GDV-Zahlen: So entwickelt sich der CO₂-Fußabdruck der Kapitalanlagen
Laut dem neuen Nachhaltigkeitsbericht des Versicherungsverbands GDV ist der CO₂-Fußabdruck der Kapitalanlagen deutscher Versicherer erneut geschrumpft. Zahlen liegen auch für Immobilieninvestments vor.
Der CO₂-Fußabdruck der Kapitalanlagen deutscher Versicherer ist erneut geschrumpft. Das zeigt der Nachhaltigkeitsbericht 2026 des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Vorgestellt wurden die Ergebnisse am 15. Oktober 2026 beim Nachhaltigkeitstag der Versicherer, dem „TransVer Day“ in Berlin. Im Jahr 2025 lag der Wert bei 44 Tonnen CO₂ je investierter Million Euro, nach 47 Tonnen im Vorjahr und 61 Tonnen im Jahr 2023.
Laut dem Nachhaltigkeitsbericht (hier als pdf abrufbar) hat der GDV für Kapitalanlagen mit einem Volumen von 363,3 Milliarden Euro CO₂-Daten erhoben. Der CO₂-Fußabdruck für Unternehmensanteile und -anleihen ist um 6 Prozent auf 49 Tonnen CO₂ je Million investierter Euro zurückgegangen.
In Anlehnung an die Delegierte Verordnung zur Offenlegungsverordnung wurde zum dritten Mal der CO₂-Fußabdruck von Immobilieninvestments erhoben. In diese Berechnung fließen nur die Emissionen ein, die durch den Betrieb der Immobilien verursacht werden.

Für das Jahr 2025 beträgt der CO₂-Fußabdruck für Immobilien neun Tonnen CO₂ je investierter Million Euro (Vorjahr: zehn Tonnen). Für Versicherer sei in der Kapitalanlage die energetische Sanierung von Gebäuden über Eigen- und Fremdkapital relevant, wie der GDV anmerkt, da sie die Attraktivität und den Wert von privaten und gewerblichen Immobilien steigere.
Entscheidend ist der langfristige Trend
Insgesamt sieht der Verband in der Senkung der Kennzahlen des CO₂-Fußabdrucks seit 2021 eine positive Entwicklung. Allerdings werde der CO₂-Fußabdruck auch in Zukunft Marktschwankungen unterworfen sein.
Aufgrund der hohen Investitionsvolumina der Versicherer werde sich der CO₂-Fußabdruck der Kapitalanlagen perspektivisch ähnlich wie die Gesamtwirtschaft entwickeln, so die Erwartungshaltung des Verbands. Entscheidend für die weitere Dekarbonisierung der Anlageportfolios sei daher, wie der eingeschlagene Weg zur Dekarbonisierung der Realwirtschaft fortgesetzt werde.
GDV: Nachhaltigkeit und Klimaschutz haben politisch an Bedeutung verloren
GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen kommentiert den Rückgang so: „Der CO₂-Fußabdruck unserer Kapitalanlagen ist innerhalb von zwei Jahren um fast 28 Prozent gesunken. Das zeigt, dass die Portfolios sich verändern.“
Gleichzeitig erklärt Asmussen, Nachhaltigkeit und Klimaschutz hätten insgesamt „leider politisch an Bedeutung verloren, obwohl die Fakten eine klare Sprache sprechen. Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels wird vielerorts schneller zur dringenden Aufgabe, als lange angenommen wurde. Eine zögerliche Klimapolitik können wir uns nicht mehr leisten.“
Grundlage der Erhebung des GDVs zum CO₂-Fußabdruck sind Kapitalanlagen in Höhe von 363,3 Milliarden Euro. An der Umfrage zum Nachhaltigkeitsbericht haben Erstversicherer teilgenommen, die zusammen 72 Prozent der Bruttobeitragseinnahmen abdecken.
Zahl der finanzierten Projekte wächst
Gleichzeitig investieren Versicherer verstärkt in Wind- und Solaranlagen. Die Zahl der finanzierten Projekte ist den Angaben zufolge auf 1.691 gestiegen, nach 1.391 im Vorjahr.
Der daraus anteilig erzeugte Strom stieg auf rund 24,3 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht etwa 18 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs der deutschen Privathaushalte.
Nach Verbandsangaben arbeiten Versicherer daran, ihre eigenen CO₂-Emissionen zu reduzieren, die Kreislaufwirtschaft zu fördern und Kunden sowie Geschäftspartner bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Der Nachhaltigkeitsbericht soll einen Überblick geben über die Ambitionen, Maßnahmen und Fortschritte der Branche auf Grundlage von GDV-Umfragen.
„Halten Sie Kurs“
In ihrer Rede beim Nachhaltigkeitstag der Versicherer bezeichnete Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Versicherer als Partner auf dem Weg zu mehr Klimaschutz. Die Branche habe früh erkannt, worauf es ankomme, und sich bereits vor fünf Jahren eine eigene Roadmap für mehr Nachhaltigkeit gegeben.
Der Klimawandel habe konkrete Folgen für Menschen, Unternehmen und Kommunen, betonte Schwarzelühr-Sutter mit Blick auf den zurückliegenden Hitzesommer 2026. Eine Stärke der Versicherer sieht die Staatssekretärin darin, Zukunftsprognosen mit kühlem Kopf und spitzem Bleistift in konkrete Zahlen zu übersetzen. Genau das brauche auch ein wirksamer Klimaschutz.
Wer die Lage wirklich gut verstehen wolle, müsse die Folgekosten nüchtern kalkulieren. Das bringe mehr, als abstrakte Meldungen über steigende Durchschnittstemperaturen hinzunehmen, ohne die Folgen wirklich abschätzen zu können. Der Klimawandel sei deshalb keine Ideologie, sondern ein Risiko, mit dem Gesellschaft und Wirtschaft umgehen müssten. Ihr Appell an die Branche: „Halten Sie Kurs.“
Nachhaltigkeit stehe derzeit in der Kritik und gelte vielen als Belastung, sogar als Gegenspieler für Wettbewerbsfähigkeit. Schwarzelühr-Sutter hielt dagegen: Die Green Economy sei in den vergangenen zehn Jahren ein zentraler Wachstumstreiber gewesen und beschäftige in Deutschland inzwischen mehr Menschen als die Automobilindustrie. Dieses Potenzial müsse gehoben werden, ob bei erneuerbaren Energien, beim Wasserstoffhochlauf oder in der Kreislaufwirtschaft. Die Konkurrenz aus China schlafe nicht.
Klimaziele jetzt aufzuweichen, gefährde zudem bereits getätigte Investitionen. Als Beispiel führte Schwarzelühr-Sutter die erfolgreiche Dekarbonisierung der Stahlindustrie an. Auch die Bundesregierung halte am Green Deal als verlässlichem Rahmen fest. Zugleich räumte sie aber auch ein, dass in kurzer Zeit viel Regulierung entstanden sei. Gemeinsam mit der EU-Kommission arbeite man daran, Inkohärenzen zu beseitigen und unnötige Bürokratie abzubauen. Auch den europäischen Binnenmarkt sieht sie als Chance: Europas wirtschaftliche Größe könne stärker genutzt werden, um Risiken gemeinsam tragbar zu machen und Vorsorge zu belohnen.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Klimarisiken | Versicherer
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