löhne und der damit einhergehenden Konsumzurückhaltung belastet worden. Vor allem das Einmalbeitragsgeschäft sei davon betroffen gewesen. Die laufenden Beiträge entwickelten sich laut GDV „robust“. Insgesamt gingen die Beitragseinnahmen bei den Lebensversicherern deutlich um 5,2 Prozent auf 92,0 Milliarden Euro zurück.

In der Schaden- und Unfallversicherung war das zurückliegende Jahr unter anderem geprägt von gestiegenen Preise für Autoreparaturen. Das hat bei vielen Unternehmen die Zahlen verhagelt. Jedem eingenommenen Euro standen Ausgaben von 1,10 Euro gegenüber, wie Rollinger verdeutlichte. In der Folge ging der versicherungstechnische Gewinn der Sparte um mehr als die Hälfte auf rund 1,5 Milliarden Euro zurück. Der GDV erwartet weiter steigende Reparaturkosten.

Zinsniveau vorerst stabil

Ferner erwartet der Verband im laufenden Jahr ein besseres Umfeld für die Lebensversicherung und stabile Beitragseinnahmen. Die höheren Zinsen verbesserten die Ertragskraft der Unternehmen, die steigende Überschussbeteiligung erhöhe die Attraktivität der Produkte für alte und neue Kunden und die realen Einkommen dürften weiter anziehen, während die Inflation abnimmt, wie Asmussen ausführte. Gleichzeitig sei davon auszugehen, dass die Zentralbanken ihre Zinsen zumindest bis Mitte des Jahres auf dem derzeitigen Niveau belassen, womit kurzfristige Anlagen weiterhin attraktiv gegenüber langfristigen Anlagen wie Rentenversicherungen blieben.

Mit Blick auf den demnächst voraussichtlich wieder steigenden Höchstrechnungszins machte Asmussen deutlich, dass die Versicherer dann „erfreulicherweise“ wieder mehr tun könnten bei der Kapitalanlage. Es sei nicht nötig, vollständig auf Garantien zu verzichten, um langfristig höhere Anlageerträge zu erzielen. „Viele Menschen wünschen sich Sicherheit. Dazu können wir Mindestgarantien in unsere Produkte integrieren.“

Altersvorsorge im Fokus

Der GDV sieht unter anderem in der betrieblichen Altersvorsorge Handlungsbedarf. „Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz hat sich vor sechs Jahren viel getan. Jetzt muss es gezielt weiterentwickelt werden“, sagte Hauptgeschäftsführer Asmussen und kam auf die daraufhin entstandenen Sozialpartnermodelle zu sprechen. Diese sollten für weitere Unternehmen geöffnet werden. Aber auch generell könne man die betriebliche Altersvorsorge attraktiver gestalten, etwa indem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer automatisch darin einbezogen werden – „es sei denn, sie wollen das ausdrücklich nicht. Noch besser wäre es, wenn sich die Arbeitgeber zusätzlich zur Entgeltumwandlung an der Betriebsrente beteiligen”, so Asmussen.

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